Die wichtigste Frage im Leben

Die wichtigste Frage in unserem Leben

Jeder Mann und jede Frau möchten ein sorgenloses, glückliches und unkompliziertes Leben. Jemanden lieben, gigantischen Sex und eine phantastische Beziehung, perfekt aussehen, genug Geld verdienen, respektiert und bewundert werden. Das will jeder – und ich finde, da ist nichts dagegen einzuwenden – dafür bin ich auch zu haben.

Wenn gefragt, „Was möchtest du in deinem Leben?“  könnte die Antwort sein „Ich möchte glücklich sein, eine grossartige Familie und einen Job, der mir gefällt“. Diese Antwort ist omnipräsent und gleichzeitig etwas nichtssagend. Mir scheint, die Frage, die interessantere Antworten hervorbringen könnte, ist, „Für was in meinem Leben bin ich bereit, Aufwand zu betreiben? Für was in meinem Leben will ich mich bemühen und anstrengen?“

Solange wir leben, kämpfen wir, solange wir kämpfen, ist es ein Zeichen, dass wir nicht unterlegen sind und der gute Geist in uns wohnt.
Und wenn dich der Tod nicht als Sieger antrifft, soll er dich wenigstens als Kämpfer finden.

(Augustinus Aurelius (354 -430)

Jeder möchte den Super-Job und finanzielle Unabhängigkeit – aber nicht jeder ist bereit, sich durch die 60 Arbeits-Stunden-Woche zu plagen, stundenlang im Auto zu sitzen, widerwärtigen Papierkram zu erledigen, Machtkämpfe im Büro zu ertragen oder mit schwierigen Kollegen umzugehen. Manche möchten reich sein, ohne Risiko, ohne Opfer und ohne das Verständnis, kurzfristige Befriedigungen aufzuschieben, um längerfristig unabhängig zu sein.

Jeder will den guten Sex und eine Hammer-Beziehung – aber nicht jeder ist bereit, durch schwierige Diskussionen, unangenehme Gespräche, angsterfüllte Einsamkeit zu gehen, die die Gefühle verletzt, also wirklich zu akzeptieren, Gast auf der Achterbahn der Beziehung zu sein. So wird, öfter als zugegeben, ein Kompromiss geschlossen. Ab und zu taucht dann die Frage auf „Was wäre, wenn?“, bis die Frage sich mutiert zu „War’s das?“. Nachdem die Anwälte nach Hause gegangen sind, ihr Honorar erhalten haben und das Gericht die Unterhaltszahlungen festgelegt hat, taucht die Frage auf: „Wofür war das?“ und geht es nicht Hand in Hand mit dem Kompromiss, den ich vor XX (oder hoffentlich nur X) Jahren einging?

Ich glaube, glücklich sein bedingt Aufwand und negative Erfahrungen gehören zum Leben wie das Salz zum Kochen. Tief in unseren Bedürfnissen sind wir alle gleich. Mit positiven Ereignissen gehen wir mit Leichtigkeit um, während wir mit negativen Erlebnissen unsere Schwierigkeiten haben, zumindest in unserem Kopf. Doch in unserem Hirn können wir entscheiden, der CEO zu sein, so möchte ich Sie herausfordern und freue mich auf Ihren Kommentar oder Ihre Betrachtungsweise und werde auf jede E-Mail antworten.

Ich behaupte, die Qualität unseres Lebens wird nicht definiert durch die guten Gefühle, die wir haben, sondern mehr durch die Art und Weise, wie bereit wir sind, mit Widerständen umzugehen. Wie bereit wir sind, bewusst Aufwand zu betreiben, um zur Erfüllung, zu positiven Erlebnissen zu gelangen.

Wir wollen nicht nur intellektuell attraktiv sein, nein, wir wollen auch eine gute Figur haben. Dies funktioniert jedoch nur, wenn wir akzeptieren, dass das mit Aufwand verbunden ist. Es bedeutet (nicht für alle) sich die Zeit zu nehmen, in die Gym zu gehen, zu schwitzen und ausserdem anzufangen, die Kalorien und Kohlehydrate zu zählen, die wir täglich zu uns nehmen. Also die Schwarzwälder Kirschtorte und die Buttercroissants eventuell häufiger aussen vor lassen…

Wir wollen unser eigenes Business aufbauen oder finanziell unabhängig werden. Man wir nicht erfolgreich als Unternehmer, ausser man findet seinen Weg,  mit Risiko, Unsicherheit und Niederlagen umzugehen. Unzählige Stunden mit Arbeit zu verbringen, ohne zu wissen, ob es sich auch wirklich auszahlt.

Menschen wollen einen (Ehe-)Partner, eine glückliche Beziehung mit jemand Außergewöhnlichem leben. Dazu gehört die Fähigkeit, mit emotionalen Turbulenzen umzugehen, Ablehnung zu respektieren, sexuelle Spannung, die nicht befriedigt wird, anzunehmen und das Sitzen vor dem Telefon, welches nicht klingelt, zu akzeptieren. Das ist Teil des Liebeslebens und wenn man es nicht spielt, kann man nicht gewinnen.

