Gewinnen oder Erfolg haben?

Mit den unbestimmten Hauptwörtern ist es so eine Sache: Ein unbestimmtes Hauptwort bezeichnet etwas Abstraktes mit einem Namen und setzt stillschweigend voraus, dass jeder Mensch das Gleiche damit meint – obwohl dies in den meisten Fällen nicht so ist.

Du kennst die üblichen Verdächtigen: Liebe, Glück, Zukunft, Familie, Gemeinsamkeit, Vertrauen, Schönheit und bei Adjektiven kannst du noch weiterdenken: Strahlend, ereignisreich, tief oder absolut.

Und für heute die Frage an Dich: „Was bedeutet Erfolg für dich?“

Was braucht es, um ein erfolgreiches Leben zu führen? Ist das ein Leben, in dem du dich wohlfühlst? Ein Leben, worin du überwiegend jene Dinge tust, die du tun willst? Ein Leben, das, wenn du später mal zurück blickst, für dich als sinnvollen Beitrag erklären kannst?

Erfolg ist, nüchtern betrachtet in meiner Welt, immer das Ergebnis eines Prozesses, der sich aus vielen Schritten zusammensetzt. Und es existieren damit unendlich viele Möglichkeiten (also Strategien), um zum gewünschten Erfolg zu kommen.

Erfolg? Allgemein glaubt man, dass Erfolg etwas mit Zielen zu tun hat. Oft sogar mit materiellen Dingen, die man erreicht oder anschafft. Mir erscheint das jedoch zu einschränkend. Mit dieser Definition wären da Vinci, Michelangelo oder Einstein nicht erfolgreiche Menschen.

Du könntest sagen: „Erfolg ist, nach meinem Entwurf zu leben“ oder du könntest denken: “Erfolg ist, jeden Tag mehr zu dem zu werden, der du sein willst.“ Zwei Ansätze, die Erfolg nicht über das Ergebnis, sondern über den Weg definieren. Du könntest noch einen Schritt weitergehen: „Erfolg ist, wenn ich die Welt ein bisschen bereichert oder schöner gemacht habe.“ Damit würde der Erfolg über einen Nutzen definiert.


Viele Bücher gibt es über das Thema Erfolg. Das meiste, was du findest, ist nicht falsch und doch finden sich dort auch keine Geheimnisse. Im Prinzip, so meine ich, geht es um vier Perspektiven: Haben, Tun, Sein und Geben. Und hierzu gibt es drei Aspekte:

Erstens brauchst du einen klaren, sinnvollen und nutzenorientierten Traum, der an deinen Werten ausgerichtet ist. Solange du nicht weisst, was du willst, wirst du mehr oder weniger ziellos umherirren. Du kannst zwar kurzfristige Ziele erreichen, aber niemals erfolgreich sein.

Zweitens: Die Entwicklung beginnt bei dir selbst. Es ist, wie du weisst, ziemlich irre, immer das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Solange du dasselbe denkst wie vorher, wirst du auch dasselbe tun. Jede Entwicklung beginnt damit, dass du dein Denken entwickelst. Du kannst zum Beispiel an deinen Glaubenssätzen arbeiten.

Drittens: Tue das, was du dir vornimmst, mit voller Konsequenz! Es ist eine Vereinbarung mit dir selbst. Mit nur reden und planen wirst du keinen Erfolg erzielen oder erfolgreich sein. Träume werden nicht durch reden oder planen erreicht, sondern durch Handlungen.

Jeder der Punkte ist einfach zu verstehen. Aber keiner der Punkte ist leicht. Für die Umsetzung des ersten Punktes musst du deinen Egoismus überwinden und den Nutzen und Wert deines Ziels ins Zentrum rücken. Es braucht den Mut und die Kraft, langfristig zu denken und sich klare und messbare Ziele zu setzen. Und du sollst dabei über das Realistische hinausdenken.

Um den zweiten Punkt in der Praxis zu verwirklichen, musst du zuerst den Balken in deinem Auge suchen, bevor du dich um die Splitter der anderen kümmerst. Jede deiner Einstellungen, Werthaltungen, Stärken, Fähigkeiten, Vorlieben wollen auf den Prüfstand gestellt werden und in Übereinstimmung mit deinem Traum gebracht werden. Du übernimmst Verantwortung und erkennst dein eigenes Handeln als Ursache für alles.

