Guten Tag

Vieles hat die Menschheit erfunden. Ich denke nicht an das Rad, obwohl auch die Geschirrspülmaschine ohne nicht funktionieren würde.
Ich denke auch nicht an die Schweizer Erfindung der Knoblauchpresse oder den Klettverschluss.

Ich denke an den „Dummi“.

Den Dummi hat der „Kommunikationspapst“ Friedemann Schulz von Thun erfunden. Der kommt nicht aus Thun, sondern wurde in Soltau, niedersächsische Mittelstadt in Deutschland, geboren, nicht der Dummi, sondern Friedemann.

Und bevor du dich fragst, wohin das führt: Das ist der erste von sechs Sonntags-Impulsen, die ich Schulz von Thun widme. Aus Überzeugung. Nicht als Lehrbuch. Eher als kleine Serie für den alltäglichen Gebrauch.

Laut Schulz von Thun hat jeder von uns seinen Dummi. Und auch seinen Gegenspieler: den Klugi.

Der Klugi in uns liebt Konzepte und Theorien.
Er versteht Zusammenhänge, baut Modelle, findet gute Begriffe.
Er kann sogar sehr überzeugend erklären, warum etwas kompliziert ist.

Und dann gibt es den Dummi.
Der sitzt daneben, schaut kurz hoch und fragt:

„Okay. Und was heißt das jetzt – ganz konkret?“

Das klingt frech. Ist aber Gold wert.

Klugi sorgt dafür, dass wir die Welt differenziert sehen.
Dummi sorgt dafür, dass wir im Leben nicht an unseren eigenen Worten vorbeileben.

Wenn Klugi am Steuer ist, wird alles elegant und unverbindlich.
Dann entstehen Sätze wie:

„Ich brauche mehr Klarheit.“
„Ich sollte Grenzen setzen.“
„Ich will bewusster leben.“

Klingt gut. Und bleibt oft folgenlos.

Der Dummi jedoch hat eine Gabe: Er lässt uns nicht einfach so durchrutschen.
Er will es wissen. Nicht akademisch, sondern umsetzbar.

Denn der Dummi ist nicht der Teil, der dich blamiert.
Er ist der Teil, der prüft, ob du etwas wirklich verstanden hast.

Du kannst die brillanteste Theorie der Welt im Kopf haben.
Wenn dein innerer Dummi sie nicht greifen kann, wird sie nicht funktionieren. Punkt.

Interessanterweise wurzelt dieser „Dummi“ in einer schmerzhaften Erfahrung: Schulz von Thun, so erzählt er, war in der Schule ein Versager in Mathematik und Physik. Das war ein richtiger Einbruch in sein Selbstwertgefühl und hat ihn gelehrt, wie sich Nicht-Verstehen anfühlt. Heute nutzt er genau diesen Anteil als Torhüter:

Nur was dem „Dummi“ in ihm einleuchtet, findet den Weg in seine sehr lesenswerten Bücher. Diese Perspektive des Verstehen-Wollens ist für Schulz von Thun eine notwendige Bedingung, um wissenschaftliche Komplexität in menschlich verständliche Bilder zu verwandeln.

Warum das wichtig ist

Missverständnisse entstehen nicht, weil wir zu wenig wissen, sondern weil wir zu schnell reagieren, zu impulsiv antworten, zu rasch sprechen. Wir benutzen Worte wie Klarheit, Grenzen, Selbstwirksamkeit, Resilienz, Authentizität, Liebe, Treue etc.

Alles wunderbare Wörter. Jedoch eigentlich unbestimmte Hauptwörter, die jeder anders definiert und bei deren Bedeutung jeder andere Bilder kreiert.

Und hinter solchen Wörtern kann man sich wunderbar verstecken.


Dann klingen wir vielleicht klug, aber niemand weiß, wie wir sie konkret deuten sollen.

Und genau da kommt der innere Dummi ins Spiel.
Er sagt:

„Okay. Und was heißt das jetzt – in einem Satz?“

Mini-Übung: Dummi würdigen (3 Minuten)

Nimm ein Wort, das du in letzter Zeit häufig benutzt hast.
Zum Beispiel: Klarheit, Grenzen, Motivation, Stress, Balance.

    1. Schreib einen Satz dazu, so wie Klugi ihn formulieren würde:
      „Ich brauche mehr ________.“
    2. Und dann lass Dummi ran. Der stellt nur zwei Fragen:
      „Woran würde ich nächste Woche merken, das sich in mir etwas verändert?“
      „Was wäre ein konkretes Beispiel und der nächste Schritt?“

Wenn du willst, schreib dir genau einen Satz als Antwort auf. Nicht fünf. Einen.

Das ist Dummis Würdigung: Er macht aus einem klugen Wort eine machbare Handlung.

Reflexionsfrage

Welches „kluge“ Wort benutzt du gerade am häufigsten – und was würde dein innerer Dummi dazu sagen?

Mit Klarheit
Harry

PS: Nächsten Sonntag geht’s weiter mit Folge 2: „Vier Ohren, ein Satz, und das Drama beginnt“.

 


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