Weshalb loslassen

Weshalb loslassen?

Wir kennen das Gefühl. Da ist diese negative Emotion und die eine innere Stimme sagt: „Jetzt reg dich doch nicht auf, kümmere dich um deine Arbeit“ doch die andere Stimme meint: „Warum nur hat er/sie sich so verhalten, das ist einfach unglaublich, was denkt der/die sich eigentlich?“ Wir drehen und wenden uns in Gedanken und suchen Antworten.

Beim alpinen Bergwandern ist ein Rucksack sicher hilfreich. Im Leben packen wir gerne negative Emotionen, die schwer zu tragen und damit mental höchst belastend sind, in unseren Rucksack. Oft schleppen wir nicht nur einen, sondern gleich mehrere mit uns herum. Auf unserer Bühne in unserem Kopf nehmen diese Rucksäcke Platz weg; Kreativität, gute Laune und heitere Gelassenheit sind beeinflusst und können sich nicht ausbreiten.

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Unser Leben gleicht einer Eieruhr: präzise fällt ein Sandkorn nach dem anderen.
Die Sekunden ziehen vorbei, lassen sich nicht aufhalten; stetig fallen sie in die Vergangenheit.

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Man kann zwar an diese vergangenen Momente denken, doch damit wiederholen kann man sie nicht, die Momente sind vorbei. Wir haben daraus gelernt, sie sind Teil der Vergangenheit geworden und haben somit keine belastende Relevanz in der Gegenwart oder gar der Zukunft; man kann sie emotional loslassen. Jeglichen Ballast, emotionalen genauso wie materiellen, kann man versorgen, verpacken oder wegschmeissen. Da fühlt man sich gleich besser. Erinnern wir uns nur, wie wir uns fühlten, nachdem wir den Keller endlich aus- und aufgeräumt hatten.

Um die emotionalen Rucksäcke zu organisieren oder sogar aus dem Verkehr zu ziehen, brauchen wir im Prinzip nur zwei Fähigkeiten:

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Erstens: uns bewusst sein, dass da emotionaler Ballast im Rucksack versteckt ist und

zweitens: erkennen, dass es ein Einfaches ist (ok, nicht immer), den Rucksack loszulassen, über die Klippe zu werfen, ins Tal zu schleudern oder zu verbrennen.

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Wenn das Korn in der Eieruhr gefallen ist, dann ist es gefallen. Fertig. Das nächste kommt sogleich. So einfach ist das: ein stetiges Sickern, der nächste Moment, ohne Rücksicht auf unsere Geschichte, unsere Emotionen oder unsere Gedanken.

Genauso einfach ist eigentlich unser Leben. Es hat mit Glück und Zufall so viel zu tun wie das schlechte Wetter oder die Verkehrsstörung am Freitag den 13ten. Es geht Sekunde für Sekunde einfach weiter. Nur im Hier und Jetzt haben wir Einfluss und können Entscheidungen treffen.

Manchmal haben wir das Leben im Griff und manchmal hat es uns im Griff. Und in beiden Fällen kann man etwas lernen. Selbst wenn wir Fehler machen, ist es eine Erfahrung, ein Fortschritt. Und das Leben nimmt seinen Lauf.

Loslassen ist wie den Rucksack ablegen, wie ein durchrieselndes Sandkorn. Man fühlt sich sogleich viel leichter. Willkommen beim Rucksackwerfen, wird es doch bald als olympische Disziplin anerkannt.

Übung macht den Meister.

 

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