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Sehnsucht wünschen?

Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, warum ist dann Weihnachten nur an Weihnachten?

Engelbert Schinkel

Stell dir vor: Wie wäre es, wenn du dich so lieben und so gut behandeln würdest wie den liebsten Menschen in deinem Leben? Wo bleibst du mit deinen Wünschen und Sehnsüchten? Wie oft unterdrückst du Bedürfnisse, rationalisierst sie weg oder nimmst sie gar nicht wahr?

Selbstliebe hat einen schlechten Ruf. Wird gerne mit Egoismus und/oder Narzissmus verwechselt, die aber besser mit «Selbstverliebtheit» beschrieben werden. Eine selbstverliebte Person nimmt sich sehr wichtig, liebt das Rampenlicht und neigt zur Überheblichkeit. Narzissten idealisieren sich als Person und halten sich für vollkommen und sind auf äussere Bestätigung angewiesen – und können anderen diese Bestätigung nicht entgegenbringen.

Willst du dich selbst lieben, heisst es, daran zu arbeiten, sich selbst zu akzeptieren. Selbstakzeptanz und Selbstliebe gehen Hand in Hand. Deine guten, aber auch schlechten Eigenschaften annehmen. Aber klar doch: Es ist kein Liebesentzug, wenn du an deinen «schlechten» Eigenschaften arbeitest.

«Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Romanze», wusste schon Oscar Wilde. Zu einer gesunden Beziehung mit sich selbst gehört Selbstliebe. Wer sich selbst liebt, kann besser mit Kritik umgehen, ist selbstbewusster und stellt sich Herausforderungen leichter. Erich Fromm zufolge ist Selbstliebe eine Grundvoraussetzung, um andere lieben zu können.

Ohne Eigenliebe entwickelt sich das Selbstwertgefühl recht zaghaft. Auch Selbstvertrauen tut sich ohne Selbstliebe schwer. Liebst du dich selbst, dann schätzt du das Leben mehr und hast mehr Freude daran.

Warum fällt es manchen schwer, Selbstliebe zu entwickeln?

Der eine weiss nicht wie anzufangen und der andere hat sich noch gar nicht mit dem Thema befasst. Manche Menschen gehen auch davon aus, dass sich immer der andere ändern muss (oder schuld ist) und es kommt vielen gar nicht in den Sinn, dass SIE sich ändern sollten, wenn sie in ihrem Leben etwas anders haben wollen.

Vielleicht entsteht auch Angst, sobald man realisiert, dass man daran arbeiten könnte. Bedeutet es doch Aufwand und ein Mit-sich-selbst-auseinandersetzen mit genauem und tiefem Hinschauen.

Manche Menschen möchten keine Veränderung im Leben auch wenn sie das Gegenteil behaupten. Oder die Veränderung macht ihnen deshalb Angst, weil jede Handlung mit einer Konsequenz verbunden ist und diese vielleicht noch nicht absehbar ist, sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Auch mögen manche denken, dass sie nun ihr ganzes Leben umkrempeln müssen, was selten der Fall ist. Viele wissen zudem schlichtweg nicht, wie befreiend es ist, an sich selbst zu arbeiten.

Selbstliebe und Nächstenliebe

Es wird einem schon eingetrichtert, dass du selbstlos sein sollst. Handle selbstlos, sei hilfsbereit etc. Im Prinzip kein Problem und alles gut. Trotzdem nicht vergessen:

Wie willst du für andere da sein, wenn es dir selbst nicht gut geht?

Wie willst du Liebe teilen, wenn du selbst keine besitzt?

Wie willst du jemandem Energie geben, wenn du selbst keine hast?

Wenn es dir gut geht, dann kannst du andere unterstützen. Dankbarkeit ist ein wichtiges Werkzeug, wenn es um Selbstliebe – und auch Nächstenliebe – geht. Am besten kannst du Dankbarkeit praktizieren, wenn du dir ein Dankbarkeits-Tagebuch zulegst. Dort kannst du immer dann hereinschreiben, wenn du für eine Sache dankbar bist. Noch besser ist es, wenn du Dankbarkeit in deinen Alltag integrierst und jeden Abend drei Dinge aufschreibst, für die du Dankbarkeit empfindest.

Auszeiten sind ebenfalls wichtig, um sich selbst lieben zu lernen. Sie geben dir die Chance zu reflektieren, dich um dich selbst zu kümmern und in dir zu ruhen. Wenn du immer unterwegs bist und dir nicht die Möglichkeit gibst einmal runterzukommen, kann das deinem Selbstbild schaden.

Egoismus entsteht aus Mangel an Selbstliebe.

