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Es ist so

Es sind sonnige, klare Tage in unseren Gefilden und eigentlich würden wir aufatmen und sagen: Der Winter ist vorbei, das Leben kehrt zurück. Aber es ist alles anders als sonst, und wir alle sind erschüttert über den Krieg in der Ukraine und das Leid der Menschen und den Tod.

Wenn uns heftige Krisenereignisse überwältigen, dann suchen wir intensiv nach Informationen, sagen Psychologinnen und Psychologen. Wie können wir dabei einerseits auf dem aktuellen Stand bleiben, aber uns andererseits nicht in einem Strudel negativer Nachrichten verlieren? Susanne Ackermann hat über das sogenannte Doomscrolling geschrieben.

Nachts finden die dramatischen Ereignisse des Tages ihren Weg in unser Unbewusstes. „Psychologie Heute“ erklärt auf ihrer Website, wie „Corona unsere Träume verändert hat“, „Warum wir überhaupt träumen“ – und was wir brauchen, „um auch in schwierigen Zeiten besser zu schlafen“. Der Tag fällt dann leichter – und wir können anderen Menschen zur Seite stehen.

Im Fernsehen, im Radio, auf Social Media und bei Gesprächen mit Familie und Freund:innen werden wir immer wieder mit Putins Angriffskrieg in der Ukraine konfrontiert. Für viele Menschen beginnt der Tag mit Live-News aus den Kriegsgebieten. Das ist belastend.

Wie kommen wir zu einer guten Balance aus Newsbedürfnis und Selbstfürsorge? Und warum berührt uns diese Krise mehr als andere Kriege? Wie schaffen wir es, uns nicht in einem Strudel aus Angst vor einer nuklearen Katastrophe zu verlieren und dem Gefühl der Hilflosigkeit etwas entgegenzustellen?

Viele Menschen haben momentan den Impuls, etwas zu tun, helfen zu wollen. Dabei ist es wichtig zu realisieren, dass wir nur helfen können, wenn es uns selber gut geht.

Das hört sich paradox an, aber es ist wichtig, dass wir schöne Dinge für uns tun und uns immer wieder seelisch und körperlich regenerieren. Die Seele braucht einen Wechsel aus Aktivität und Regeneration.

Die Welt, in der wir leben

Mein Freund und Kollege Dr. Friedrich Assländer – wir kennen uns seit 50 Jahren, – hat sich zum Thema Gedanken gemacht. Und mir haben sie gefallen. Hier Auszüge aus seinem Wegweiser zum Wesentlichen #62:

Die Ereignisse im Außen geschehen weitestgehend ohne unser Zutun. Es ist so! Ich kann es nicht ändern. Aber, wie ich darüber denke und wie lange ich darüber nachdenke, ist meine Entscheidung. Die Fähigkeit, meine Gedanken und damit auch meine Gefühle zu kontrollieren und zu steuern, ist lernbar und wird zunehmend zur Schlüsselkompetenz.

Wir können fragen: Was kann ich für den Frieden tun? Und wie kann ich für mich und für Nahestehende gut sorgen? Auf diese beiden Fragen habe ich Antworten.

Es ist entscheidend, dass wir für uns eine geistige Klarheit schaffen, die durch einen bewussten und kritischen Umgang mit Informationen entsteht. Wie und wo informiere ich mich? Wir selbst entscheiden täglich, schaue ich mir die Schreckensbilder im Fernsehen oder im Internet an und bin dann beunruhigt und voller Angst und gehe damit ins Bett. – Oder hole ich mir sachliche Informationen in wenigen Minuten im Radio oder aus einer Zeitung. Bilder werden im Bewusstsein viel tiefer verankert als verbale Informationen und sie lösen direkt Gefühle aus, die eine logische Verarbeitung meist verhindern.

Kritisches Denken braucht sachliche Informationen, die wir überdenken können. Bitte denke über Folgendes nach – vielleicht hast du das schon gemacht – in den Medien heißt es: „Die Russen haben die Ukraine überfallen“ oder „Die Russen zerstören Wohngebäude und töten Zivilisten“, was mit vielen Bildern belegt wird. Beide Behauptungen sind falsch. Richtig ist: Putin hat diesen Krieg angeordnet. „Die Russen“, d.h. fast alle Menschen in Russland wollen keinen Krieg. Der Widerstand in der Bevölkerung ist enorm hoch trotz harter Repressionen. Die Soldaten wollen auch keinen Krieg. Da gibt es aber Befehle und Zwänge, für viele eine fatale Situation.

Wenn wir differenziert denken, dann entsteht eine seelische Brücke zu den vielen gleichgesinnten Menschen und ein Mitgefühl mit den Leidtragenden auf beiden Seiten. Durch diese Art zu denken und zu reden, entsteht ein anderes „Wir“. Wir sehen die vielen Menschen, auch in Russland, die alle das Gleiche wollen, Friede, Glück und Sicherheit, und wir fühlen uns mit ihnen verbunden.