Was den Erfolg ausmacht, ist nicht die Antwort auf die Frage; „Was möchtest du?“, sondern vielmehr, sich die Frage zu stellen: „Welchen Aufwand bin ich bereit zu betreiben, welchen Schmerz bin ich bereit zu erleiden?“ Die Lebensqualität hängt für mich natürlich auch von unseren positiven Erlebnissen ab und trotzdem, so glaube ich, ist es unsere Fähigkeit, wie wir mit negativen Ereignissen umgehen, die die wirkliche Qualität unseres Lebens bestimmt. Negative Erlebnisse können uns in der Tat weiterbringen, wenn wir sie als Herausforderung definieren und bewusst anfangen, negative Erlebnisse als Stufen auf der Treppe zu höherem Bewusstsein zu erkennen. „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“  ist die Art wie Sprichworte es definieren. Das kommt nicht von ungefähr, ist es doch so, wenn Sie diese Zeilen lesen, hat sie bisher nicht einmal die schlimmste Ihrer Befürchtungen, die Sie bisher hatten, umgebracht. Welches Leben würden wir führen ohne unsere Niederlagen?

Wir wollen alle etwas oder wir wollen mehr von irgendetwas. Wissen wir immer, was wir wollen und was mehr bedeutet, oder wollen wir, was wir glauben, dass andere von uns erwarten? Die besten und guten Dinge im Leben kommen selten ohne Aufwand. Wenn man den Strand-Body haben will, dann muss man Schweiss, den Muskelkater, das frühe Aufstehen und den unerfüllten Drang nach Süssigkeiten lieben. Wenn wir die Yacht besitzen möchten, dann muss man die langen Arbeitsnächte, die riskante Geschäftsentscheidung und die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden oder mehrere anpisst, in Kauf nehmen. Ich will hier nicht argumentieren dass man eine Yacht haben sollte, ist es doch, zumindest in meiner Welt, so, dass die wirklichen Dinge, die wichtig für uns sind, nicht mit der Kreditkarte gekauft, aber mit Aufwand erworben werden können – ok – meistens, wie in dem alten Witz, „wenn man das Los nicht kauft, dann kann auch nicht gewinnen“.

Stellt man fest, dass man etwas will, Monat für Monat, es aber nicht eintrifft, dann ist vielleicht das, was man will, tatsächlich nur eine Fantasie. Eventuell ist das, was man will, gar nicht, was man will, sondern was man in dem gesamten Prozess geniesst, ist eigentlich das (Er-)Warten.

Manchmal frage ich Klienten „und welchen Schmerz bist Du bereit zu ertragen?“ dann schauen sie mich an, als ob ich jetzt schlussendlich reif für die Klapsmühle sei. Dabei legt die Antwort auf diese Frage viel mehr über die Wünsche und Bedürfnisse frei, zeigt sie nämlich, dass wir Entscheidungen treffen müssen. Ein schmerzfreies Leben gibt es nicht. Nicht alles ist auf Rosen gebettet und der Lottogewinn ist auch noch nicht eingetroffen (muss erst noch das Los kaufen). Letztendlich sind es die schwierigen, unangenehmen Fragen, die wir uns stellen, die die Qualität unseres Lebens ausmachen. Hand aufs Herz, die wirklich wichtigen Entscheidungen im Leben bisher lagen fast immer ausserhalb der Komfortzone. Was willst du?  ist zu einfach. Interessanter erscheint mir die Herausforderung „Welchen Aufwand/Schmerz bin ich bereit zu ertragen, um YY zu erreichen?“

Es ist diese Frage, die uns in der Antwort voneinander unterscheidet, die uns definiert und schlussendlich auch zusammen  führt. Belohnung, ohne Aufwand/Schmerz, funktioniert sehr selten. Alles hat seinen Preis, „there is no free lunch“. Verliebt zu sein im Ergebnis genügt nicht, man muss auch den Aufwand lieben. So ist das Leben.

Wer wir sind, wird definiert durch die Grundwerte, die wir haben, für die wir bereit sind, Aufwand zu betreiben. Jene, die in die Gym gehen oder sich regelmässig körperlich betätigen sind in guter Form und besteigen das Matterhorn im hohen Alter. Jene, die entschieden haben, den Autopiloten auszuschalten und den notwendigen Aufwand für ihr Unterfangen zu akzeptieren, kommen im Leben voran und sind zufrieden und glücklich.

Das hat nichts mit Willenskraft oder Charakterstärke zu tun, ist es vielmehr eine Variante zu „No pain – no gain“.

Es ist für mich eine einfache und grundlegende Sache mit unserem Leben: Es ist der Aufwand, den wir betreiben, der unseren Lebenserfolg definiert. Lassen Sie uns unseren Aufwand mit Weisheit wählen…

Über Pfingsten bin ich im Urlaub, deshalb die nächste SMSS leider erst wieder am 22. Mai in Ihrer Inbox.

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