Andreas Tenzer

Sehnsüchte – Träume ausleben

Macht dich etwas unruhig, ohne zu wissen was es ist? Möglicherweise hat es damit zu tun, dass du Sehnsüchte und Bedürfnisse verdrängt hast oder zum Beispiel deinem Partner noch nie erzählt hast.

«Folgenden Dialog hat ein Paar in einem meiner Workshops geführt, nachdem die Frau gesagt hatte, dass ihr Bedürfnis nach Liebe in ihrer Beziehung nicht erfüllt werde. Ihr Mann erwiderte: „Aber ich liebe dich.“ Und sie sagte: „Nein, tust du nicht.“ Und er: „Doch.“ Ich habe eingegriffen und sie gebeten, ihm genau zu sagen, was sie sich von ihm wünscht, damit ihr Bedürfnis nach Liebe erfüllt wird, so konkret wie möglich. Und er sagte: „Ja, ich würde es wirklich gerne hören, denn offenbar habe ich ja keine Ahnung.“ Sie: „Das ist schwer auszudrücken – in Worten.“ Er: „Wenn es für dich schwer zu sagen ist, kannst du dir dann vorstellen, wie schwer es für mich ist, es zu tun?“

Da fing es an, in ihr zu arbeiten und es war ihr ein bisschen peinlich, als ihr plötzlich klar wurde, dass, wenn sie ehrlich war, ihre Vorstellung von Liebe eine ganz schöne Zumutung war. Sie sagte: „Wenn ich ehrlich bin, dann will ich, dass du errätst, was ich will, bevor ich es selber weiss.“ Es hat ihr geholfen, diese diffusen Vorstellungen auszusprechen und mehr Klarheit darüber zu bekommen, was sie eigentlich von ihrem Mann wollte. Viele Menschen haben fünf unglückliche Beziehungen durchlebt, bevor sie verstehen, dass sie niemals ihr Bedürfnis nach Liebe erfüllt bekommen werden, wenn sie nach jemandem suchen, der ihnen ihre Wünsche erfüllt, bevor sie sich selber darüber klar geworden sind, was sie eigentlich brauchen. Und das ist nur eine der vielen destruktiven Strategien, die in unserer Kultur zum Thema Liebe, Intimität und Sexualität gelernt und gepflegt werden.»[1]

Bedürfnisse

Da du genug zu essen und ein Dach über dem Kopf hast, kannst du dich anderen Bedürfnissen, nämlich deinen ganz persönlichen, zuwenden. Dem, was DIR wichtig ist, nicht was deinem Partner, deinen Kindern oder deinen Freunden wichtig ist.

Liste einmal ganz nüchtern auf, was dir fehlt. Frag dich das wie der gute alte Hausarzt: «Woran fehlt es denn genau?» Ohne Bewertung, sonst bleibt das Wesentliche unter der Bettdecke. Sprich mit deinem besten Freund, der besten Freundin oder einem Coach darüber. Du wirst feststellen, auch andere vermissen das eine oder andere in ihrem Leben.

Die Paarvariante geht so: Frag deinen Partner, woran er/sie für sich erkennt, dass du ihn liebst? Kann sein, dass du sehr interessante Antworten erhältst.

Mach Pläne, vielleicht gemeinsame Pläne, wie du besser für die nicht erfüllten Bedürfnisse sorgen kannst. Du wirst merken: Je öfter du konkret über dich und deine Wünsche nachdenkst und sprichst, desto unternehmungslustiger wirst du. Es beginnen sich so neue Sichtweisen zu entwickeln. Plötzlich begegnest du Menschen, die das mitbringen, was du brauchst, weil du diese Gedanken in dein Leben gebracht hast. Plötzlich erkennst du Möglichkeiten, Optionen in deinem Leben, die du vorher nicht im Geringsten bedacht hast oder in Betracht gezogen hättest. Plötzlich öffnen sich Türen, die dir vorher verschlossen waren.

Es sind deine Leidenschaften, deine Sehnsüchte, deine Bedürfnisse und deine Wünsche,
die den Nährboden für deine Selbstliebe ausmachen.

Harry

Frage andere, und gerade während der Weihnachtstage ist das eine gute Gelegenheit: «Welche Wünsche und Bedürfnisse sind für dich auf deiner Zielliste für nächstes Jahr?» – und lass dich nicht mit «5 Kilo abnehmen» abspeisen. Bleib dran mit: «Und was noch?, und was noch?, und was noch?

[1] Rosenberg, Marshall B.. Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation: Ein Gespräch mit Gabriele Seils (HERDER spektrum) (German Edition) (pp. 84). Verlag Herder. Kindle Edition.

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