Mach mal Pause!

Täglich treffen wir circa 35.000 Entscheidungen von „was ziehe ich heute an?“ bis zu „welcher Drink passt zum Abendessen?“. Adam Brumberg meint, dass wir im Durchschnitt alleine 200mal, wenn auch teilweise unbewusst, Entscheidungen über unsere Nahrung treffen – und jede Entscheidung, die wir treffen, kostet uns Energie und die ist limitiert. Sind wir erschöpft oder ausgelaugt, dann kann es passieren, dass wir im Entscheidungsprozess nicht fundierte Urteile treffen, den Impuls-Kauf tätigen, die Gym ausfallen lassen oder bei selbst nur kleinem Ärger überreagieren.

Daniel Kahneman berichtet in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ über hungrige Richter: Am Morgen wurden positive Entscheidungen getroffen und im Laufe des Tages tendierten die Entscheidungen zum Negativen. Warum? Wenn die Stunden wegticken, dann werden die Richter entscheidungsmüde und brauchen eine Erholungspause. Nach der Mittagspause wurden wieder wohlwollende Entscheidungen getroffen, mit erneut negativeren Entscheidungen gegen den Abend. Wenn erschöpft, dann greifen wir auf Standardentscheidungen ohne gross zu reflektieren zurück. Die Kunst, bessere Entscheidungen zu treffen, liegt darin, die internen Ressourcen besser zu nutzen und die eigenen Grenzen zu erkennen. In Kurzform:

„Mach mal Pause!“

Sehr oft fällt es uns schwer, unsere eigenen Grenzen zu akzeptieren. Wir rödeln weiter, sind beschäftigt und verweigern uns dem Bedürfnis für die notwendige Erholung. Die Ursache ist, dass, wenn ausgelaugt, unsere Fähigkeit, uns kritisch zu beobachten, bereits in den Brunnen gefallen ist. Wir tendieren also zum Nichterkennen der Notwendigkeit einer Pause.

Psychologie hin oder her – ein paar nennenswerte Tricks gibt es da. Wie können wir prüfen, ob wir vielleicht gefährdet sind, im Moment nur auf drei Zylindern oder mit angezogener Handbremse zu fahren? Übliche Verdächtige, die uns strapazieren sind: Hunger, Ärger, Einsamkeit und Müdigkeit.

Ich empfehle, sich regelmässig zu fragen „bin ich hungrig, ärgerlich, einsam oder müde?“ Dieses kurze Reflektieren ist an sich schon eine kleine Pause und adressiert unsere biologischen Bedürfnisse. Trifft eines der Empfindungen zu, dann ist es wahrscheinlicher, dass wir schwarzsehen, dass wir leichter gestresst sind und damit ungerechtfertigte oder sogar fatal falsche Entscheidungen treffen. Die folgende kleine Checkliste ermöglicht, die eigenen Reaktionen besser zu kontrollieren, sowohl im beruflichen wie im privaten Umfeld.

Wenn wir hungrig sind:

Studien zeigen, niedriger Blutzucker kann uns ängstlicher und unruhig fühlen lassen. Wenn wir hungrig sind, gilt es über die Rechtfertigungs-E-Mail an den Boss zu sinnieren, bevor man auf die Sendetaste drückt – oder es ist Zeit für einen Snack.

Wenn wir ärgerlich sind:

Obwohl Ärger alles andere als angenehm ist, ist er eine normale menschliche Empfindung und will kreativ verarbeitet werden. Obwohl Ärger immer hausgemacht ist, lässt er uns manchmal Dinge tun, die unser präfrontaler Kortex im Normalzustand als inadäquat definieren würde. Die Forschung zeigt, dass dem Ärger Luft machen mehr Nach- als Vorteile bringt. Also denken Sie zweimal nach, bevor Sie die Türe knallen, um den Partner klar zu machen, dass Ihnen das jetzt wirklich nicht passt. Meditieren, Journal schreiben oder tief durchatmen, heitere Gelassenheit im Sinne von „in 17 Jahren habe ich das sowieso vergessen“ hilft, dem präfrontalen Kortex wieder das Ruder in die Hand zu geben.

Wenn wir einsam sind:

Abgelehnt, missverstanden oder sich einsam fühlen gibt keine gute Stimmung – führt gerne zu selbstauferlegten Isolation und man zieht sich zurück. Wir benötigen jedoch ein soziales Umfeld, um zu überleben, selbst wenn wir schüchtern und introvertiert sind. Wenn Sie fühlen, dass Sie kurz vor einer emotionalen oder impulsiven Entscheidung stehen, kann es sein, dass Einsamkeit – eher als Logik – Ihr Denken treibt. Rufen Sie einen Freund an oder gehen Sie mit dem Arbeitskollegen einen Kaffee trinken, bevor Sie entscheiden. Bringt wahrscheinlich mehr, wenn die emotionalen Reserven wieder aufgeladen sind.

Wenn wir müde sind:

Es ist üblich, beschäftigt zu sein und keine Zeit zu haben als ein Zeichen der Ehre anzusehen und damit den anderen klar zu machen, wie wichtig man ist – obwohl sich auf dem Sterbebett meines Wissens, noch keiner beschwert hat, dass er in seinem Leben zu wenig gearbeitet hat. „Slow down to speed up“ erhöht die Produktivität und lässt uns bessere Entscheidungen treffen. Pausen sind wichtig, um sich zu erholen und leistungsfähig zu bleiben. Wenn die Technologie Ihr Wohlbefinden beeinflusst, wie wäre es mit einer E-Mail- oder Telefon-Fasten-Kur?

Es hilft, die kleine Checkliste („bin ich hungrig, verärgert, einsam oder müde?“) als Gewohnheit, als Routine in den Tag einzubauen. Vielleicht sogar zu jeder vollen Stunde, denn wenn nicht Routine geworden, dann vergessen wir gerade dann über uns zu reflektieren, wenn wir es am dringendsten benötigen. Das nächste Mal, wenn Sie sich überwältigt, gestresst und uneins mit sich fühlen, fragen Sie sich: „Bin ich hungrig, ärgerlich, allein oder müde?“ – und machen eine Pause.

 

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Über Gewohnheiten und Denkmuster reflektieren…

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