Plädoyer für Aufschieberitis
Ist dir aufgefallen, dass deine Socken immer dann verschwinden, wenn du sie am meisten brauchst?
Stell dir vor, du stehst morgens auf, voller Energie und bereit, den Tag zu erobern.
Du gehst zum Kleiderschrank, öffnest die Schublade – und da liegt sie, die einsame Socke ohne Partner.
Du wühlst in der Schublade, schaust unter dem Bett nach, sogar in der Waschmaschine, aber die zweite Socke bleibt verschwunden.
Warum verschwinden Socken ausgerechnet dann auf mysteriöse Weise, wenn man sie dringend benötigt?
Vielleicht liegt die Antwort in einer anderen Frage:
Weshalb neigen wir dazu, Aufgaben aufzuschieben, bis wir in letzter Minute handeln müssen?
Wenn man immer alles sogleich machen würde, käme man zu nichts anderem mehr.
Elmar Schenkel
Prokrastination
Prokrastination – ein Begriff, der in unserer leistungsorientierten Gesellschaft oft als DAS Problem schlechthin angesehen wird.
Aber warum handeln wir manchmal so „unlogisch“ und schaden uns selbst, indem wir Dinge aufschieben?
Lass uns gemeinsam darüber nachdenken, was wirklich hinter diesem Verhalten steckt und wie wir es überwinden könnten.
Missverständnisse über das Aufschieben
Viele denken, dass es nur Menschen betrifft, die faul oder entscheidungsunfreudig sind.
Das ist aber selten der Fall.
Sonst gäbe es keinen plötzlichen Motivationsschub kurz vor der Deadline.
Du kennst das sicher auch:
Die Präsentation, die erst in den frühen Morgenstunden fertig wird, zwei Stunden vor dem Meeting.
Oder derjenige, der keine Lust hat, seine Wohnung aufzuräumen, aber 18 Stunden am Tag arbeitet, um seine neue Firma zum Erfolg zu führen.
Die wahren Gründe für das Aufschieben
Prokrastination ist keine Charaktereigenschaft.
Wäre sie es, wären wir nicht in der Lage, die Dinge zu tun, die wir tun müssen, auch wenn wir es sehr spät tun.
Wohlwissend, dass wir dabei immer die Wahl haben.
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Hauptgründe für Prokrastination:
- Es fehlt an Klarheit darüber, was genau man tun will.
- Es fehlt an Klarheit darüber, wofür man es tun will.
Faulheit und Unfähigkeit haben nichts mit dem Aufschieben zu tun. Mit zwei einfachen Fragen können wir einen neuen Rahmen schaffen:
- Was will ich tun? (konkret und im Detail)
- Wofür will ich das tun? (nochmals konkret und detailliert)
Die Kraft der Klarheit
Es ist nicht schwer, sich diese Fragen zu stellen, und sie helfen uns, Antworten darauf zu finden, wie wir unser Leben leben wollen.
Denke daran, es geht um die Wahlfreiheit für dein Leben.
Motivation brauchen wir nur, wenn wir eigentlich keine Lust haben, etwas zu tun.
Denn brauchst du zum Beispiel Motivation, wenn du in Urlaub fahren willst?
Wohl kaum.
Wenn du auf diese obigen Fragen keine Antworten findest, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass es für dich keinen Sinn macht, diese Aufgabe zu erledigen.
Reflexion als Schlüssel
Wenn wir Sinn und Zweck in dem sehen, was wir tun, und wenn wir einen klaren Plan haben, dann hat Prokrastination wenig Chancen.
Zweifel, Verwirrung und Unsicherheit sind Gefühle, die wir alle kennen.
Diese Gefühle lassen sich jedoch nicht einfach unterdrücken. Um mit ihnen umzugehen, will man sich ihnen stellen.
In unserer hektischen Zeit, in der wir von E-Mails, Papierkram und Meetings überflutet werden, finden wir immer seltener Zeit zum Nachdenken.
Doch gerade die Besinnung auf das, was uns wichtig ist und was für uns Sinn macht schafft
Klarheit und erhöht die Lebensqualität.
Dein Sinn und Zweck
Wenn du das tust, was deinem Sinn und Zweck auf diesem Planeten entspricht, dann brauchst du keine zusätzliche Motivation und Prokrastination wird automatisch ein Fremdwort für dich.
Nimm dir heute einen Moment Zeit, um über diese Fragen nachzudenken.
Finde heraus, was du wirklich tun willst und wofür.
Diese Klarheit wird dir helfen, die Aufschieberitis zu überwinden und ein erfüllteres Leben zu führen.