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Zeit ausgeben?

Wo ist meine Zeit geblieben? Ist das alles? Was schreiben sie auf meinen Grabstein? Als ich vor etwas mehr als einer Dekade anfing, über meine Zeit und mein Leben nachzudenken, kam ich zum Schluss, lieber etwas zu unternehmen, als Zeit damit zu verschwenden, darüber nachzudenken, wie viele Jahre bereits vergangen waren.

Damals war irgendwann „heute“ für mich. Heute ist „heute“ für mich und ich werde kaum je besser gerüstet sein als heute. Für den Weisen ist jeder neue Tag ein neues Leben.

Die Zeit nimmt keine Rücksicht auf das Alter, sie läuft einfach weiter.

Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was sie mit ihrer Zeit anfangen, beschweren sich aber trotzdem, dass sie nicht genug haben.

Grand Cartone

Was Cartone sagt, könnte ein Fünkchen Wahrheit beinhalten. Wie oft hört man jemanden klagen, dass sein Leben nicht in die gewünschte Richtung geht, weil er keine Zeit hat?

Natürlich ist es immer etwas anderes: „Ich kann nicht trainieren, weil ich ständig müde bin.“ „Ich kann mir keine Zeit für mein leidenschaftliches Projekt nehmen, weil mich immer jemand hier oder dort braucht.“

Jeder hat die gleichen 168 Stunden in der Woche (7 Tage x 24 Stunden) und wer du bist, ist einfach die Summe dessen, was du mit dieser Zeit machst. Was machst du mit deiner Zeit?

„Die universelle Wahrheit hinter manchen spezifischen Problemen, wie der Zeit, ist, dass die meisten von uns auf die eine oder andere Weise viel Energie darauf verwenden, die Realität, in der wir uns befinden, nicht vollständig erfahren zu wollen.

Wir wollen nicht die Angst spüren, die aufkommen könnte, wenn wir uns fragen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, oder welche Vorstellungen von uns selbst wir aufgeben sollten. Wir wollen nicht riskieren, in Beziehungen verletzt zu werden oder beruflich zu scheitern; wir wollen nicht akzeptieren, dass es uns vielleicht nie gelingen wird, es unseren Eltern recht zu machen oder bestimmte Dinge zu ändern, die wir an uns nicht mögen – und wir wollen ganz sicher nicht krank werden und sterben.

Die Details sind von Mensch zu Mensch verschieden, aber der Kern ist derselbe. Wir schrecken vor der Vorstellung zurück, dass dies alles ist – dass dieses Leben mit all seinen Fehlern und unausweichlichen Schwachstellen, seiner extremen Kürze und unserem begrenzten Einfluss auf seinen Verlauf das einzige ist, das wir noch erleben werden.

Stattdessen kämpfen wir mental gegen die Art und Weise, wie die Dinge sind – damit wir, um es mit den Worten des Psychotherapeuten Bruce Tift auszudrücken, „nicht bewusst daran teilhaben müssen, wie es ist, sich klaustrophobisch, gefangen, machtlos und von der Realität eingeengt zu fühlen“. Dieser Kampf gegen die quälenden Zwänge der Realität ist das, was einige Psychoanalytiker der alten Schule als „Neurose“ bezeichnen, und er nimmt zahllose Formen an, von Workaholism (Arbeitssucht) und Bindungsangst bis hin zu Co-Abhängigkeit und chronischer Schüchternheit.“

Burkeman, Oliver. Four Thousand Weeks (pp. 29-30). Random House. Kindle Edition
(von mir übersetzt)

“Wir schuften bei unserer täglichen Arbeit eifriger und gedankenloser, als es zur Erhaltung unseres Lebens notwendig ist“, weil es für uns noch notwendiger ist,
keine Muße zum Nachdenken zu haben.“

Nietzsche: Untimely Meditations

168 Stunden hat die Woche

Jeder hat die gleichen 168 Stunden in der Woche und wer du bist, ist wie bereits erwähnt, die Summe dessen, was du mit dieser Zeit machst. Was machst du wirklich mit deiner Zeit?

  • Wenn du jede Nacht 8 Stunden schläfst, dann bleiben noch 112 Stunden die Woche.
  • Wenn du 40 Stunden die Woche arbeitest, bleiben noch 72 Stunden.
  • Wenn du jeden Tag 3 Stunden mit Essen und Pendeln verbringst (21 pro Woche), bleiben 51 Stunden.

Für den Rahmen dieses Artikels könnten wir annehmen, dass der „Durchschnittsmensch“ etwa 50 Stunden pro Woche für Familie, Besorgungen und Sonstiges hat. Was machst du mit deinen 50 Stunden?

Zeit investieren oder ausgeben?

Der Unterschied zwischen investierter und vergeudeter Zeit ist einfach: Bei ersterer geht es darum, die Zeit für Dinge zu nutzen, die sich später auszahlen, während bei letzterer die Zeit effektiv verschwendet wird, indem man sie für Dinge einsetzt, die keinen Nutzen bringen.

Du kannst keine Zeit für die Zukunft sparen.
Aber du kannst Zeit in deine Zukunft investieren.