Für die Realisierung des dritten Punktes brauchst du Disziplin und Integrität. Lernen, das zu tun, was du dir vorgenommen hast. Du willst systematisch jede Möglichkeit für Faulheit, Ausreden oder Ängste ausschalten. Oder diese so integrieren, dass du trotzdem das erreichst, was du dir vorgenommen hast. Entscheidend ist, dass du jeglichem Versuch widerstehst, die Ziele zu verkleinern![1]

In diesem Zusammenhang gefällt mir John Wooden, einer der erfolgreichsten Basketball-Trainer der Welt. Hier sein TED-Talk über den Unterschied zwischen Gewinnen und Erfolg haben.

Ein Meister der vier P’s

Eigentlich hatte Wooden[2] keinen Siegeswillen, jedenfalls nicht im klassischen Sinne (was erstaunlich ist für jemanden, der mehr Siege eingefahren hat, als jeder andere Coach jemals). Der tatsächliche Wettbewerb ist für ihn nicht der gegen die Gegner, sondern der gegen sich selbst. Wer immer nur auf das Ergebnis schaut, so seine Haltung, übersieht die notwendigen Details, die uns das eigene Potenzial entfalten lassen. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er den Ehrgeiz, Meister der vier P’s zu werden: Planning, Preparation, Practice und Performance – also Planung, Vorbereitung, Durchführung und Ergebnis. Niemals betrachtete er einen dieser vier Aspekte isoliert.

Was ist Erfolg?

Dabei war es für ihn wichtig, Erfolg zunächst korrekt zu definieren. Der Grund: Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn, noch als Englisch- und später als Sportlehrer, erhielt er immer wieder Beschwerden von Eltern. Sie waren unzufrieden mit den Noten oder Ergebnissen ihrer Sprösslinge, und zwar häufig gerade dann, wenn diese das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt hatten. Die Eltern waren auf Ergebnisse, statt auf die Möglichkeiten ihrer Kinder und deren Prozesse fokussiert. Wooden fand das falsch und so entwickelte er eine ganz eigene Definition von Erfolg. Erfolg ist nach Wooden ist, die Fähigkeit, das Beste aus den eigenen Möglichkeiten zu machen.

Zuhören und Fokus

Wooden erklärt ganz praktische Hinweise in seinem Buch. Dabei ist er äusserst detailorientiert. Als Basketball-Coach ging er so weit, seinen Teams zu erklären, wie sie ihre Socken so zusammenlegen, dass sie keine störenden Falten bilden. „Große Leistungen und Produktivität werden nur erreicht, wenn man sich mit kleinen, aber relevanten Details identifiziert und diese perfektioniert – Kleinigkeiten gut macht“, so Wooden in seinem Buch. Ich persönlich bin der Meinung, dass man das etwas differenzierter sehen kann. Nicht jede Führungskraft muss sich in jedem Detail auskennen oder sich womöglich überall einmischen. Dafür gibt es qualifizierte Mitarbeiter. Aber, und da bin ich wieder ganz bei ihm: Jedem noch so kleinen Detail sollte Bedeutung beigemessen werden. Gilt sowohl für jene, die ein Unternehmen führen, als auch für jeden, der der Unternehmer, im Gegensatz zum Unterlasser, seines Lebens sein will.

Zudem schreibt Wooden: „Every minute counts“. Sowohl im Business, als auch im Sport komme es darauf an, so zu arbeiten, als ob man keine Zeit zu verlieren hat. Dabei ist nicht Hektik gemeint, sondern die Fähigkeit, sorgsam mit seiner Zeit umzugehen. Zudem plädiert er fürs Zuhören. Er geht davon aus, dass jede Führungskraft ständig lernen kann und muss, und zwar von allen Menschen, die sie trifft. Wer glaubt, alle Antworten zu haben, stellt nicht mehr die richtigen Fragen und hört auf, zu lernen.

Ein Geschäftsmann wollte vom Meister wissen, was das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens sei. Der Meister antwortete: „Mach jeden Tag einen Menschen glücklich!“ Nach einer Pause fügte er hinzu: „… selbst wenn dieser Mensch du selbst bist.“ Nach einer weiteren Pause: „Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist.“

Anthony de Mello, Indien

Frage dich:

Habe ich heute mein Bestes gegeben?

[1] Merath, Stefan. Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer
[2] Wooden, John. Wooden on Leadership

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