Effizienz entsteht,
Dies ist Folge 5 von 6 meiner kleinen Schulz-von-Thun-Serie.
Falls du die ersten Folgen nachlesen möchtest:
- Folge4: Stimmigkeit
- Folge 3: Das innere Team
- Folge 2: Vier Ohren (Kommunikationsquadrat)
- Folge 1: Dummi & Klugi
Der Moment, in dem du „überreagierst“
Kennst du das?
Da sagt jemand beiläufig etwas eigentlich Harmloses.
Und in dir legt sich ein Schalter um, denn dein Gegenüber hat deinen Hotspot getroffen.
Du wirst scharf. Oder kalt. Oder innerlich sehr aufgeregt.
Und später denkst du: „Das war jetzt… viel.“
Und genau hier wird’s spannend.
Denn Trigger sind selten ein Zeichen dafür, dass der andere „bösartig“ oder „zu direkt“ ist.
Trigger sind ein Hinweis darauf, dass bei dir innen ein Teil mitredet, der mehr emotionale Geschichte hat und damit den aktuellen Satz auflädt.
Das ist nicht peinlich. Das ist menschlich.
Projektion, aber bitte ohne Psycho-Geraune
Projektion klingt nach Couch und Räucherstäbchen. Ich meine es einfacher:
Wenn dich etwas an jemandem überproportional aufregt, kann es sein, dass du dort zwei Dinge siehst:
- etwas Reales beim anderen
- und zusätzlich etwas, das bei dir innen eine alte rote Taste drückt
Und manchmal steckt in deiner Reaktion sogar eine versteckte Botschaft:
Nicht „der andere ist falsch“, sondern:
„Da ist etwas, das ich bei mir selbst zu wenig lebe… oder unterdrücke oder nicht wahrhaben will.“
Beispiele, alltagstauglich:
- Dich nervt Selbstdarstellung? Vielleicht hältst du dich selbst zu klein.
- Dich nervt Unverbindlichkeit? Vielleicht sehnst du dich nach Klarheit, sagst es aber nicht.
- Dich nervt Härte? Vielleicht lässt du zu viel durchgehen.
- Dich nervt Weichheit? Vielleicht bist du selbst zu streng zu dir.
Egal, was auch immer dich nervt, ist hausgemacht. Du hast immer die Wahl, wie du mit „Attacken“ umgehst.
Die eine Möglichkeit des Umgangs, ist, kurz innezuhalten und bewusst eine Wahl zu treffen. Doch das ist einfacher geschrieben als getan. Das braucht Übung.
Manchmal ist jemand auch einfach wirklich anstrengend. Nur: Dein Umgang mit deinem Trigger entscheidet über den Preis, den du dafür bezahlst.
Der Trick ist nicht, deine Trigger wegzumachen
Der Trick ist: die Trigger zu spüren, bevor sie dich steuern.
Denn wenn du getriggert bist, übernimmt selten dein bestes inneres Teammitglied das Mikrofon (Folge 3).
Meistens übernimmt der, der am schnellsten schützt.
Und dann hörst du auf dem Beziehungsohr (Folge 2) Dinge wie:
„Der respektiert mich nicht.“
„Ich bin nicht wichtig.“
„Ich werde übergangen.“
Kann sein. Muss aber nicht.
Mini-Übung (4 Minuten): Der Trigger-Übersetzer
Nimm eine Person oder Situation, die dich regelmäßig triggert.
Keine Katastrophe. Eine Alltagsszene reicht.
Schreib drei Sätze:
-
- Was genau macht die Person (beobachtbar)?
Nur Bericht, keine Deutung. - Was löst es in mir aus (ein Wort)?
Ärger, Scham, Druck, Ohnmacht, Trotz, Rückzug … - Wenn dieser Trigger eine Botschaft hätte: Was würde er schützen wollen?
Zum Beispiel: Würde, Ruhe, Grenzen, Anerkennung, Freiheit, Kontrolle…
- Was genau macht die Person (beobachtbar)?
Und dann ein vierter Satz, der das Ganze in Bewegung bringt:
-
- Welche 5%-Antwort wäre stimmig (Folge 4)?
Nicht die perfekte. Nur die, die dich nicht kleiner macht.
- Welche 5%-Antwort wäre stimmig (Folge 4)?
Beispiele:
-
- eine klare Nachfrage statt innerem Film
- eine Grenze statt stiller Groll
- ein Gespräch statt Rückzug
- ein Nein statt Überanpassung
Trigger sind wie Alarmanlagen.
Sie sind nicht da, um dich zu ärgern.
Sie sind da, um dich aufmerksam zu machen.
Die Frage ist nur:
Lässt du die Alarmanlage den ganzen Tag heulen – oder schaust du kurz nach, was los ist?
Reflexionsfrage
Wer bringt dich zuverlässig auf die Palme – und was könnte das mit dir zu tun haben, ohne dass du dich dafür verurteilen musst?
Mit Klarheit
Harry
PS: Nächsten Sonntag Folge 6: Das Würdigungsauge. Oder: warum Beziehungen oft nicht an großen Konflikten scheitern, sondern an unbeachteter Selbstverständlichkeit.
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