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Am Anfang war der Traum

Warum träumen wir? Genau weiss man es nicht. Die Forschung glaubt, dass unser Hirn im Schlaf tagsüber gewonnene Informationen abspeichert, neue mit älteren Erinnerungen verknüpft. Ob die Träume dabei wirklich eine Rolle spielen, ist noch nicht geklärt. Vielleicht träumen wir, damit es uns im Schlaf nicht langweilig wird?

Kreativität und Träume

Es gibt viele Künstler, die ihre kreativen Ideen aus Träumen gewonnen haben. Ein schönes Beispiel ist Paul McCartney, der die Melodie von «Yesterday» geträumt hat. In einer Studie bei «normalen» Menschen wurde festgestellt, dass circa acht Prozent der Träume kreative Anregungen für den Alltag enthielten, Ideen für Diplomarbeiten, für Geschenke, Bilder, Geschichten und neue Hobbys. In einer weiteren Studie zeigte sich, dass die Anzahl der kreativen Träume gesteigert werden kann, wenn man sich abends eine kreative Aufgabe vornimmt. Die Ergebnisse, die an Studierenden gewonnen wurden, lassen sich möglicherweise gewinnbringend in kreativen Berufen einsetzen.

Dafür gibt es eine Kreativitätsstrategie, bei der man sich einem Problem aus verschiedenen Perspektiven nähert und dafür in unterschiedliche Rollen schlüpft. Die Methode ist als

Walt-Disney-Methode

oder «Disney method» bekannt. Eine verwandte Kreativitätstechnik sind die „Denk-Hüte“, die der britische Wissenschaftler Edward de Bono entwickelt hat. Dabei stehen verschiedene Farben für unterschiedliche Rollen in einer Diskussion – und die Teilnehmer setzen sich je nach Perspektive bildlich gesprochen einen bestimmten farbigen Hut auf.

Bei der Disney-Strategie, die allein oder im Team durchgeführt werden kann, versetzen sich die (der) Teilnehmer wie in einem Rollenspiel nacheinander in drei Charaktere:

Den Träumer, der wild herumspinnt und neue, verrückte Ideen entwickelt.

Den Planer, der sich Gedanken über die konkrete Umsetzung der Ideen macht.

Den Kritiker, der die Ideen genau überprüft und auf eventuelle Risiken hinweist.

Quelle: Landsiedel NLP Training

Im ersten Schritt wird die Fragestellung, das Problem oder das Ziel möglichst konkret formuliert. Anschließend wird es aus unterschiedlichen Sichtweisen näher beleuchtet. Kernpunkt ist das Einnehmen von den drei verschiedenen Rollen:

Der Träumer

geht davon aus, dass alles möglich ist. Er sieht keine Risiken oder Probleme und geht von einer idealen Welt aus. In dieser Rolle darf (und soll) ohne Grenzen fantasiert werden. Es geht darum, frei zu denken, zu träumen, statt in die so typische «Ja, aber …» Haltung zu rutschen.

Der Planer

ist auch der «Macher» oder «Realist» und betrachtet das Thema von der praktischen Seite. Typische Einstiegsfragen für den Planer sind: «Wie können wir das umsetzen?» und «Was gilt es alles zu tun?», «Wie sieht der Zeitplan aus?», «Die Kosten?» usw.

Der Kritiker

ist ein wohlwollender Zeitgenosse, aber übt, wie sein Name sagt, konstruktive Kritik: «Wo lauern Probleme?», «Welche Stolpersteine oder Widersprüche gibt es?», «Wo fehlt noch was?», «Was wurde nicht berücksichtigt?», «Kann mit diesem Plan das Ziel erreicht werden?» usw.

Ablauf

Markiere drei verschieden Stellen oder Stühle im Raum für die drei Rollen. Wichtig ist: Grenze die einzelnen Rollen eindeutig gegeneinander ab. Also bitte nicht als Träumer schon Einwände ansprechen! Steigere dich in jede Rolle rein und nimm NUR diese Rolle an. Alles andere sollst du bewusst weglassen.