So ist das Scrollen in den sozialen Medien für mich ein klares Beispiel für Zeitverschwendung – denn all die Zeit und geistige Energie, die darin investiert wird, wird dein Leben nicht oft positiv voranbringen. Übrigens, das gilt für mich schon für Nachrichten – auch diesen Konsum kann man leicht um 90% reduzieren.

Lesen, Beziehungen pflegen, lernen und Sport treiben sind gute Beispiele dafür, dass man seine Zeit in die Zukunft investiert.

Der erste Schritt

Ich kann mich noch gut erinnern. Ich war ein Produktivitäts-Junkie. Je mehr auf meinem Teller, umso besser fühlte ich mich. Ich fragte mich,

„Bin ich eigentlich zufrieden, oder lebe ich schon?“

Es galt also, Entscheidungen zu treffen. Ich war mir darüber im Klaren, wenn ich etwas ändern will, dann funktioniert das nur, wenn ich mir die Zeit dafür nehme. Ich war reif für Veränderung. Es ging mir nicht darum, mein „Leben zu verbessern“, es ging mir mehr darum, “mein Leben zu retten”.

Die nächsten Schritte

Am Anfang war der Gedanke. Ich fing an über mich nachzudenken und stellte fest, dass sich die Fragen „Warum bin ich hier?“, „Was mache ich daraus?“, „Wann fange ich an?“ und “Was will ich eigentlich?” nicht spontan in einer Minute beantworten lassen. Solche Kardinalfragen brauchen ihre Eigenzeit. Wie üblich, wenn Fragen schwierig zu beantworten sind, gilt es, andere, hinbahnende Fragen zu finden:

„Was ist wirklich wichtig für mich – heute?“

Es ist wie beim GPS im Auto, damit es funktioniert, braucht es vier Dinge: Power (das Wollen), aktuelle Daten (die Realität), das Ziel (wohin?) und den aktuellen Standort (wo bin ich?).

Es war an der Zeit, meinen Lieblingsfüllhalter und ein weisses Blatt Papier (es wurden im Laufe der Zeit mehrere) hervorzuholen und sogleich zu entscheiden, dass ich, was immer auch beim Denken herauskommen mag, es für mich behalten kann.

Und dann ging‘s los:

  • Was möchte ich öfters in meinem Leben, was begeistert und inspiriert mich?
  • Was möchte ich weniger in meinem Leben, was toleriere ich und was schiebe ich auf?
  • Wenn ich mehr Zeit hätte, was würde ich anders machen und was wäre anders?
  • Wie gehe ich mit meinem Körper und meinem Geist um?
  • Wenn mehr Geld wichtig ist, warum ist das so?
  • Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was würde ich tun?
  • Lebe ich mein Leben? Was hält mich davon ab, ich selbst zu sein?
  • Ziel nach Nirgendwo? Was passiert, wenn ich nichts tue?
  • Wenn ich neu anfangen könnte, was würde ich anders machen?
  • Was hält mich heute zurück?
  • Wann habe ich mir das letzte Mal Zeit für mich genommen?
  • Wie fühlt es sich an, wenn ich zufrieden bin, und was macht mich glücklich?
  • Lebe ich mein volles Potenzial?
  • Trage ich etwas bei (Mitmenschen, Freunde und Familie)?
  • Was will ich heute kreieren?
  • Was will ich eliminieren?
  • Was will ich akzeptieren?
  • Was will ich konservieren?
  • Warum ist was wichtig für mich?

Hat man mal angefangen, Fragen zu stellen, dann kommen interessanterweise immer neue hinzu. Schrittweise kommt man seinen Grundwerten näher und erkennt mehr und mehr „Was will ich eigentlich wirklich?“, „Wer bin ich?“, „Für was stehe ich?“

Sind die Fragen schwer zu beantworten? Was kann ich entdecken? Vielleicht fühle ich etwas Melancholie oder Schwermut? Beinahe fühlt man sich überwältigt. Man erkennt plötzlich die Grenzen der eigenen Komfortzone. Mir ging es auf jeden Fall so.

Mir wurde klar, dass das Leben zwar eine Reise mit unlimitierten Möglichkeiten und Herausforderungen ist. Es bieten sich beinahe jede Sekunde Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung. Aber: Wir haben nicht immer eine Antwort, wissen im Prinzip jedoch, wie wir uns fühlen wollen und das ist ein guter Start- und Standpunkt.

Verantwortung übernehmen

Schritt um Schritt lernte ich: Ich bin nicht nur der Schauspieler in diesem Oscar-verdächtigen Film, der sich „Harrys Leben“ nennt, sondern auch der Drehbuchautor und vor allem auch der Regisseur. Es liegt nur an mir, ob mein Leben eine Komödie, ein Drama, ein Krimi, vom Winde verweht oder ein Abenteuerfilm wird.

Wann hast du das letzte Mal an deinem Drehbuch gearbeitet?

Es brauchte und braucht seine Zeit, Antworten zu finden. Und es war und ist mit Aufwand verbunden, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Auf keinen Fall möchte ich meine wöchentlichen persönlichen Strategie-Sitzungen mit mir vermissen. Sie führen zu mehr Aufmerksamkeit, zu mehr Achtsamkeit mit sich selbst und das erhöht meine Lebensqualität und führt zu einem „enrichment of life“, einer Lebensbereicherung. Es ist einfach, aber wahr:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

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