Endlich wissen, worum es geht!

Bild: Debby Hudson – unsplash

Ich setze stillschweigend voraus, dass du mir zustimmst, dass das, was du täglich erlebst, für dich ganz klar ist. Wie du dein Leben betrachtest, d.h. wie dein Leben aussieht, ob es dir gefällt oder nicht, ist nicht mehr als deine eigene Realität in deiner Welt. Um deine Welt anderen mitzuteilen oder zu erklären, benutzt du deine Sprache. Selbst in deinem inneren Dialog sprichst du mit dir in deiner dir eigenen Art und Weise.

Und wie spricht der oder die mit dir? Benutzt du da ein Modell und was ist Sprache überhaupt? Nun, Sprache ist ein komplexes Phänomen. Sie ist Mittel zum Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Emotionen. Ich denke, du stimmst mir zu, sie ist das wichtigste und artspezifisches Kommunikationsmittel des Menschen, strukturiertes System von Zeichen, ein verinnerlichtes System von Regeln und wird als Menge der Äusserungen in einer Sprachgemeinschaft oder als Werkzeug des Denkens definiert (nach Brockhaus).

Die kleinsten Einheiten sind die Laute und Phoneme. Die verschiedenen Sprachen unterscheiden sich hinsichtlich des Gebrauchs der Laute (wir Deutschsprachigen haben keine nasalen Laute wie die Franzosen und keine th-Laute wie die Britten). Charakteristisch für jede Sprache ist, dass mit symbolischen Zeichen kommuniziert wird. Die Bedeutung der Zeichen ist willkürlich. Sprache ist das eigentliche Medium der Kommunikation, denn unser Handeln, Denken und unser Vorstellungsvermögen werden durch unsere Sprache geprägt.

Die Art, wie wir mit Sprache unsere Realität gestalten, interessiert die Linguisten schon seit Babylonien und wahrscheinlich schon zuvor. Im Sanskrit findest du zum Beispiel erstaunlich „moderne“ Gedanken, dass die Realität, die wir für uns wahrnehmen, einem Wandel unterliegt. Das heisst, dein Begriff der Welt, so wie du die Welt siehst, bildest du in deiner Sprache ab. Veränderst du deine Sprache, verändert sich auch deine Wahrnehmung der Realität und damit verändern sich deine Welt und dein Leben.

Alles, aber wirklich alles, was du mit deinen Sinnen wahrnimmst, wird im Gehirn auf eine bestimmte Weise ver- und bearbeitet – und dann im Unbewusstsein abgespeichert. Diesen Speicherinhalt und alle damit zusammenhängenden Rohdaten sind unermesslich in ihrer Reichhaltigkeit. Dies wird von den Fachleuten als „Tiefenstruktur“ benannt. Da findest du deine Erinnerungen, da werden in der Realität Verknüpfungen erstellt und aus der Summe dessen entsteht deine Sprache.

Du und dein Unbewusstsein arbeiten hierbei mit drei Kunstgriffen meisterlicher Hand – damit du einigermassen schlüssig reden kannst: Der gesamte Informationsgehalt ist viel zu umfangreich („die Tiefenstruktur“), sodass dein Gehirn und Unbewusstsein recht gute Konzepte, genauer Abkürzungen, entwickelt hat, damit deine Sprache kürzer und damit besser verstanden wird. Die Tricks sind Generalisierung, Tilgung und Verzerrung.

Damit verstehst du die Problematik: Dein Gegenüber, mit dem du kommunizierst, hat einen völlig anderen Erfahrungshintergrund und eine andere Lebensgeschichte als du. Deine abgekürzte und damit unvollständige Nachricht kann von deinem Gegenüber auf vielerlei Arten und Weisen interpretiert werden – und dies passiert recht oft – man nennt diese Interpretationen „Missverständnisse“.

Alfred Korzybski (1879-1950), seines Zeichens ein Ingenieur, beschäftigte sich mit der Konzeption der von ihm sogenannten „Allgemeinen Semantik“. Das vielleicht bekannteste Zitat aus seinem Hauptwerk Science and Sanity (1933)“ lautet: „Die Landkarte ist nicht die Landschaft, aber wenn die Landkarte der Struktur der Landschaft ähnlich ist, ist sie brauchbar.“

Wir leben in der Welt der Sprache und Symbole und in der realen Welt der Erfahrungen. Die Welt der Sprache ist eine Abstraktion der Welt der Erfahrungen und die Abstraktion (die Landkarte) kann niemals mit der Erfahrung (der Landschaft) identisch sein. Wenn die sprachliche Welt die reale Welt nicht adäquat abbildet, läuft der Mensch, geleitet von einer falschen Landkarte, in die Irre.

Im Meta-Modell der Sprache haben wir, wie bereits erwähnt, diese drei universellen Gestaltungsprozesse: Generalisierung, Tilgung und Verzerrung. Aber, du kommunizierst ja auch mit dir selbst – und da transformierst du ebenfalls die Tiefenstruktur in eine Oberflächenstruktur. Jeder Satz (oftmals auch nur ein Wort) wird zunächst phonologisch und dann semantisch interpretiert. Diese sogenannte Transformationsgrammatik liefert also für jeden Satz, den sie generiert, eine Tiefen- und eine Oberflächenstruktur sowie die Bedeutung und die lautliche Realisation.

