Null-Drama-Leben

Null-Drama-Leben

Wenn ein Mann im Nebel einen Fluss überquert und ein leeres Boot mit seinem Kahn kollidiert, wird er nicht sehr ärgerlich werden, selbst wenn er ein Mann von aufbrausendem Temperament wäre. Sieht er jedoch einen Menschen in dem Boot, wird er ihm zurufen, den Weg freizumachen. Und wenn sein Ruf nicht gehört wird, wird er lauter schreien und anfangen zu fluchen – und all das geschieht nur, weil sich dort jemand im Boot befindet. Aber wäre das Boot leer, würde er nicht schreien und er wäre nicht zornig.[1]

Wir verhalten uns anders, wenn wir glauben, dass jemand das Boot steuert. Wir können diese dumme, rücksichtlose Person für unser Missgeschick verantwortlich machen. Dieses Tadeln des anderen erlaubt uns, ärgerlich zu werden, um uns zu schlagen, Verantwortung zu delegieren – kurzum, erlaubt uns, das Opfer zu sein.

Die Moral: Es ist niemals jemand im anderen Boot. Wir brüllen ein leeres Boot an. Ein leeres Boot zielt nicht auf uns, genauso wenig wie all jene, die sogenannt unseren Tag versauen.

Der Kollege, der mich immer wieder im Meeting unterbricht? Er denkt, er ist klüger als alle anderen, nicht nur als ich. Leeres Boot.

Der aggressive Autofahrer, der mir die Vorfahrt auf dem Weg zur Arbeit genommen hat? Er macht das jeden Tag, auch auf anderen Strassen. Er ist rücksichtslos. Inhaltsloses Auto.

Die Dame im Gourmetladen, die die Anchovies für die heutige Dinnerparty vergessen hat einzupacken, sodass ich noch mal zum Laden fahren muss, um mir zu holen, für was ich bezahlt habe? Den ganzen Tag packt sie Sachen ein. Eine 50 Gramm Dose kann übersehen werden. Sie hat es nicht absichtlich getan und nicht persönlich gemeint. Ein weiteres triviales Boot.

Null-Drama-Leben in 4 Akten. Dramen füllen die Bücherregale und manche werden von Schauspielern aufgeführt. Die Schauspieler folgen den Anweisungen des Regisseurs, während sie auf der Bühne sind, bis alles stimmt. Im richtigen Leben werden die Szenen jedoch nicht x-mal wiederholt, bis sie perfekt sind, und ja, es gibt auch keine Generalprobe – unsere persönliche Kamera läuft unentwegt. Wiederholungen sind unmöglich – im unserem Leben sind wir Schauspieler und Regisseur zugleich – selbst das Drehbuch liegt in unserer Verantwortung.

Was gilt es zu tun um die Dramen, die Geschäftigkeit und Frustrationen jeden Tag zu eliminieren, damit ich nicht nur ein klares Leben, sondern ein erfülltes, vor allem meinen Ansprüchen gerechtes Leben geniessen kann und meinen Rollen Genüge tue?

Ich denke, wir haben die Wahl, ob wir leere Boote attackieren.

Prolog:

Jeden Tag, wenn wir hinaus in die Arbeitswelt gehen, können wir dies entweder
als Opfer oder als Ikone tun, nicht aber als beide zusammen.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Drama, besonders das Übermässig-geschäftig-sein und das Keine-Zeit-für-sich-haben in der Tat Adrenalin produziert und uns Stress bereitet. Im Laufe der Zeit glauben wir, das sei normal. Wir kennen diese Menschen: busy, busy und hyperaktiv, während des Autofahrens das wichtige Telefonat führen oder gar die SMS schreiben. Aktivitäten geben ihnen das Gefühl, wichtig zu sein. Das ist eine Gewohnheit und macht süchtig. Wir sehen, wie sie leben und arbeiten: Sie sind mürrisch, sie nörgeln und beschweren sich, rechtfertigen sich und haben Entschuldigungen für alles parat, sind sehr reaktiv, oft frustriert oder ärgerlich und zynisch. Sie sind Opfer, leben ein Leben, indem ihrer Meinung nach immer etwas verkehrt, negativ oder frustrierend ist und sie hören nicht zu oder verstehen nicht, wenn wir sie darauf ansprechen. Es ist ihnen nicht bewusst. Oftmals braucht es einen Wake-Up-Call um sich Zeit zu nehmen, um über sich zu reflektieren.

