5 Mal Macht

Photo by David Travis on Unsplash

„Macht macht nichts“, sagte letzthin einer meiner Kunden und ich stimme ihm 100%ig zu. Macht und Einfluss brauchen und setzen wir tagtäglich ein. Wir alle besitzen Macht, auch wenn uns das manchmal nicht bewusst  ist. Die Kardinalfrage, die wir uns dabei fragen sollten, ist: Wie zeigen wir unsere Macht? Wie setzen wir sie ein? Was resultiert daraus? Die folgenden Ausführungen sind der  zweite Teil zum Artikel „Die persönliche Macht“ von letztem Sonntag und erneut inspiriert von Virginia Satir. Es geht um mögliche Kommunikationsformen.

Wie setzen wir unsere Macht ein?

Beschwichtigen wir oder versuchen wir, anderen Menschen zu gefallen, uns so zu verhalten, damit sie uns mögen? Sind wir Ankläger, die Mitmenschen einschüchtern und sie derart beeinflussen, dass sie uns gehorchen, damit wir uns sicher fühlen? Zeigen wir unsere Macht durch Rationalisieren, indem wir mit unserem Wissen prahlen, indem wir andere mit Worten, Glaubenssätzen und endlosen Erklärungen langweilen und frustrieren? Herrschen wir durch Ablenken? Beschäftigen wir das Gegenüber durch das Einbeziehen unverbundener Dinge (Themawechsel etc.), so dass er oder sie sich schliesslich überwältigt und hilflos fühlt?

Oder zeigen wir unsere Macht, indem wir authentisch (kongruent) in uns sind? So, dass die anderen wissen, wo wir stehen? Sprechen wir aus, was wir wirklich fühlen und denken, dass andere Menschen uns vertrauen können und drücken wir uns klar aus? (siehe auch „Fünf Freiheiten“)

Beschwichtigen, Anklagen, Rationalisieren, Ablenken oder Kongruenz sind Spielfelder der Machtausübung.

Die Macht im Beschwichtigen

Dahinter verbirgt sich: „Ich mache immer alles falsch“ mit dem Gefühl, „ich muss jeden glücklich machen, damit er mich liebt.“ Oftmals mit dem tieferen Gefühl verbunden „Ich bin nicht wirklich liebenswert, wenn ich nicht jeden glücklich mache.“ Ein Zeichen, dass am eigenen Selbstverständnis im Hinblick auf Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl reflektiert werden darf.

Diese Macht, „Ich möchte dir doch nur gefallen, mein Liebling“ erzeugt Gefühle von Schuld, Mitleid und obendrauf Verachtung beim anderen – und wer dies fühlt, kann keinen herzlichen Kontakt herstellen. Keiner sucht die Nähe zu solch einer Person. Es gilt zu unterscheiden zwischen Taten und Aktionen, die wirklich Freude bereiten und dem Versuch, dem anderen nach dem Mund zu reden.

Die Macht in der Anklage

„Nie machst du etwas richtig.“ Dahinter verbirgt sich: „Niemand schert sich um mich und wenn ich nicht herumbrülle, passiert nichts. Oftmals mit dem tieferen Gefühl „Ich bin, wenn ich nicht (ver-) urteile, nicht wirklich liebenswert.“ Ein Zeichen, dass am eigenen Selbstverständnis im Hinblick auf Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl reflektiert werden darf.

Wer angeklagt wird, fühlt sich ängstlich, hilflos, versagend und/oder ärgerlich. Damit kann kein liebevoller Kontakt aufgebaut werden. Wenn man Angst vor einer Person hat, wird man wohl kaum auf diese zugehen. Kritik und Feedback sind lebensnotwendig, denn nur durch Feedback lernen wir. Aber häufig wird der Feedback auf die Person bezogen und nicht auf das (eine, unerwünschte) Verhalten der Person. Wenn die Worte „immer“ und „nie“ beim Feedback verwendet werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Staatsanwalt das Wort innehat und anklagt. Damit fühlt er sich vielleicht auf Kosten des Gegenübers besser und glaubt fälschlicherweise, sich damit Anerkennung von aussen zu beschaffen.

Die Macht im Rationalisieren

Im Leben macht man Fehler. Das ist gut so, denn aus Fehlern lernt man mehr und schneller. Der Gedanke des Rationalisierers klingt ähnlich wie: „Ich muss den Leuten zeigen, wie klug ich bin. Nur meine Logik und meine rationalen Gedanken machen Sinn.“ Oftmals mit dem tieferen Gefühl, „Ich bin ohne mein Wissen nicht wirklich liebenswert.“ Auch hier ein Zeichen, dass am eigenen Selbstverständnis im Hinblick auf Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl reflektiert werden darf.

Bei dieser Machtausübung fühlt man sich als Empfänger oft leicht minderwertig und dumm. Fachbegriffe, unendlich detaillierte Erklärung und ständiges Verweisen auf Quellen kann den Zuhörer überwältigen. Das führt beim Empfänger nicht zu einem guten Gefühl und macht es schwer, einander näher zu kommen. Wissen ist wichtig. Aber lass‘ uns unterscheiden zwischen wirklicher Information und Chauffeurwissen.

Die Macht der Ablenkung

Wahrscheinlich am häufigsten angewendet. Meinen Beobachtungen zu Folge wird diese Art der Kommunikation, die Ablenkung, von 95% aller Menschen benutzt. Das Gefühl: „Ich werde schon die Aufmerksamkeit bekommen, egal, wie extrem ich mich dafür aufführen muss. Oftmals mit dem tieferen Gefühl, „Ich bin ohne externe Anerkennung nicht wirklich liebenswert.“ Ein Zeichen, dass am eigenen Selbstverständnis im Hinblick auf Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl reflektiert werden darf.

