Überzeugung ist …

Überzeugung ist…

… das Vertrauen in die grundlegende Richtigkeit der eigenen Ideen und Anschauungen. Die eigene Überzeugung ist sehr stabil in unserem Kopf, insbesondere träge gegenüber Veränderung. Was wir glauben, ist, dass wenn uns etwas grundlegend überzeugt, diese Überzeugung wahr ist und der Realität entspricht. Limitierende Ansichten, begrenzende Überzeugungen (Engl. limiting beliefs) haben ihre Ursache oft weit in der Vergangenheit, sind uns meistens nicht bewusst und bestimmen trotzdem vieles in unserem Leben. Stellen Sie sich ein Seil um die Erde gebunden vor, so dass es um den Äquator rundherum eng anliegt… Gut gemacht. …und jetzt stellen Sie sich vor, sie möchten dieses Seil genau einen Meter über die Erdoberfläche anheben… Wie viele zusätzliche Meter an Seil benötigen Sie, um dies zu tun?

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Aufgabe und Drawings: „What if?“ Randall Munroe

Natürlich nehmen wir einfachheitshalber an, dass unser Seil schwimmt, der Äquator ein Kreis ist, ebenso wie der Hals innerhalb der gebundenen Krawatte für die Herren oder die abgemessene enganliegende Perlenkette für die Damen. Laut World Geodetic System 1984 (WGS 84) beträgt der Umfang am Äquator 40‘075,017 Kilometer. Um das Seil um einen Meter rund um den Globus anzuheben, so behaupte ich, benötigen wir lediglich 6,28 Meter mehr Seil. Schelmisch frage ich Sie: „Glaubhaft oder schlichtweg falsch?“ Unsere Überzeugungen können wir ähnlich sehen: was wir glauben, das glauben wir. Cliff Young gewann den Killerlauf von Sydney nach Melbourne (875 km) als 61jähriger, zahnloser Landwirt in Arbeitsstiefeln – und ursprünglich wollten die Initiatoren Cliff nicht starten lassen…

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Da der Umfang eines Kreises proportional zum Radius ist und wir den Radius um 1 Meter erhöhen, erhöht sich der Umfang um 2 mal π mal 1m = 6,28m, wenn wir mit 3,14 für π rechnen. Nicht alle unsere Ansichten und Überzeugungen sind limitierend oder grenzen uns ein, aber ein paar wirken wie eine angezogene Handbremse – und reduzieren unser Lebensglück. Wir haben Ansichten, Überzeugungen, über was Recht ist, Ideen über Pflichten, Gedanken über Fähigkeiten, wissen was erlaubt ist, was sich gebührt und so weiter. Einschränkende Glaubensätze zielen auf uns selbst und auf unsere Identität ab oder auf andere Personen und sogar auf die Welt, in der wir leben. Unsere limiting beliefs sind im Prinzip fast immer falsch und limitieren uns in unseren Fähigkeiten. Wir leben nicht unser volles Potential, da uns unsere Gedanken einschränken. Übliche Verdächtige… Arbeit ist hart In Partnerschaft leben wird zur Routine Zeit ist Geld Als Erwachsener gibt es nur noch Verantwortung und kaum noch Spass Träume sind Schäume Es ist wie es ist, das war schon immer so, das weiss jeder So bin ich, das ist Teil von mir, das lässt sich nicht mehr ändern …mehr ins Eingemachte ich bin nicht perfekt ich bin gut, etwas zu beginnen aber führe es nie zu Ende Ich bin kein Experte ich bin ein Kreativer ich bin kein Kreativer ich weiss zu wenig ich habe keine Zeit dafür ich habe die Disziplin nicht ich bin ängstlich ich kann nicht, weil ich weiss nicht, was ich will ich werde nicht ernstgenommen weil ich eine Frau, ein Mann, zu jung, zu alt zu fett, zu dünn, etc. bin jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt… Noch nicht fündig geworden ist? Huffington Post hat hier 63 der meisten limiting beliefs aufgelistet. Entstehung: Kinder, wie Anna sind kreativ und haben keine limiting beliefs, sie müssen sich diese erst beim Älterwerden aneignen. Jegliche Überzeugung, die wir haben, ist das Ergebnis dessen, was wir in unserem Kopf als wahr empfinden. Überzeugungen entstehen durch sich wiederholende Gedanken, die – zumindest glauben wir das – uns bestätigen, dass das was wir bereits für uns entschieden haben, obwohl dies meistens ohne unser Bewusstsein entstanden ist, die Realität ist. Warum wir unsere Überzeugungen einschränken:

„Ich bin nicht diszipliniert genug, meine Selbstdisziplin lässt zu wünschen übrig, meine Willenskraft ist nicht ausgeprägt genug.“

Sich selber im Weg stehen. Warum glaube ich, dass meine Willenskraft nicht stark genug ist? Führe ich mich damit in eine Sackgasse, um mich selbst zu schützen? Es zahlt sich aus, so zu denken, denn wenn ich meine Willenskraft ad acta lege, dann trage ich keine Verantwortung mehr, sie zu entwickeln. Bravo, Problem gelöst. Selbstdisziplin besteht aus zwei Worten und manchmal übersehen wir den Teil „Selbst“. Disziplin (Lat.: disciplina „Lehre“, „Zucht“, „Schule“) bezeichnet sowohl eine Form der bewussten Selbstregulierung als auch Gehorsam. Disziplin und Willensstärke haben meistens eine negative Konnotation für uns, liegen nahe an Bestrafung. Wenn wir so denken, dann sind wir nur schwer zu motivieren, sie zu entwickeln, ist es doch einfacher, aufzugeben. Weil wir jedoch wissen, dass im Kern einer jeglichen Aktivität Disziplin notwendig ist, könnten wir anstatt uns mit Disziplin, uns lieber mit Fähigkeit zur Zielerreichung auseinandersetzen, denn dann bekommt Selbst-Disziplin einen anderen Stellenwert. Unsere Sprache kann Energie beinhalten und bedingt nur, sich der Macht der Sprache bewusst zu werden. Anstatt an Vermeiden zu denken, denken wir besser an Kreieren und Formulieren. Unsere Überzeugungen entstehen durch unsere Erfahrungen. Wir handeln, etwas geschieht und wir ziehen daraus unsere Schlüsse. Gerade in unserer Jugend, bei noch nicht ausgeprägter Lebenserfahrung und fehlendem kritischem Denken werden häufig limited beliefs etabliert. Wir wollen der Gefahr aus dem Weg gehen und uns nicht blamieren. Tatsache ist, dass unsere Glaubensansätze einfacher durch negative Erlebnisse manifestiert werden als durch positive. Andererseits lernen wir nicht nur aufgrund unserer eigenen Erfahrungen. Wir haben Vorbilder wie Eltern, Lehrer und wir haben die Tendenz, deren Überzeugungen als bare Münze zu nehmen. Manchmal lässt uns auch unsere Logik im Stich. Wir nehmen singuläre Ereignisse und verallgemeinern in Hinblick auf unsere Befürchtungen und in der Annahme, dass wir sowieso hilflos sind. Viele der uns limitierenden Überzeugungen halten als Entschuldigung für uns her, um die Verantwortung von uns zu schieben, sogenannt einfach Pech zu haben oder aber: es wäre alles anders, wenn nur… Die meisten limiting beliefs bauen auf unserer Angst zu versagen auf. Unser soziales Umfeld, deren Meinung und Anerkennung können so wichtig für uns sein, dass allein der Gedanke an Feedback, Ablehnung oder als lächerlich zu erscheinen uns Dinge glauben lässt, die eigentlich mit der Realität nicht viel gemein haben. Was dann? Manches, was wir glauben, manche unsere Überzeugungen sind tatsächlich gut für uns. Das Problem ist, den Unterschied zu erkennen. Einschränkungen in unserer Sichtweise basieren häufig auf Fehlannahmen. Dies zu verändern, bedingt als erstes, unsere Überzeugungen als solche zu erkennen und dann als zweites, kritisch zu hinterfragen. Ich habe über das Thema „limiting beliefs“ viel von Byron Katie gelernt. Sie untersucht jegliche Emotion, und Überzeugung mit einfachen kritischen Fragen, basierend auf „The Work“, wie sie es nennt: 1. „Ist das was wahr?“ (Bei Nein, gehe zu 3.) 2. „Kann du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?“ (Ja oder Nein.) 3. „Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?“ 4. „Wer wärst du ohne den Gedanken?“

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„Wir sind alle so boniert, dass wir immer glauben, recht zu haben.“

Johann Wolfgang von Goethe

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