Nimm die Position des Träumers ein. Erinnere dich an eine deiner kreativen und fantasievollen Stimmungen.

Egal, ob es realistisch ist, ob es machbar ist, schreibe alle Ideen auf. Verrückte, völlig unlogische und ungewöhnliche Einfälle und Verbindungen sind besonders hilfreich. Sie sind die wesentliche Grundlage der kreativen Ideenfindung. Einschränkungen sind in dieser Phase nicht erlaubt, also keine Kritik oder Einwände.

Wenn du fertig bist, geh zum Planer-Stuhl. Hier betrachtest du die Ideen aus der Traum-Rolle: Erarbeite einen Plan zur Umsetzung, notiere alle Maßnahmen, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Schreibe auf, über welche Mittel und Möglichkeiten du bereits verfügst und welche noch benötigt werden. Welche Menschen, Teams, Abteilungen oder Unternehmen könnten dir dabei helfen? Welche Ressourcen und Qualifikationen benötigst du?

Anschließend suchst du auf dem Kritiker-Stuhl nach Fehlern und Schwachpunkten im Plan. Sei sehr kritisch und trotzdem wohlwollend. Schreibe alle Punkte zu dem Plan auf, den du als Realist gemacht hast.

Dann kommt wieder die Traum-Rolle an die Reihe: Erarbeite aus den bisherigen Ergebnissen des Realisten und des Kritikers etwas noch Grossartigeres. Nimm dir die Kritik Punkt für Punkt vor und erweitere das Ziel, bis sich die Kritik auflöst. An der Stelle nicht die Idee reduzieren, sondern erweitern! Wenn der Kritiker beispielsweise anmerkt, dass die Zeit nicht ausreicht, dann könnte der Träumer noch einen Helfer einstellen. Wenn der Platz für die Idee nicht ausreicht, dann mietet der Träumer Räume dazu etc. Erweitere das Ziel, bis die Kritik sich auflöst und dem Kritiker nichts mehr einfällt. Das Ergebnis schreibst du genau auf – ist das dann ein Kernstück deines Traums?

Fazit:

Die Disney-Methode führt immer dazu, dass ein Problem oder ein Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Konkrete Schlussfolgerungen für Handlungen werden dann abgeleitet und Taten folgen. Sonst wäre das Ganze zwar vermutlich eine nette Veranstaltung gewesen, aber ohne Ergebnis.

Egal, ob du die Disney-Methode allein oder im Team durchführst: Sorge dafür, dass die Ergebnisse in irgendeiner Form verwertet werden.

Sinnvoll ist die Erstellung einer Liste, in der folgende Fragen beantwortet und mit Verantwortlichkeiten festgelegt werden:

Welche Träumer-Ideen werden weiterverfolgt?

Welche Macher-Schritte werden als nächstes angegangen?

Welche Kritiker-Anmerkungen werden beachtet und berücksichtigt?

Die Methode kannst du auch im Alltag wunderbar einsetzen. Wie wäre es mit der Methoden-Anwendung zur Frage: «Womit verbringe ich meine Zeit am Wochenende?»

Und nebenbei entstehen bei der Disney-Methode Ziele – und wir wissen ja, Ziele sind wichtig und machen Sinn. Nicht, dass es dir wie Mark Twain geht:

Nachdem wir das Ziel endgültig aus den Augen verloren hatten,
verdoppelten wir unsere Anstrengungen.

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One Comment

  1. Guter Artikel! Kurz, prägnant und leicht umzusetzen. Erinnert mich an eine frühere Therapie, in der es auch darum ging, den Stuhl zu wechseln, um eine andere Sichtweise zu erleben. Mal sehen, ob ich’s noch kann.

    Grüsse aus Würzburg

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