Wie beginnt man das neue Jahr? Schon ist es da. Vielleicht mit Fragen wie, „Was ist mutig?“ und „Was ist fair?

Oder man beschäftigt sich mit ein paar ausgewählten Zitaten von Sokrates, die über 2.400 Jahre alt sind, die vielleicht helfen könnten, die Welt in einem anderen Licht zu betrachten. Oder, um zu philosophieren, die Liebe zur Weisheit pflegen? Legen wir los:

Ich weiß, dass ich nichts weiß

In Platons Apologie thematisiert Sokrates an fünf Stellen ausdrücklich sein Nichtwissen oder seinen Mangel an Weisheit. Er behauptet jedoch nicht, wie Ciceros ungenaue lateinische Wiedergabe (Ich weiß, dass ich nicht weiß) seiner Auffassung annehmen lässt, dass die Kenntnis seiner eigenen Unwissenheit ein echtes, gesichertes Wissen sei und damit die einzige Ausnahme von der Unwissenheit darstelle.

Vielmehr besagen Platons Textstellen nur, dass Sokrates sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, über jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Zudem ist dort nicht die Rede von technischem Fachwissen, sondern von Bestimmungen im Bereich der Tugenden und der Frage nach dem Guten.

Was ist Besonnenheit? Was ist Tapferkeit? Was ist Frömmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Was ist Mut? Was ist Fairness? Die wahre, menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens im Wissen bewusst zu sein.

Wir alle kennen Menschen, die glauben, mehr zu wissen als sie wissen. Man findet sie in allen Bereichen des Lebens. Während sie vielleicht über ein Thema viel wissen, gibt es viele andere Themen, über die sie wenig oder gar nichts wissen.

Der Weg zu wahrer Weisheit führt über die Einsicht, dass niemand alle Antworten hat. Jeder hat Lücken in seinem Wissen. Du wirst immer jemanden finden, der in einem bestimmten Bereich mehr weiß als du.

Der Weg zu wahrer Weisheit besteht darin, diese Realität anzunehmen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Das einzig Gute ist Wissen und das einzig Böse ist Ignoranz

Es mag seltsam erscheinen, dieses Zitat nach dem Obigen anzuführen, aber es gibt eine Überschneidung zwischen den beiden.

Es ist zwar unmöglich, alles zu wissen, aber wir alle könnten danach streben, mehr zu lernen. Niemand von uns hat ein Monopol auf Wissen oder Wahrheit.

Die Welt verändert sich unaufhörlich. Es ist wichtig zu lesen, neue Dinge zu lernen, um ein besserer Mensch zu werden und sich für die Zukunft abzusichern.

Sich für andere Standpunkte und Perspektiven zu öffnen, ist unabdingbar, um Ignoranz zu vermeiden. Die Ignoranten lassen sich leicht verführen und manipulieren.

Unwissenheit ist keine Glückseligkeit, sondern eine Vergeudung des eigenen Potenzials.

Ein Leben, das nicht kritisch untersucht wird, ist es nicht wert, gelebt zu werden

Manch einer lässt sich durch das Leben treiben, ohne darüber nachzudenken, was zu tun oder wohin zu gehen. Dies ist eines der berühmtesten Zitate von Sokrates und eines seiner treffendsten.

Ein allgemeines Thema bei Sokrates ist die Notwendigkeit, Fragen zu stellen und sich zu bemühen, die Wahrheit im Leben zu untersuchen.

Man kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, sein Leben zu ergründen. Nur wenn wir hinterfragen, was wir tun und wohin wir gehen, können wir dorthin gelangen, wo wir hinwollen.

Wer nicht gelernt hat zu leben, was ihm wichtig ist, hat nicht leben gelernt – allenfalls gehorchen.

  • Mag ich das, was ich tue, auch tun oder tue ich es nur wegen der anderen?
  • Empfinde ich das, was ich tue, als richtig, wichtig und wertvoll?
  • Spüre ich, was jetzt ansteht in meinem Leben?
  • Mag ich so leben, wie ich gerade lebe?
  • Und wenn nicht: Was kann ich heute tun/lassen, damit ich morgen so leben kann?

Alfried Längle

Falsche Worte sind nicht nur an sich böse, sondern sie infizieren die Seele mit dem Bösen

Das ist ein starkes Zitat, das uns an Trump erinnert. Seine Lügen inspirierten Hunderttausende von Amerikanern dazu zu glauben, die Wahl 2020 sei gestohlen worden.

Ob im öffentlichen Leben oder im Privaten, es gilt darauf achten, wem wir Gehör schenken und was wir sagen. Wenn man der falschen Person zuhört, kann man leicht in ein Loch fallen. Und wenn man Unwahrheiten verbreitet, schadet man nicht nur sich selbst, sondern auch anderen.

Ich bin weder Athener noch Grieche, sondern ein Bürger der Welt

Es ist erstaunlich, dass Sokrates diese Worte vor zweitausend Jahren gesagt hat, bevor die heutige Debatte über Globalismus und Nationalismus in den Vordergrund trat.

Ich bin mir sicher, dass Sokrates manche der Debatten, die aktuell geführt werden, verachten würde. Für viele von uns ist es selbstverständlich, dass wir unsere Identität darauf gründen, wo wir geboren sind. Ob wir nun Deutsche, Schweizer, Amerikaner oder Chinesen sind, unser Geburtsort bestimmt einen großen Teil unserer Identität.

Als jemand, der in anderen Kulturen gelebt hat, beginnt diese Vorstellung zu bröckeln, je länger man von zu Hause weg ist. Als ich im Vereinigten Königreich, den USA und in der Schweiz lebte, habe ich gelernt, wie ähnlich wir uns sind. Unsere Sprachen und Kulturen mögen sich unterscheiden, aber unsere Wünsche, Hoffnungen und Träume sind sich ähnlich.

Wir sind Menschen. Wir sind uns ähnlicher, als wir uns manchmal bewusst sind.

Anstatt uns auf das zu konzentrieren, was uns trennt, sollten wir uns auf das besinnen, was uns miteinander verbindet.

Wer eine wahre Meinung vertritt, ohne sie zu verstehen, ist wie ein Blinder auf dem rechten Weg

Dies ist heute häufig zu beobachten. Wir treffen immer mehr Entscheidungen auf der Grundlage unserer Gefühle und schließen daraus, dass wir recht haben, weil wir so fühlen. Das ist ein Trugschluss. Wir sind dem Irrglauben verfallen, dass unsere Meinung über allem anderen steht.

Es ist wichtig, kritisch mit seinen Überzeugungen umzugehen, seine tiefsten Überzeugungen zu hinterfragen und sich nicht auf einen einzelnen Standpunkt festzulegen. Niemand hat ein Monopol auf die Wahrheit, und jeder Narr kann über den richtigen Weg stolpern.

Nur Ideologen glauben mit absolutem Glauben an ihre Ansichten. Aber die Welt ist weder ideal noch wird sie mit absoluten Werten behandelt. Ausgewogenheit, kritisches Denken und Rationalität sind wichtig, wenn wir nicht in die Falle von Ideologien tappen wollen.

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