Das Beispiel dazu sieht so aus: Sie: „Mein Lieblingsgericht ist ein gutes Steak mit grünem Salat.“ Er erwidert darauf: „Ich liebe Wiener Schnitzel mit Pommes.“ Das ist keine Kommunikation miteinander. Das sind zwei Monologe, Vorträge, in denen zwar Information weitergegeben wird aber mit Kommunikation nichts zu tun hat und mit Zuhören schon gar nichts. Auf ihre Frage, wenn er zugehört hätte, hätte er fragen können: „Warum und weshalb ist das dein Lieblingsgericht genau?“

An diese Art und Weise der Kommunikation sind wir schon so gewöhnt, dass es uns erst auffällt, wenn uns jemand darauf hinweist. Zu Beginn wirkt es vielleicht noch lustig aber im Laufe der Zeit unterstützt es die Beziehung nicht, sondern (so glaube ich) entwickelt sich zu einem Perpetuum mobile. Da laufen die Monologe ganz automatisch ab. Der Austausch von Statements ist keine Kommunikation miteinander. Jeder lenkt den anderen ab. Das ist in vielen Gesprächen zu beobachten.

Auf „Ich finde, die Bundesregierung sollte endlich etwas unternehmen (jegliches Beispiel passt)“, wird geantwortet: „Nun ja, die werden höchstwahrscheinlich die nächste Wahl sowieso nicht gewinnen.“

Mit diesen vier Kommunikationsarten sichern wir uns, so glauben wir unbewusst, unser Überleben. Auch wenn diese Formen wenig erfolgreich sind, so sind sie meist Versuche, uns Achtung und Anerkennung zu verschaffen – von aussen. Auf diese Weise kann kein echter menschlicher Kontakt entstehen. Mit diesen Kommunikationsformen geben wir unsere persönliche Macht an andere ab, damit sie uns das zur Verfügung stellen, was wir zum Überleben brauchen (meist ohne uns  bewusst zu sein, dass sich unser limbisches System damit Nahrung holt) .

Recht wenig Menschen begegnen sich wirklich. Dadurch wird selten Kreatives geschaffen. Beim Austausch von Aussagen wird das Denken selten angeregt. Wie oft hast du schon, wenn du eine gute Frage gestellt hast, gehört: „Das ist eine gute Frage!“ Wann immer du das hörst, hast du vorher zugehört und vergrösserst dein Selbstbewusstsein und das deines Gegenübers. Du unterstützt einen anderen Menschen, weil du ihn zum Reflektieren animierst. Das bedingt, dass du neugierig bist und wirklich erfahren willst, was den anderen bewegt.

Die Macht der Authentizität

„Ja, ich fühle mich im Moment sehr ärgerlich[1]“ Die Macht, die in der Authentizität liegt, entsteht dadurch, dass die Worte genau das wiederspiegeln, was du im Moment fühlst, dass deine Körpersprache und dein Gesichtsausdruck deinen Worten entsprechen und dein Verhalten damit übereinstimmt. Das nennt man Kongruenz. Du bist stark, weil sich alles im Einklang befindet. Du klammerst nichts aus. Du bist glaubwürdig. Du hast Energie und das hilft, Vertrauen zu entwickeln. Du wirst besser verstanden, weil du klar bist. Dein Gegenüber fühlt, dass er etwas von dir erhält. Du fühlst dich offen und kannst deshalb Begeisterung fühlen anstatt Angst oder Unvermögen.

Du weisst, dass du auswählen kannst, wie du kommunizieren willst. Das gibt dir Energie und überzeugt. Wir brauchen diese Energie, um mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Die meisten hoffen, dass dieser Kontakt zustande kommt, aber viele geben die Verantwortung dafür aus der Hand.

„Nur durch dich kann ich leben“, enthält die gleiche Information und Macht wie: „Du bringst mich um, wenn du gehst.“ Das eine klingt positiv, das andere negativ – in beiden Fällen wird die Macht aus der Hand gegeben.

In der einfachsten Definition ist Kommunikation nichts anderes als das Senden und Empfangen von Botschaften. Die Fragen, die dazu gehören sind:

Welche Bedeutung hat das Gesagte?

Wir wird es übermittelt?

Wie wird es aufgenommen?

Wie fühlt sich der Sender hinterher?

Wie fühlt sich der Empfänger hinterher?

Wir wird es aufgenommen, sowohl auf Sender- als auch auf Empfängerseite?

Welche neuen Erkenntnisse werden erzielt?

Hier schliesst sich nun der Kreis zum Artikel von letzter Woche. Die ersten vier Kommunikationsarten (oben), sind oft bei Menschen anzutreffen, die nicht viel von sich halten, die mit ihrem Selbstwertgefühl hadern und wenig Selbstbewusstsein haben. Den wenigsten ist dies bewusst. Du kannst erkennen, dass beim Beschwichtigen, Anklagen, Rationalisieren und Ablenken die persönliche Macht aus der Hand gegeben wird.

Lebt man seine fünf Freiheiten , stellt sich Authentizität und kongruentes Verhalten von alleine ein. Und, ich verspreche dir, dein glücklich sein macht einen Quantensprung nach oben. Das ist deine Freiheit und liegt in deiner Macht. Das ist deine Macht. Die kann dir niemand wegnehmen.

[1] Ob es Sinn macht, sich ärgerlich zu fühlen, sei in diesem Beispiel dahingestellt und ist ein anderes Thema. Weisst du doch, das der Einzige, der dich ärgerlich fühlen machen kann, du selbst bist.

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