Das hier ist Teil 6 von 8 meiner kleinen Serie „selbstbestimmt leben“.

Und bevor du jetzt an Flipcharts, Seminarraum und „Lebensoptimierung in fünf Minuten“ denkst: keine Sorge.

Wir bleiben im echten Leben.

Stell dir vor, du stehst vor einem riesigen Schaufenster voller Lebensmodelle.

Da gibt es:

„Immer auf Achse.“
„Hauptsache erfolgreich.“
„Bloß nicht auffallen.“
„Alle mögen mich.“
Und natürlich den beliebten Klassiker:
„Ich mache es allen recht und nenne es Harmonie.“

Viele greifen zu.
Wenige fragen sich:

Passt das überhaupt zu mir?

Werte sind jedoch dein innerer Kompass.

Sie sind nicht einfach schön aneinandergereihte Wörter.

Freiheit. Familie. Ehrlichkeit. Sicherheit. Liebe. Entwicklung. Ruhe. Erfolg.

Klingt alles gut. Fast zu gut. Wie ein Buffet, bei dem alles gesund angeschrieben ist und trotzdem irgendwo nach Frittieröl riecht.

Entscheidend dabei ist nicht, welche Werte du schön findest, sondern entscheidend ist:

Wonach richtest du dich aus, wenn es darauf ankommt?

Wenn du müde bist.
Wenn jemand etwas von dir will.
Wenn du Nein sagen müsstest.
Wenn du dich entscheiden solltest.
Wenn du merkst, dass dein Leben zwar funktioniert, aber nicht mehr ganz nach dir klingt.

In solchen Momenten zeigen sich deine inneren Werte.

Nicht im Kopf,  sondern im gelebten Leben. Und …

… Werte verstecken sich in deinem Alltag.

Sie kommen selten mit Fanfare und Posaune, sondern verstecken sich in dem, was dich berührt.
In dem, was dich ärgert.
In dem, worauf du stolz bist.
In dem, was dir fehlt, wenn es zu lange keinen Platz hatte.

Wenn dich Unzuverlässigkeit wütend macht, ist vielleicht Verlässlichkeit für dich wichtig.
Wenn dich Oberflächlichkeit ermüdet, sehnst du dich vielleicht nach Tiefgang.
Wenn du bei Ungerechtigkeit innerlich aufbegehrst,, meldet sich vielleicht dein Wert Fairness.

Du brauchst deine Werte also nicht neu zu erfinden.

Du kannst sie in dir aufspüren.

Wie ein Gefühlsdetektiv mit Wohlwollen und Wertschätzung. Nur ohne Trenchcoat. Es sei denn, er steht dir.

Mini-Übung: Werte finden in 7 Minuten

Nimm ein Blatt Papier und beantworte drei Fragen:

  1. Was hat mich in den letzten zwei Wochen berührt?
    Ein Gespräch? Eine Geste? Ein Satz? Ein Moment?
  2. Was hat mich in den letzten zwei Wochen geärgert?
    Nicht, um dich wieder aufzuregen, sondern um zu sehen, welches Bedürfnis und damit welcher Wert in dir verletzt wurde.
  3. Worauf war ich in den letzten zwei Wochen stolz?
    Auch leiser Stolz zählt. Nicht nur „ich habe den Mount Everest bestiegen“, sondern auch: „ich habe eine Aufgabe erledigt, der ich lange ausgewichen bin.“

Schau dann auf deine Antworten und ergänze:

Welcher Wert könnte dahinterstehen?

Beispiele:

Berührt von einem ehrlichen Gespräch: Ehrlichkeit, Nähe, Vertrauen, Verbundenheit
Geärgert über leere Versprechen: Verlässlichkeit, Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit
Stolz auf eine erledigte Aufgabe: Selbstachtung, Freiheit, Würde, Autonomie

Der Kernsatz

Deine Werte sind nicht einfach Dekoration.

Sie sind innere Orientierung für dich.

Wenn du sie nicht kennst, entscheiden oft andere für dich: Erwartungen, Gewohnheiten, alte Schutzprogramme oder der beliebte innere Verwaltungsrat namens „man müsste eigentlich“.

Selbstbestimmt leben heisst nicht, immer sofort zu wissen, was richtig ist.

Es heisst vielmehr, immer besser zu merken:

Was passt zu mir und was nicht?

Reflexionsfrage

Welcher Wert will in deinem Leben mehr Raum bekommen?

Und was wäre diese Woche ein kleiner, sichtbarer Schritt in diese Richtung?

Mit Klarheit
Harry

PS: Werte erkennt man nicht daran, dass man sie schön findet. Sondern daran, dass es weh tut, wenn man dauerhaft gegen sie lebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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