Das alte Schema „Wir-Deutsche“ „Wir Gutmenschen“ und „Ihr Russen“ und „die Soldaten“ wird aufgelöst und damit auch die damit verbundenen Feindbilder. Es gibt dann auch kein Bedürfnis nach Vergeltung und Bestrafung „der bösen Russen“. Wir können uns nun innerlich mit liebevollen Gedanken und tiefem Mitgefühl mit allen Leidtragenden verbinden. Das ist ein tatsächlicher und effektiver Beitrag zum Frieden. Damit wird Putin nicht gestoppt, zumindest nicht direkt. Aber Hass, Wut und Rachefantasien entmachten die Despoten auch nicht.

Dieses differenzierte und heilsame Denken ist nur möglich, wenn das Bewusstsein nicht bereits von Bildern mit entsprechenden negativen Gefühlen überflutet ist. Die Nachrichten im Fernsehen und viele „Berichte“ sind psychische Vergiftung. Medienverzicht ist keine neue Erfindung, wird aber immer wesentlicher für unseren inneren Frieden.

Praxis Tipps

Wir können unser Gedanken von Wut, Rache, Angst umleiten in ein Mitgefühl für die Opfer auf beiden Seiten, indem wir ihnen liebevolle Gedanken senden oder für sie beten. Dann können wir danken für die Sicherheit und den Wohlstand, den wir haben.

Aus der eigenen Angst steigen wir aus, indem wir den Blick auf das Jetzt und Hier lenken. JETZT ist hier alles gut. Gedanken an das, was morgen passieren könnte, sind Spekulation. Die Frage, was kann ich jetzt Gutes tun, führt uns in die Gegenwart.

Innere Unruhe und Ängste lassen sich „wegklopfen“. Aus der Traumatherapie kommt das »diagonale Klopfen«: An einem ungestörten Ort aufrecht hinsetzen und das unangenehme Gefühl fokussieren. Die Arme vor der Brust kreuzen und mit der flachen Hand abwechselnd links und rechts auf die jeweils gegenüberliegende Schulter klatschen, linke Hand die rechte Schulter und umgekehrt. In einem gleichbleibenden Rhythmus mit ungefähr 2-3 Schlägen pro Sekunde, mehrere Minuten lang klopfen. Dann innehalten und beobachten, was sich bei dem Gefühl geändert hat. Bei starken Gefühlen kann man das mehrmals wiederholen.

Rachegefühle, Bestrafungsideen, Verurteilungen etc. befriedigen kurzfristig unser Gerechtigkeitsempfinden. Real bringen sie aber nur neue Gewalt in die Welt, zuerst geistig als Gedanke und irgendwann als Worte und Taten. Wir sollten sie durch liebevolle und friedliche Gedanken ersetzen.

Zu guter Letzt

Ein neuer Online-Kongress von Auditorium Netzwerk:

Es sind die Stürme des Alltags, die uns beuteln, hin- und herwerfen und zu so manch unangemessener Tat verleiten. Es ist unser Unvermögen, uns im Zentrum des Hurrikans/Zyklons in der Position des inneren Beobachters aufzuhalten, wenn es um uns herumtobt.

Mit “um uns herum” meint z. B. die uns seit langem in Atem haltende Pandemie oder den aktuellen Krieg in Europa, von dem noch niemand weiß, wie lange er dauern und welche schrecklichen Auswirkungen er haben wird. Und, natürlich, unser eigenes inneres Durcheinander, unser Getriebensein, unsere Reaktivität, unser immer alles Besserwissen, eben unser unbesonnenes Handeln.

Es ist eine Kunst, sich im Zentrum des Hurrikans aufzuhalten. Diese Kunst kann man trainieren.

Der Kongress findet vom 14. – 20. März statt und ist kostenfrei. Anmeldeschluss:

Nur noch heute!

Du erhältst dann ab dem 14. März täglich per E-Mail den Link zu den Titeln des Tages.

In dieser Woche kannst du hören und sehen: Thich Nhat Hanh, Jiddu Krishnamurti, Deepak Chopra, S. H. Dalai Lama, Ayya Khema, Tenzin Palmo, Willigis Jäger, Anselm Grün, David Steindl-Rast, Eugen Drewermann, u. v. a. m.

Zur Anmeldung

PS:

Zwei Clips möchte ich dir noch anbieten, um mal nicht nur Negatives konsumieren zu müssen. Mein Freund Gunther Schmidt über unsere „Wahrnehmung(Dauer: 2:31) und bei ARTEde „Was, wenn es Staub nicht gäbe?(Dauer: 22:51)

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