Vorsicht beim Zuhören…

…vor allem im Urlaub, wenn Sie Ihn geniessen wollen. Ich empfehle Ihnen dringend, nicht zu hören, was eine andere Person denkt. Ich denke, Sie werden das Leben und Ihr Umfeld mehr geniessen, wenn Sie diese Regel befolgen. Hören Sie vor allem nicht, was andere von Ihnen denken.

Aber wenn Sie wirklich darauf bestehen, sich das Leben miserabel zu gestalten, dann tun Sie folgendes:

Überdenken Sie, wer Sie sind. Denken Sie zum Beispiel, ob Sie normal oder abnormal sind. Ob Sie sich passend oder unpassend verhalten, Sie attraktiv oder hässlich, intelligent oder dumm sind.

Jede Sekunde, die man mit An-sich-denken verbringt, erschwert die Lebensgeniess-Fähigkeit. Das bedeutet nicht, dass es nicht wichtig ist, über sich zu reflektieren, aber hinterfragen, ob man intelligent oder dämlich ist, bringt einen nicht weiter. Ist doch die Antwort schwer zu finden.

Wenn Sie ein Masochist sind und sich also miserabel fühlen wollen, dann denken Sie, was die anderen für Menschen sind. Wenn Familienmitglieder oder Freunde sprechen, dann denken Sie für sich, „Wow, was für ein Angeber, Grossmaul, Dummkopf etc.“. Wenn jemand einen Kommentar abgibt, sagen Sie sich selbst: „Das ist wirklich unpassend“, „Sie ist wirklich unhöflich“ oder sogar, „diese Menschen hier sind höflicher und freundlicher als jeder in meiner Familie“.

Das ganze lässt sich dann noch steigern, indem man anfängt darüber nachzudenken, was die anderen von einem selbst denken. Also ganz genau hinhören, auf jeglichen Kommentar über Ihre Arbeit, Ihre Kinder, Ihre Kleidung, Ihr Zuhause oder was immer.

Aber wollen Sie sich wirklich miserabel fühlen? Warum ins Jammertal, wenn die Wahrheit und Realität, hinter all diesen Beurteilungen und Bewertungen, eine Botschaft beinhaltet, welche Wohlwollen verspricht? Warum hören, was die andere Person über einen von sich gibt, wenn sich hinter dieser Mitteilung etwas, was man wirklich geniessen kann, versteckt?

Also, nicht hören, was die Leute von einem denken. Stattdessen hören, was und wie sich die andere Person fühlt, was sie braucht, wenn und warum sie diese Gedanken ausdrückt. Dies ist besser für einen selbst und das Gegenüber. Deshalb, weil beim Hören der Gefühle und Bedürfnisse der anderen, man Freude empfinden wird, weil man zu ihrem Wohlbefinden beiträgt. Und natürlich reduziert dies Stress, weil man weniger Gedanken, mit dem, was andere von einem denken, verschwendet.

Was ist das Wichtigste hinter den Worten und Handlungen der Menschen?

Wenn jemand sagt: „Du kümmert dich nicht um mich“, was denkst du, was sie wirklich will? Ich vermute, sie will geschätzt und gepflegt werden. Sie könnte auch wollen, dass ihre Bedürfnisse mehr berücksichtigt werden.

Wenn du dich auf ihre Worte konzentrierst, kannst du dich an alle Zeiten erinnern, in denen du dich für sie interessiert hast. Oder du kannst darüber streiten, ob du dich um sie kümmerst oder nicht. Diese Art der „Argumentation“ führt zu Ärger, Wut, Verachtung, weil sie zeigt, dass du nicht zuhörst und dich das Wohlbefinden von ihr nicht interessiert.

Eine effektivere Antwort könnte sich auf die zugrundeliegenden Bedürfnisse konzentrieren, die du hinter den Worten hörst, wie zum Beispiel: „Klingt, als ob du dich vernachlässigt fühlst und du würdest gerne wissen, dass ich dich schätze? Ist das richtig?“ Du stimmst vielleicht nicht mit der Aussage von ihr überein – das ist auch nicht notwendig. Was du jedoch tust, ist, ihre Gefühle anerkennen. Wenn sie sich verstanden fühlt, dann ist die Bühne frei für ein aufmerksames Gespräch und dafür, die Herausforderung des Konflikts zu einer gemeinsamen akzeptablen Lösung zu führen.

Frei aus dem Englischen, aus einem Brief von Marshall Rosenberg (Vater der Gewaltfreien Kommunikation) übersetzt.

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