Es war einmal ein Grossvater…

Bild: Mark Skeet – unsplash

Es war einmal ein Grossvater, in dem Fall meiner, der versuchte mir übers Wochenende, Zeit beizubringen, im Besonderen, wie spät es ist. Er hatte dafür eine Uhr auf einen etwas stärkeren Karton aufgezeichnet und zwei rote Zeiger montiert. Die Zeiger waren mit einem Reissnagel in einem auf der Rückseite des Kartons befindlichen Korken fixiert und man konnte sie auf der Vorderseite drehen.

Relativ schnell hatte ich die zwölf Zahlen im Kopf und konnte ihm zu seiner Genugtuung sagen, wie spät es auf seiner selbstgebauten Uhr war, nachdem er den kleinen Zeiger auf eine Zahl gestellt hatte. Ich glaube, ich lernte damals die Zahlen von eins bis zwölf, doch nicht, wie spät es war. Begriff aber doch, dass das eine Uhr war und wusste schon, dass Zeit manchmal schnell und manchmal langsam vergeht. „Wann gibt es Abendessen?“ „In einer Stunde.“–„Ach was für eine Ewigkeit, ich habe jetzt Hunger!“ oder „Darf ich nach draussen zu meinen Freunden?“, „Ja, aber in einer Stunde ist es Zeit fürs Bett“ „Ach, nur eine Stunde?“

Monate später lernte ich das Konzept Uhrlaub kennen und fragte, ob denn das Wort Uhrlaub wohl daher komme, dass man im Uhrlaub mehr Zeit hat, sich weniger Gedanken macht und die Uhr so sieht, wie das Laub im Wald; wie es im Herbst nach dem Urlaub einfach als Blatt, Sekunde für Sekunde, vom Baum fällt und zu Laub wird. Später lernte ich dann, dass man Urlaub ohne „h“ schreibt.

Aber was macht man denn so im Urlaub?

Menschen auf der ganzen Welt ziehen Kraft und neue Energie aus den Ferien, endlich mal wieder Luftveränderung und Erholung – das süsse Nichtstun – la dolce Vita. Vielleicht Neues erkunden, den Horizont erweitern, die Beziehung kitten oder einfach die Seele baumeln lassen…

Urlaub, ein Heilmittel für das bessere Umgehen mit sich und anderen, mehr Sex, mehr Zeit zum Nachdenken, Stimmungsverbesserung (zumindest nach dem Verlassen des Flughafens), die Ruhe und Stille zelebrieren, kreativer werden, weniger Einsamkeit empfinden, Neues lernen und entdecken und die Batterien aufladen.

Im Urlaub hat man mehr Zeit für sich

Also im berühmten „Hier und Jetzt“ leben? Ja, aber wie?

Das Problem des „Jetzt“, so erklärte einst Albert Einstein, beunruhige ihn zutiefst. Denn ganz offensichtlich bedeute das Erlebnis dieses Augenblicks etwas Besonderes für den Menschen, etwas grundlegend anderes als die Vergangenheit oder die Zukunft – und doch, entzieht sich eben dieser Unterschied den Gesetzen der Physik. „Es existiert etwas Wesentliches im Jetzt“ sagte der Physiker, „das ausserhalb der Reichweite der Wissenschaft liegt.“ Für die spirituelle Betrachtungsweise spricht Thich Nhat Hanh:

Im gegenwärtigen Augenblick sind alle Augenblicke enthalten.

Doch was genau bedeutet das eigentlich – gegenwärtig Sein? Die Frage lässt sich vielleicht am einfachsten beantworten, indem wir uns vor Augen führen, was alles eben nicht in der Gegenwart geschieht, nicht jetzt ist. Denn das ist so ziemlich alles, von dem wir eigentlich annehmen, es sei im Jetzt. Unsere Sinneseindrücke etwa erreichen unser Hirn grundsätzlich mit einer zeitlichen Verzögerung. Alles was wir empfinden, schmecken, riechen oder sehen ist bereits vergangen.

Das Jetzt ist also nicht etwa erfahrbar im momentan erlebten Augenblick – sondern in einem Geisteszustand, in den wir bewusst eintreten, weil er eben jenseits der messbaren Zeit liegt.

Nun, ich frage mich, was soll ich damit anfangen? Vielleicht eröffnen diese Gedanken, auf die eine oder andere Weise, eine Türe, hinter der sich die Motivation versteckt, sich mit sich selbst und seinem Geist etwas häufiger auseinanderzusetzen?

Zum Beispiel: Wenn um mich herum alles rennt, halte ich inne und stelle oft fest: Es ist nicht die Welt, die rast, es ist mein Geist. Es sind unsere pausenlos kreisenden und oft wiederkehrenden Gedanken. Und was hilft dagegen?

Glaube nicht alles, was du denkst

Wir sind nicht unsere Gedanken. Sie kommen und gehen und wir haben zwischen 40 und 60 Tausend Gedanken jeden Tag. Da kann man die unangenehmen Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen. Der nächste kommt bestimmt, ausser wir manifestieren den schlechten Gedanken, indem wir ihn wie ein Wiederkäuer immer und immer wieder aufnehmen, ihn im Geist verfolgen, wie ein Karussell kreisen lassen. Damit behalten wir das unangenehme Gefühl meisterhaft am Leben.

