Geistesblick

Geistesblick

 

 

 

Nun, das ist so. Bis zum 14. August habe ich meine Schreib-Auszeit. Aber so ein kleines Häppchen passt ja vielleicht doch noch in die Inbox, dachte ich, als mir diese Woche Douglas Hofstadters und Daniel Dennetts Buch The Minds I“  unter die Finger kam.

Gerade vom Mars zurück. Nasa hat mich aufgepickt, ohne mich als einzigen Botaniker auf dem Mars zu würdigen, hat aber zumindest die Geschichte verfilmt (mehr dazu im Film „Der Marsianer“ ). Da sitze ich nun und lese. „The Mind’s I“  verspricht mir, mich auf eine Reise zur Selbstfindung und zu meiner Seele mitzunehmen. Bin auf Seite 5. Im Hintergrund spielt Cream „I m so glad, I am so glad“. Bin ich? Ich soll, so sagt das Buch, manches über wer und was ich bin lernen.

Bin also auf Seite 5 im Buch und sehe meine Hände, die das Buch halten. Ich habe Hände. Woher weiss ich, dass es meine Hände sind? Doofe Frage. Hey, die sind an meinen Armen befestigt und über die Arme an meinem Körper. Woher weiss ich, dass das mein Körper ist? Wurde mein Hirn nicht gestern in diesen Körper transplantiert? Ich kontrolliere diesen Körper (lass uns mit dem Umblättern warten) – aber gehört er mir? Im Prinzip ja, ich tue mit ihm, was ich will, solange ich andere nicht verletze. Er ist sogar sowas wie ein juristischer Bestandteil, den ich besitze, obwohl, solange ich am Leben bin, es mir nicht erlaubt ist, Teile an andere zu verkaufen, kann jedoch meinen Körper heute legal an ein medizinisches Institut vermachen oder mich als Organspender (beides später so kalt im Eisschrank) eintragen lassen.

Also, ich habe diesen Körper, dann, so schätze ich, bin ich etwas anderes als dieser Körper. Ich kann ihn ja jetzt schon spenden. Wenn ich sage, „ich besitze meinen Körper“, dann meine ich nicht, dass „der Körper sich selbst besitzt“ – wahrscheinlich sinnloser Satz. Oder besitzt alles was keinen Eigentümer hat sich selbst? Gehört der Mond jedem, niemandem oder sich selbst? Wer kann überhaupt etwas besitzen? Ehrlich, und jetzt singt gerade in Hintergrund auf meiner Playlist Janis Joplin „Freedom is just another word for nothing left to lose“ . Das kann alles kein Zufall sein, oder doch? Ich, mein Körper und meine Playlist scheinen intim miteinander verbunden – und doch da ist ein Unterschied. Ich kontrolliere und er, der Körper wird von mir kontrolliert, meistens…

Es scheint (oder auch nicht) interessant, zu fragen, wenn Ihr Hirn in einen anderen Körper transplantiert würde, würden Sie mit ihm gehen? Aber, sind Sie das Hirn? Lassen Sie uns zwei Sätze anschauen und sehen, welcher Ihnen besser passt:

„Ich habe ein Gehirn.“

„Ich bin ein Gehirn.“

Wie auch immer: Sie haben bestimmt ein gutes Gehirn, aber wer oder was, ist dann das Sie, dass das Hirn besitzt?

Bin ich froh, dass Berthold Brechts Gedicht (als Anlage in der „Hauspostille“ ),  wie in der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagoy“ gerade in Hintergrund spielt. Zugegebenermassen, in der Doors Version (von 1967), gerade passend mit meinen Wünschen für einen geruhsamen Sonntag:

„Show me the way to the next Whiskey bar“ , wenn auch Brechts „show me way to the next little dollar“ weggelassen wurde.

 

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