Zwei Quantensprünge (Teil I)

Bild: Tra Nguyen – unsplash

Wenn du deine Sichtweise veränderst, dann ändern sich die Dinge die du betrachtest[1].

Max Planck

Wahrscheinlich gilt dieses Sprichwort nicht wirklich im wahrsten Sinn des Wortes, obwohl in der Quantenphysik, zumindest für mich, sehr vieles nicht verständlich ist. Einer der überraschendsten und (zumindest historisch) kontroversen Aspekte der Quantenphysik ist, dass es unmöglich ist, mit Sicherheit vorherzusagen, was bei einem Quantenphysik-Experiment als Ergebnis herauskommt. Da gibt es nur Wahrscheinlichkeiten. Irgendwie wollen wir das nicht glauben; ist der Topf dreiviertel mit Wasser gefüllt auf der Herdplatte platziert, steht die auf 12 oder Vollgas, dann kocht das Wasser früher oder später – egal ob ich es von links, rechts, oben oder unten betrachte.

Meine Interpretation des Plankschen Zitates (nicht des Plankschen Wirkungsquantums) stellt sich wie folgt dar:

Meine Betrachtungsweise von Menschen, deren Verhalten und meiner eigenen Gedankenwelt und Glaubensbekenntnissen kann, wenn geändert, meine und die Welt um mich herum verändern. Planck hat also Recht (siehe auch Chauffeurwissen).

Zwei mentale Quantensprünge finden sich in den Biographien erfolgreicher Menschen. Viele Menschen assimilieren sich mit dem ersten und vermeiden den zweiten. Beide Sprünge bedingen (oft) ein Loslassen von konventionellem und gesellschaftlich anerkanntem Denken und/oder ein Ent-Lernen einer von Jugend auf über Ausbildung bis ins Erwachsenenalter negativer und sabotierender Programmierung.

Das erste Verständnis liegt in der ehrfurchtgebietenden Erkenntnis, dass man immer die Wahl hat, sich für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. Hat man das verinnerlicht, ist man in der Lage zu kontrollieren und zu entscheiden, mit was man seine Zeit verbringt.

Zweitens geht es dann darum zu erkennen, aus dem ersten jenes zu kreieren, was die Ideen und Ziele in Ergebnisse verwandelt und das bedingt Aufwand. Oft über den Rahmen hinaus, den man selbst oder andere als möglich ansehen. Alleine die Angst vor den eigenen Träumen kann ausreichend Widerstand schaffen, um diese mögliche Entwicklung zu stoppen.

1. Die Macht der Wahl

Verantwortlichkeit

Im Wort findet sich der Teil „-antwort-“. Verantwortlichkeit bedingt, die Antwort vom Fokus auf externe Umstände in internen Fokus (internal locus of control) umzuwandeln. Die Übersetzung aus der Wissenschaft heisst in der Umgangssprache: Höre auf, Opfer der externen Umstände zu sein und übernehme die Verantwortung für dein Leben.

Jeder trägt die Verantwortung für sein Verhalten, wie er/sie auf das Leben reagiert. Impulsiv zu reagieren und andere(s) für das eigene Missgeschick zu tadeln, ist verantwortungslos einem selbst gegenüber. Zum Beispiel, für die Ehe ist man 100%ig verantwortlich – da gibt es kein 50/50. Wenn sie in die Brüche geht, dann war es dein Versagen – nämlich die Folge deiner Entscheidungen, für die es immer Konsequenzen gibt. Es mögen andere involviert sein, aber sie können nicht getadelt werden für die Wahl (Optionen und Verhalten), die du getroffen hast.

Jede Entscheidung beinhaltet Kosten und Konsequenzen

Wir haben nicht die Freiheit, uns so zu verhalten wie immer wir möchten, ausser, wir sind bereit die Konsequenzen zu tragen. Stephen Covey: „Wir kontrollieren unsere Aktionen, aber die Konsequenzen die auf unsere Aktionen folgen, werden durch Prinzipien kontrolliert.“

Man kann nicht frei agieren, wenn man sich der Konsequenzen nicht bewusst ist oder sie nicht versteht. Ignoranz und Unwissenheit führen nicht zu Glückseligkeit, sondern zu einer Knechtschaft von negativen Folgen, ohne die Quelle und die Gründe für diese Folgen zu verstehen. Ignoranz und Opfereinstellung zu kombinieren ist extrem destruktiv.

Jede Entscheidung und Wahl (auch Nichtstun ist eine Entscheidung und Wahl) – noch so klein – führt zu einem Ergebnis. Jede Wahl hat Bedeutung. Die letztendliche Konsequenz und die Kosten einer jeden Wahl ist Zeit! Zeit kriegt man nicht. Den eingeschlagenen Kurs kann man ändern, natürlich, denn von Fehlern lernt man. Probleme kann man lösen, aber alles hat seine Kosten – in dem Fall: Zeit. Hat man dies verinnerlicht, erhöht sich die Sensibilität der Allokation von Zeit zu nicht wichtigen Aktivitäten.

