Mein Lieblingsbuch

Bild: Jean/Pol GRANDMONT

Ich sage nicht, dass du Lesen musst um deine Seele in der modernen Welt zu retten. Ich sage, es hilft.

Walter Mosley

Buchläden zogen mich schon immer an. Wer den Buchladen „Waterstones“ in London, Piccadilly kennt (grösster europäischer Buchladen), weiss, wovon ich spreche: Auf acht Stockwerken findest du 13 km Bücherregale, vollbepackt mit Büchern aus aller Welt und zu allen Themenbereichen – und der Kaffee in der Cafeteria ist fein.

Ich kann mich nicht erinnern, auch nur einmal mit leeren Händen Waterstones verlassen zu haben. Ich war oft dort, denn mein Büro war damals nur dreihundert Meter entfernt vom Buchladen, direkt am Piccadilly Circus.

Und heute wertschätze ich Amazon und Konsorten und bin ein E-Book Fan. Buch gefunden und mit einem Klick kann ich anfangen zu lesen.

Mehrmals wurde ich schon gefragt, doch endlich mal eine Liste der, meiner Meinung nach, lesenswerten Bücher zu veröffentlichen. Das erscheint mir unmöglich – welche Kriterien sollte ich denn anwenden?

Warum lese ich? Ist es der Spass? Nein, ich glaube, der wahre Grund meiner Lesensfreude liegt in meiner Sehnsucht, etwas zu finden, etwas das ich immer wieder finde in den Büchern: einen Weg zum Leben. Dazu passt ein lateinischer Spruch: liber medicina animi (ein Buch ist Medizin für die Seele).

Es gibt das eine oder andere Buch, das mein Leben beeinflusst hat. Aber eines ist definitiv mein Lieblingsbuch. Und sicher, mehr als hundertmal habe ich es in den letzten zehn Jahren zu Rate gezogen. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, als es mir vor vielleicht zwanzig Jahren das erste Mal in die Hände fiel.

Ich lese wirklich sehr gerne. Ich mache mir Notizen oder schreibe meine eigenen Zusammenfassungen. Ich lerne: Wie leben? Wie lernen? Wie glücklich sein? Wie versteht man die Vergangenheit? Wie bereitet man sich auf die Zukunft vor? Was heisst Erfolg? Wie arbeitet man an seinen Beziehungen? Wie wird man ein guter Mensch?

Antworten auf all diese Fragen findest du in einem einzigen Buch – es ist in zwölf Bücher unterteilt – und doch, es sind nur etwa 200 Seiten. Geschrieben hat es Marcus Antonius (der alte römische Kaiser in Gladiator). Marcus Antonius (aka Marcus Aurelius, Marc Aurel) war stets ein Mann des Wortes und der Tat. Einer seiner Leitsätze lautet:

Es kommt nicht darauf an, über die notwendigen Eigenschaften eines guten Mannes dich zu besprechen – vielmehr ein solcher zu sein.

Vor fast zweitausend Jahren verfasste Marcus Aurelius in seiner letzten Dekade die Selbstbetrachtungen. Und, wie du feststellen kannst, sind sie immer noch up-to-date. Stoisch wie ich manchmal denken kann, glaube ich kaum, dass jemand meine Blogbeiträge in zweitausend Jahren lesen wird. Deshalb erspare ich mir weitere Kommentare und biete dir einige der Passagen an, die es mir besonders angetan haben. Dann kannst du deine Schlüsse für dich selbst ziehen. (Alle: Antonius, Marcus Aurelius. Selbstbetrachtungen)

Buch 2.7

Warum dich durch die Außendinge zerstreuen? Nimm dir Zeit, etwas Gutes zu lernen und höre auf, dich wie im Wirbelwind umhertreiben zu lassen. Hüte dich noch vor einer andern Verirrung, denn es ist auch Torheit, sich das Leben durch zwecklose Handlungen schwer zu machen;[Fußnote: Marc Aurel sagt, daß die Seele des Menschen sich mit Schmach bedeckt (6), wenn sie bei ihrer Handlung kein Ziel verfolgt, sondern ihr Tun dem Zufall überläßt.] man muß ein Ziel haben, auf das sich alle unsere Wünsche, alle unsere Gedanken richten.

Buch 2.8

Es ist noch nie jemand unglücklich geworden, weil er sich nicht um das, was in der Seele eines andern vorgeht, gekümmert hat; aber diejenigen, die nicht mit Aufmerksamkeit den Bewegungen ihrer eigenen Seele folgen, geraten notwendig ins Unglück.[Fußnote: Wer sich immer nur um andere kümmert und nicht um sich, lernt nie sich selbst erkennen.]

Buch 3.5

Tue nichts mit Unwillen, nichts ohne Rücksicht aufs Gemeinwohl, nichts übereilt, nichts in Zerstreuung. Kleide deine Gedanken nicht in zierliche Worte, sei nicht weitschweifig in deinen Reden, noch tue vielgeschäftig. Vielmehr sei der Gott in dir der Führer eines gesetzten, erfahrenen, staatsklugen Mannes, eines Römers, eines Kaisers, eines Soldaten auf seinem Posten, der das Signal erwartet, eines Menschen, bereit, ohne Bedauern das Leben zu verlassen, und dessen Wort weder eines Eidschwurs noch der Zeugenschaft anderer bedarf. Dann findet man die Heiterkeit der Seele, wenn man sich gewöhnt, der Hilfe von außen her zu entbehren und zu unserer Ruhe anderer Leute nicht zu bedürfen. Man soll aufrecht stehen, ohne aufrecht gehalten zu werden.