Akt 1: Bestandsaufnahme

Welches sind die Situationen in meinem Leben, die Menschen in meinem Leben, die meine Energie regelrecht vernichten, die meine Kreativität, Produktivität, meinen Mut und meine Energie stehlen? Sich dessen bewusst werden, ist der erste Schritt von dreien zur Veränderung: Mit mehr Achtsamkeit sieht man bessere Optionen. Mit mehr Optionen werden bessere Entscheidungen getroffen. Bessere Entscheidungen führen zu besseren Ergebnissen. Menschen in der Opferrolle haben nicht die Achtsamkeit zu erkennen, dass sie sich selbst im Weg stehen, sie sind sich selbst der grösste Feind. Es sind immer die Umstände, die Vergangenheit oder einfach Pech – aber wir sind der Regisseur und Hauptdarsteller und können unser Null-Drama-Leben in die eigenen Hände nehmen. Ich sitze in meinem Boot, .

Akt 2: Umfeld

Arbeits- und Lebensraum will mit Bedacht ausgewählt und angepasst werden. Helle, freundliche Räume, in ruhigem Umfeld, lassen die Kreativität und Energie besser fliessen. Unsere Umwelt beeinflusst unsere Stimmung, unsere Gedanken, unsere Produktivität und unser Wohlbefinden. Es bietet sich an, auch hier mehr Achtsamkeit zu entwickeln. Negative Einflüsse, so weit als möglich entfernen – man will sich doch zu Hause und am Arbeitsplatz zumindest so wohl fühlen wie in der Lieblingskneipe. Die für sich definierte Stille, den für sich sicheren Hafen etablieren und mein Boot geniessen, greinen bringt mich nicht weiter.

Akt 3: Menschen

Die Menschen um uns herum beeinflussen uns, ob wir wollen oder nicht. Unser Unterbewusstsein nimmt Dinge auf, lässt die Neuronen in unserem Hirn feuern, addiert den Hormon-Cocktail nach eigenem Gutdünken, meist ohne unser Zutun. Unbewusst nehmen wir die Emotionen der uns umgebenden Menschen (Spiegelneuronen) auf. Negativität um uns herum lässt in uns unbewusst mit der Zeit eine negative Mentalität entstehen. Im Englischen schön mit dem Begriff der „peer group“ (Referenzgruppe) definiert. Sind Sie der Klügste in der Gruppe, der Erfolgreichste in der Strasse, ist es vielleicht an der Zeit, entweder kritisch zu prüfen, warum Sie das denken, weil es meist nicht stimmt – oder sich nach anderen Gruppen oder einem anderen Umfeld umzusehen. Wenn der Wind der Veränderung weht, suchen manche im Hafen Schutz, während andere die Segel setzen.

Akt 4: Aktivitäten

Für was gibt es Nachrichten? Nicht wirklich, um uns über die Realität zu informieren, sondern mehr, um uns zu hypnotisieren und noch mehr in Versuchung zu führen, indem sie uns das Schlimmste an menschlichem Verhalten, die Kriege, Disaster, Verbrechen und die Dramen auftischen. Das produziert Kortisol (Stresshormon) und kann sich unbewusst zu Angstgefühlen entwickeln und kostet Energie, die wir so gut gebrauchen könnten, um unser Leben zu geniessen. Im 4. Akt geht es darum, die toxischen Einflüsse gehen zu lassen. Das können die Nachrichten (News Diät?) sein, über andere tratschen oder Klatsch verteilen, Arbeiten verrichten, die gut aussehen aber nichts bringen, Berieselungs-TV schauen, Facebook und Twitter mehrmals pro Stunde zu checken oder sich auf YouTube zu verlieren. Es gibt manches und ich weiss nur, dass Macher im Gegensatz zu Opfern genauso einen Film geniessen können, aber auch wissen, dass ihre Kreativität und ihr Sich-wohlfühlen eben eher erreicht wird, wenn man sich Aufgaben vornimmt, die Zweck haben, meistens Aufwand bedeuten und etwas beitragen. Lieber Aktion planen, nämlich, sich mit sich selbst auseinandersetzen, anstatt in Aktivitäten der Aktivität willens zu ertrinken. Unser Hirn ist für Fortschritt, für Weiterentwickeln konstruiert.

Fragen Sie sich am Abend, ob Sie heute Ihr Bestes gegeben haben, um ein Null-Drama-Leben gelebt zu haben. Wer weiss, vielleicht flattert als Belohnung für Ihren Lebens-Film morgen eine Oscar Nominierung ins Haus, wie zum Beispiel die sechs Oscar Nominierungen für den Film „Das Boot“ im Jahr 1981.

[1] (Freie Übersetzung einer Parabel von Chuang Tsu)

 

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