Empathie ist kein Gefühl

Bild: HG

Auf einem Agriturismo in der Mitte der Toskana: die Grillen zirpen, die Vögel zwitschern und die Tauben gurren. Es ist warm. Da sitze ich und reflektiere über eines der Stammtisch-Themen vom letzten Montag in Berlin. Wenn ich über den Bildschirmrand schaue, dann sehe ich die Landschaft oben auf dem Bild vor mir. Es ist eine grossartige Stimmung, so gegen 17.30 Uhr, nach einem Gewitter, alles in ein Licht getaucht, das keine Fotografie wiedergeben kann. Das Foto ist nur zweidimensional und – unsere Augen haben doch die bessere Optik.

Mitleid, Mitgefühl und/oder Empathie? Was ist Empathie? Definitionen findest du haufenweise. Was bedeutet Empathie für dich? Oft wird Empathie mit Synonymen wie Einfühlungsvermögen, Verständnis, Empfindsamkeit, Anteilnahme oder Sympathie erklärt. Mitleid und Mitgefühl sind wiederum etwas anderes.

Wie fast immer, die unbestimmten Hauptwörter (alles, was man nicht anfassen kann) lassen vielerlei Interpretationen zu.

Ich denke, Empathie ist die Fähigkeit, die Gedanken und Empfindungen des Gegenübers wahrzunehmen und zu verstehen. Empathie ist kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit, die Gefühle des Gegenübers zu erkennen – und alle Fähigkeiten können gelernt werden. Wahrnehmen meint, unsere Antennen sind ausgerichtet und Verstehen – nun, vielleicht einfacher gesagt als getan, denn beim Verstehen der Gefühle des anderen, fliessen unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen mit ein; unser Verstehen ist somit persönlich geprägt.

Die Reaktionen auf das empathisch Wahrgenommene sind dann Gefühle, wie Mitleid, Trauer, Glück, Freude oder Angst. Empathie als Mitgefühl zu bezeichnen, ist genau genommen nicht ganz korrekt, da Mitgefühl bereits die Reaktion auf das Wahrgenommene ist.

Empathie fängt im Idealfall bei einem selbst an. Wird man sich selbst bewusst(er), welche Gedanken und Empfindungen man hat und fragt sich, warum und woher die Gedanken und Gefühle kommen, dann erhöht man die Achtsamkeit mit sich selbst – denn will ich verstehen, was das Gegenüber fühlt, muss ich vorab fähig sein, mit meinen Gefühlen klar zu sein.

Empathie hat nichts mit einem Monolog oder einer Aussage zu tun, wie man eine ähnliche Situation selbst erlebt hat:

„Deine Grossmutter ist gestorben? Wie alt war sie? Was, 95? Nun ja, meine starb mit 72…“

„Deine Beziehung ging auseinander? Nun, wenigsten hattest du eine – ich bin seit 10 Jahren Single…“

„Deine Katze musstest du einschläfern lassen? Ok, sie war krank, ist doch besser so!“

Empathie hat nichts mit Mitleid (mit-leiden) zu tun:

Wenn du Mitleid hast, dann bewertest du die Situation beim anderen und weil du „diese“ nicht haben willst, bist du insgeheim froh, dass es dir besser geht. Damit bist du bei dir und nicht beim Gegenüber.

Du machst dir ihr/sein Leiden zu deinem und stellst dir vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du in der bestimmten Situation wärst. Du leidest auch.

Du hast keine Lösung und bist auch hoffnungslos – damit bestätigst du die Leid-Situation: „Oh, das ist ja wirklich schlimm…“

…damit leidest du mit.

Glaubst du, dass für den Empfänger Mitleid gut ist? Oder, fühlt sich die Person durch dein Mitleid nicht noch bedauernswerter und tragischer – und fühlt sich sogar als Opfer?

Empathie und Verständnis entwickelst du, indem du den anderen erzählen lässt: „Wie war deine Oma, was machte sie aus?“, „Was macht das Ende dieser Beziehung mit/in dir?“, „Wie gehst du mit dem Verlust um?“

Helfen kannst du nur mit Mitgefühl, welches entsteht, nachdem du empathisch festgestellt hast, was dein Gegenüber fühlt und beschäftigt. Es ist manchmal schwer, das Mitleid in die Schranken zu weisen – aber vergiss nicht: Du bist nicht für das Leben anderer verantwortlich – da ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Leid wird nicht kleiner, wenn du es übernimmst. Wenn du mitleidest, kannst du nicht gut helfen. Mitleid raubt dir Kraft und Verständnis.

Mit Mitgefühl bleibst du auf Distanz zu deinen eigenen Gefühlen wie auch zu den Gefühlen des anderen. Du bist emotional weniger engagiert. Anstatt die Aussichtslosigkeit zu bestätigen, strahlst du Wohlwollen und Hoffnung aus. Du belastet dich nicht selbst mit der Traurigkeit, der Ausweglosigkeit und hast damit mehr Kraft für sinnvolle Ideen, für Weitblick und machst Mut.

Mitgefühl heisst:

Du bewertest nicht. Spielst vor allem nicht mit dem Gedanken, wie du selber mit einer bestimmten Situation umgehen würdest. Du fühlst dich dem Problemhalter nicht überlegen.

Du verstehst dein Gegenüber, kannst dich einfühlen – hältst aber emotionalen Abstand und bist (soweit als möglich, rational und) objektiv.

Du strahlst Wohlwollen und Hoffnung aus und gibst damit Unterstützung.

Du gibst zu erkennen, dass dein Gegenüber nicht alleine ist und sie/er auf dich zählen kann.

Du bist guten Mutes und weisst, dass du unterstützt, indem du Fragen stellst und verstehst.

Du überlegst (emotionslos), wie du helfen kannst.

Biete deine Hilfe an, höre zu und beobachte (= habe Empathie) und versuche damit, die Situation zu verbessern und Lösungsansätze mit deinem Gegenüber zu erarbeiten. Verantwortung trägt jeder für sich selbst – aber dein Gegenüber ernst zu nehmen, seine Situation ernst zu nehmen und dein Möglichstes zu tun, wird auch dir ein gutes Gefühl geben. Entweder das Gegenüber nimmt es dankbar an oder lehnt es ab…

Aber du, du hast dein Bestes gegeben…

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