Wir sind der Himmel – nicht die Wolken

Es liegt an uns, was wir mit den Gedanken machen. Nachdem sich unsere Realität jeweils nur im eigenen Geist abspielt, können wir, wenn wir wollen, uns mit dem auseinandersetzen, wie wir diese Gedanken beobachten. Dies kann man lernen. Wenn man seine Gedanken, wie von aussen beobachten kann, dann kann man zwischen dem Reiz des Gedankens und der Reaktion einen zeitlichen Zwischenraum einbauen. Ich nenne dies, sich seiner selbst und seiner Gedanken gewahr sein.

Regelmässig diese Lücke, diesen Zwischenraum, bewusst nutzen, führt meines Erachtens zu mehr im paradoxen Hier und Jetzt zu sein. Damit würde das Gefühl der Dringlichkeit, das unserem Tun und Trachten so oft anhaftet, uns ruhelos macht, vergehen. Wir wären nicht mehr Sklaven des Drangs, unbedingt jetzt sofort handeln zu müssen. Wir könnten die Lücke nutzen, zu mehr Ruhe zu kommen und uns die Zeit nehmen, nachzudenken.

Belasten wir unser Hirn mit Mathematik, dann werden wir besser in Mathematik. Fragen wir unser Hirn um mehr Sorgen, so machen wir uns mehr Sorgen. Konzentrieren wir uns mehr, werden wir besser im Konzentrieren, genauso wie die Muskeln beim Sport, ändert sich das Gehirn in Abhängigkeit mit der Erfahrung, die wir ihm anbieten. Es geht noch weiter, Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich tatsächlich die Hirnmasse verändert (Neuroplastizität), wenn man sie trainiert.

Wie trainieren wir unser Fähigkeit, den Zwischenraum zwischen unseren Gedanken zu geniessen und in unser tägliches Schaffen zu integrieren? Es gibt eine einfache Methode: Lernen Sie zu meditieren – geradezu ideal dies während des Urlaubs zu pflegen.

Den „Fokus-Muskel“ trainieren

Goleman sagt, das Hirn kann man trainieren, aber wie? Er bietet vier wissenschaftliche geprüfte Konzepte an, im Original erarbeitet bei Professor Wendy Hasenkamp, um den „Fokus-Muskel“ zu fördern:

  1. Sich auf seinen Atem konzentrieren;
  2. Erkennen, das die Gedanken abschweifen;
  3. Den aktuellen (störenden) Gedanken loslassen;
  4. Sich wieder auf den Atem konzentrieren und dort bleiben.

Dieser vierstufige Prozess ist, wie in der Gym, eine Repetition (Rep). Jedes Mal wenn man realisiert, dass man den Fokus verloren hat, praktiziert man diese Rep. Goleman erklärt, dass diese einfache, aber herausfordernde Übung die Hirnverbindungen (Netzwerk) stärkt (Gehirnplastizität). Er schlägt vor, diese Rep im Laufe der Zeit auszudehnen und sich vielleicht gar zehn Minuten (Aus-)Zeit zu gönnen. Man kann Aufmerksamkeit und Fokus trainieren und das führt zu weniger Stress, besserem emotionalen Haushalt und beides führt zu mehr Konzentration.

Meditation

Im Prinzip nichts anderes. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen, die nie vorher bewusst meditiert haben und sogar sehr skeptisch waren und eine einfache Meditationsübung (siehe unten) gelernt haben, schon nach nur insgesamt drei Stunden Praxis (täglich mit 5 Minuten beginnend), mehr Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle hatten. Studien zeigen nachweislich, dass regelmässiges Meditieren den anscheinend unendlichen Gedankenfluss (Geist-Wandern oder internen Dialog) im Hirn reduziert und die Fähigkeit, Konzentration über längere Zeiträume beizubehalten, signifikant erhöht. 23 verschiedene Meditationsstudien ergaben, dass Menschen, die für ein paar Monate Meditation praktizierten, ihre Fertigkeit, mit Umweltreizen umzugehen, was für die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit entscheidend ist, erheblich verbessert haben. 30 Studien über Achtsamkeits-Meditation zeigten, dass mit nur acht Wochen Praxis, Veränderungen in der Hirnplastizität nachgewiesen werden. Also keine Notwendigkeit, jetzt zwei Jahre nach Indien auszuwandern, um Meditation zu lernen. Hier finden Sie eine Video-Anleitung (Englisch) oder eine Anleitung zum Selbststudium.

Es gibt, ausser Faulheit, fehlender Disziplin, den üblichen Entschuldigungen und anderen Ausreden, zumindest in meiner Welt, keinen Grund nicht zu meditieren. Jene, die von sich behaupteten, sie könnten nicht meditieren, haben alle innerhalb von 5 Minuten die Grundprinzipien einer einfachen Achtsamkeits-Meditation gelernt. Glauben Sie mir, regelmässig meditieren wird Ihr Leben reichhaltiger, und wie in den Studien nachgewiesen, gesünder machen.

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