Es gibt sprachliche Konstruktionen, die ein genaues Hinterfragen im Sinne des Meta-Modells erfordern, um Informationen über die subjektive Wirklichkeit zu erhalten. Leider ist die Klassenzuordnung innerhalb dieses Modells nicht wirklich eindeutig und variiert von Autor zu Autor. Einige Wohlgeformtheitsverletzungen findest du hier.

Nehmen wir ein Beispiel aus den Generalisierungen (Verallgemeinerungen) und zwar das Beispiel „müssen“ aus der Gruppe der Modaloperatoren der Notwendigkeit und Möglichkeit.

Die Schlüsselworte sind müssen, sollen, notwendig sein, können, wollen, dürfen etc.

Beim „müssen“ wird etwas als Notwendigkeit kommuniziert ohne die dahinterliegende Konsequenz anzugeben: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“

Die Meta-Modell-Frage könnte lauten: „Was befürchtest du, würde sonst passieren?“

Beobachte doch mal, wie häufig du täglich das Wort „muss, müsste“ hörst und wie oft du es selbst in den Mund nimmst? Welchen Einfluss hat das Wort „muss“ auf deine Motivation? Wenn du etwas erledigen willst, so scheint es, hilft das Wort „müssen“ wohl nicht. Was immer es ist, es scheint zwar notwendig zu sein, aber getan wird es nicht zwingend.

Warum?

Meistens, weil es deine Autonomie und/oder deine Freiheit einschränkt. Das ist eine wichtige Einsicht, wenn du verstehen willst, warum andere Menschen – dich mit eingeschlossen – oft allen Informationen oder Hinweisen, die sowohl sachlich als auch rational vernünftig sind, nicht folgen. Wir sind nun mal autonome Wesen und wollen unsere Freiheit und Selbstbestimmung behalten. Manchmal leben wir diese, indem wir etwas anderes tun – nämlich nichts.

Mache dir dazu Folgendes bewusst: Es gibt nichts, was du unbedingt tun musst. Ok, manchmal auf die Toilette, ab und zu etwas essen und trinken und immer mal wieder schlafen. Das ist alles, was du tun musst. Was sonst?

Sonst bist du frei. Bei allen anderen Dingen liegt die Entscheidung, was du tust, immer bei dir. In jeder Situation. Niemand kann dich zu etwas zwingen – es sei denn – du hast Wi-Fi-Anschluss in Guantanamo in deiner Zelle und liest diese Zeilen dort.

Nun, du musst zum Beispiel nicht arbeiten. Du musst auch nicht deine Familie ernähren. Läuft es schlecht, bleibt immer noch das Bettlerleben oder das alte Sofa unter der Brücke. Das geht! In Deutschland leben Hundertausende so. Und die wenigsten wollen das ändern.

OK, ein extremes Beispiel – ich will dir nur zeigen, dass du, um zu leben, nichts tun musst, was du nicht tun willst.

Aber, du kannst deine Freiheit und Autonomie relativ einfach stärken. Vielleicht probierst du es aus? Beschäftige dich mit den folgenden Sätzen:

Es liegt in der Tat alles in meiner Hand.

Nur ich kann entscheiden, was ich tun will.

Es ist allein meine Entscheidung.

Was tut sich in dir, wenn du diese Sätze liest, sagst oder denkst? Wie fühlt es sich an? Unangenehm oder angenehm?

Vielleicht fühlst du dich manchmal in der Opferrolle; auf der Arbeit, in der Partnerschaft – oder überhaupt im Leben.

Mach dir bewusst, dass es zwar Situationen gibt, die Konsequenzen nach sich ziehen, aber dass immer du  es bist, der sich für einen bestimmten Weg entscheidet. Niemand kann dich zwingen, ausser du lässt es zu.

Zurück zur Motivation, etwas tun zu wollen, aber eben nicht zu tun. Ich muss noch…

Wenn du etwas wirklich tun willst, dann tust du es auch. Oft bleiben wir nur auf der Oberflächenebene stecken: „Ich muss X verändern!“.

Die Meta-Modell-Frage, die dir hier weiterhilft:

Warum könnte ich X verändern wollen?

Diese Frage führt dich weg von dem, was du tun solltest. Führt weg von dem, was andere denken oder was besser für dich wäre.¨

Wir tun, was wir tun möchten. Du auch.

Du musst (interessant – aber ist in diesem Fall mit der Verneinung tatsächlich wahr) dich zu nichts zwingen. Wenn du deine Gefühle findest, warum du etwas tun willst, dann tust du es auch.

Die Frage „warum könnte ich X verändern wollen?“ stärkt deine Autonomie und deine Freiheit – und ohne diese geht es kaum. Nur wenn du etwas für dich tust, wirst du dich dafür einsetzen, wirst du Zeit schaffen und die Energie finden, es anzupacken.

Das liegt nur an dir. Es führt zu BASS. So, wie ich leben will: Bewusst, Achtsam, Sinnvoll und Selbstbestimmt.

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