Erfolg und Glücklichsein ist eine Wahl

Erfolg, Gesundheit und Glücklichsein sind Konsequenzen, Nebenprodukte. Es sind Wirkungen, Ergebnisse, nicht aber Ursachen.

Wirkungen und Ergebnisse, als Folge von Prozessen, können kaum beeinflusst werden. Was wir beeinflussen können, sind die Ursachen – und die werden durch unser Verhalten manifestiert. Ein Beispiel: Die meisten missverstehen Selbstbewusstsein. Es ist nicht Selbstbewusstsein, das zu Erfolg führt – es ist der Erfolg, der Selbstbewusstsein schafft.

Selbstbewusstsein ist ein Folgeprodukt der Performance von gestern. Gestern mag deshalb wichtiger sein als heute – und oh Glück, heute ist morgens Gestern. Es gibt also noch viel zu tun – heute.

Ist dies verinnerlicht, dann erkennt man, das der emotionale Seelenfrieden an einem selbst liegt, der eigenen Verantwortung unterliegt und nichts anderes als eine Wahl darstellt.

Zur Wahl gehört Bewegung

Bleiben wir bei der Physik, genauer beim 1. Newtonschem Gesetz (lex prima Newton 1643-1727): „Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig geradlinigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustandes gezwungen wird.“

Das gilt genauso für unseren Geist und unsere Motivation. Ohne Motivation oder In-Bewegung-bleiben ist alles hart – und doch, viele gehen ohne Bewegung durchs Leben. Ohne Bewegung und Momentum werden kaum Resultate erzielt. Konsistenz ist der Schlüssel und der immer wieder gelebte Einsatz in Richtung Ziel oder Vision – und schrittweise führt dies zu einem Zinses-Zins-Effekt. Um Momentum beizubehalten gilt es deshalb, hungrig zu bleiben zu lernen und hungrig für Wachstum zu sein.

Widerstände bei der Freiheit der Wahl

Übernimmt man die Eigentümerschaft und Verantwortung für sein Leben und seine Optionen, dann entwickelt man eine beinahe nicht zu befriedigende Lust, Neues zu lernen. Dies führt zum besseren Verstehen der von Covey genannten Prinzipien. Im Buch Tribal Leadership beschreiben die Autoren unterschiedliche Kulturen in den Unternehmen.

Die meisten Unternehmen funktionieren in der „Stufe 3“-Kultur, in der jeder sich um und für sich selbst kümmert. Dies führt zu internem Wettbewerb und nicht zu Kollaboration. Es geht nicht um die Gemeinschaft – es wird nur der eigene Vorteil im Auge behalten.

Dies führt zur Stagnation im Quantensprung I und lässt II mehr und mehr in die Ferne schweifen.

Quantensprung II ist für erfolgreiche Menschen oft aufgrund folgender Konstellationen und Denkansätzen schwer erreichbar:

Es geht nur um „sie“.

Ihre Vision konzentriert sich nur auf ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele.

Sie sind zufrieden und durch ihren aktuellen Erfolg abgelenkt.

Sie lassen jene Aktionen sein, die ursprünglich den Erfolg produzierten.

Sie sind Perfektionisten geworden und vermeiden, jegliches Neue zu lernen oder gar Fehler zu begehen.

Sie sind obsessive angewiesen auf interne Selbstbestätigung – deutlich mehr als „externes“ Feedback abzufragen.

Sie haben ihr „Warum“ auf die Seite gelegt oder vergessen.

Sie haben aufgehört, anderen Menschen zu vertrauen, um mehr delegieren zu können oder um mehr zu kollaborieren.

Sind Sie mit ihrem individuellen Leben voll und ganz zufrieden, ist der zweite Quantensprung nicht so interessant für Sie.

Ryan Holiday beschreibt diesen Zustand in seinem Buch „Dein Ego ist der Feind“ in der Art, dass er erklärt, dass viele erfolgreiche Menschen aufgehört haben, Student zu sein. Als Student versucht man bewusst, seine Denkweisen zu fordern, Feedback zu erhalten und man lernt bewusst aus seinen Fehlern. Es geht dem Studenten mehr darum, was er lernen kann, als was die anderen von ihm denken.

Stephen Covey fasst in seinem Buch den Quantensprung I-Ansatz als „privaten Erfolg“ und ordnet diesem drei Kapitel zu:

  1. Pro-aktiv sein
  2. Schon am Anfang das Ende im Sinn haben
  3. Das Wichtigste zuerst tun

Sind diese Gewohnheiten übernommen, bewegt man sich von Abhängigkeit zu einem hohen Verständnis von Unabhängigkeit – man übernimmt für sich die Verantwortung – das ist der erste Quantensprung. Den zweiten Quantensprung nennt Covey den „öffentlichen Erfolg“ und um diesen geht es im zweiten Teil nächsten Sonntag.

[1] „If you change the way you look at things, the things you look at change.””

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