Buch 4.51

Geh immer den kürzesten Weg. Der kürzeste Weg ist der naturgemäße, das heißt in allen Reden und Handlungen der gesunden Vernunft folgen. Ein solcher Entschluß befreit dich von tausend Kümmernissen und Kämpfen, von jeder Verstellung und Eitelkeit.

Buch 5.16

Nach der Beschaffenheit der Gegenstände, die du dir am häufigsten vorstellst, wird sich auch deine Gesinnung richten; denn von den Gedanken nimmt die Seele ihre Farbe an. Gib ihr also die Färbung durch eine Reihe von Vorstellungen der Art wie: Wo man leben muß, da kann man auch glücklich leben; am Hof aber mußt du leben, mithin kannst du auch am Hof glücklich leben. Ferner: der Grund, warum jedes Ding gebildet ward, ist auch der Zweck, wozu es gebildet ward, und darauf wird es hingetrieben; in dem aber, worauf es hingetrieben wird, liegt auch sein höchstes Ziel. Wo aber das höchste Ziel ist, da ist auch das Wohl und das Gut eines jeglichen. Das Wohl eines vernünftigen Wesens liegt in der menschlichen Gesellschaft. Denn daß wir zur Geselligkeit geboren sind, ist längst schon erwiesen. Oder liegt es nicht auf der Hand, daß die niederen Wesen um der höheren, die höheren aber eines um des anderen willen da sind? Die lebendigen Geschöpfe stehen höher als die leblosen, und unter den beseelten stehen die vernünftigen oben an.

Buch 6.19

Denke nicht, wenn etwas dir schwer ankommt, daß es nicht menschenmöglich sei. Vielmehr, wenn etwas für einen Menschen möglich und seiner Natur angemessen ist, so glaube, es sei auch für dich erreichbar.

Buch 6.31

Wache auf und komm wieder zu dir selbst! Und wie du beim Wiedererwachen erkannt hast, daß es nur Träume waren, die dich beunruhigten, so sieh auch im wachenden Zustande die Unannehmlichkeiten als Träume an.

Buch 6.53

Gewöhne dich auf die Rede eines andern genau zu achten und versetze dich so viel möglich in die Seele des Redenden.

Buch 6.59

Wer sind die, denen man gefallen möchte, und um welcher Vorteile willen und durch welcherlei Mittel? Wie schnell wird die Zeit alles verschlingen, und wie vieles hat sie bereits verschlungen!

Buch 7.38

Der Außenwelt zu zürnen, wäre töricht; sie kümmert sich nicht darum. [Fußnote: Aus Platos Republik (VI, 2).]

Buch 7.61

Die Lebenskunst hat mit der Fechtkunst mehr Ähnlichkeit als mit der Tanzkunst, insofern man auch auf unvorhergesehene Streiche gerüstet sein und unerschütterlich fest stehen muß.

Buch 8.16

Bedenke, daß du nicht gegen deine Freiheit handelst, wenn du deine Meinung änderst und dem, der sie berichtigt, nachgibst. Denn auch dann vollzieht sich deine Tätigkeit nach deinem Willen und Urteil und sogar auch nach deinem Sinn.

Buch 8.33

Ohne Anmaßung nimm an, ohne Bedauern gib hin!

Buch 9.13

Heute bin ich allen Hindernissen entgangen, oder richtiger gesprochen, habe ich alle Bedrängnisse zurückgewiesen; denn sie lagen ja nicht außer mir, sondern in mir, in meinen Vorurteilen.

Buch 10.12

Wozu die Besorglichkeit? Steht es ja bei dir zu untersuchen, was im Augenblick zu tun ist, und wenn du das einsiehst, wohlwollend und festen Schrittes diesen Weg zu wandeln; fehlt dir aber diese Einsicht, alsdann stehen zu bleiben und bei den Besten dir Rats zu erholen; sollten sich aber auch noch andere Schwierigkeiten dagegen erheben, den vorhandenen Mitteln gemäß mit Überlegung und fester Anhänglichkeit an das, was dir als Recht erscheint, vorwärts zu gehen. Dies ist das beste, was du tun kannst, während es zu verfehlen bedauerlich ist. Ruhig und doch zugleich leicht beweglich, heiter und doch zugleich gesetzt – so ist der Mann, der in allem der Vernunft folgt.

Buch 11.29

Du kannst nicht im Schreiben und Lesen unterrichten, wenn du es nicht selber kannst; viel weniger lehren, wie man recht leben soll, wenn du es selbst nicht tust.

Buch 12.22

Alles ist Meinung, und diese hängt ganz von dir ab. Räume also, wenn du willst, die Meinung aus dem Wege, und gleich dem Seefahrer, der eine Klippe umschifft hat, wirst du unter Windstille auf ruhiger See in den sicheren Hafen einfahren.

Appetit bekommen? Mehr über Marcus Aurelius und Stoizismus erfahren – dann findest du hier einen 7-tägigen kostenfreien E-Mail Kurs über Stoizismus (nur in Englisch).

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