Achtsamkeit | Reflexion

Was hält dich in deinem Misthaufen gefangen?

Ich liebe die buddhistischen Geschichten, denn sie enthalten immer eine Wahrheit, auf die ich mich beziehen kann. Kürzlich fand ich die wunderbare kleine Geschichte über zwei Mönche, die viele Jahre lang zusammen in einem Kloster lebten; sie waren gute Freunde. Sie starben innerhalb weniger Monate voneinander. Einer von ihnen wurde in den himmlischen Gefilden wiedergeboren und der andere Mönch wurde als Wurm in einem Misthaufen wiedergeboren.

Derjenige, der in den himmlischen Gefilden war, hatte eine wunderbare Zeit und genoss alle himmlischen Vergnügungen. Und er begann, an seinen Freund zu denken: “Ich frage mich, wo mein alter Kumpel geblieben ist?” Also suchte er alle Himmelsbereiche ab, konnte aber keine Spur von seinem Freund finden. Dann suchte er das Reich der Menschen ab, konnte aber auch dort keine Spur seines Freundes finden; also suchte er im Reich der Tiere und dann im Reich der Insekten. Schließlich fand er ihn, wiedergeboren als Wurm in einem Misthaufen… Wow!

Er dachte: “Ich werde meinem Freund helfen. Ich werde zu diesem Misthaufen hinuntergehen und ihn in das himmlische Reich bringen, damit auch er die himmlischen Freuden und die Glückseligkeit des Lebens in diesen wunderbaren Bereichen genießen kann.”

So ging er hinunter zum Misthaufen und rief seinen Gefährten. Und der kleine Wurm schlängelte sich heraus und sagte: “Wer bist du?” “Ich bin dein Freund. Wir waren in einem früheren Leben zusammen Mönche, und ich bin heruntergekommen, um dich in die himmlischen Gefilde zu bringen, wo das Leben wunderbar und glückselig ist.”

Aber der Wurm sagte: “Geh weg, hau ab!” “Aber ich bin dein Freund, und ich lebe in den Himmelreichen”, und er beschrieb dem Wurm die Himmelreiche. Aber der Wurm sagte: “Nein danke, ich bin hier in meinem Misthaufen ganz glücklich. Bitte geh weg.” Da dachte das himmlische Wesen: “Nun, wenn ich ihn ergreifen und in die himmlischen Gefilde mitnehmen könnte, dann könnte er sich selbst davon überzeugen.” Also packte er den Wurm und begann, an ihm zu zerren; und je stärker er zerrte, desto fester klammerte sich der Wurm an seinen Misthaufen.

Diese Geschichte erinnerte mich sehr eindringlich daran, dass wir alle ein Opfer der Bequemlichkeit in unserem eigenen “Misthaufen” werden können. Und wir sind nicht nur bequem, wir widerstehen gerne der Vorstellung, dass wir glücklicher sein könnten, wenn wir den Haufen verlassen würden. Der Wurm glaubte tatsächlich, dass er in seinem Misthaufen glücklich war. Bei den Menschen kann der Misthaufen Teil eines unserer Glaubensätze darstellen.

Forschungen haben gezeigt, dass 90 Prozent des eigenen Glaubenssystems bis zum Alter von 12 Jahren geformt werden und dass es im Alter von circa 20 Jahren einen “endgültigen Abschluss” erfährt.

Ich könnte mir vorstellen, dass man auf jeder Seite dieses Glaubenskontinuums ein paar Jahre hinzufügen oder abziehen kann, aber der Punkt ist, dass die meisten von uns ein festgefahrenes Glaubenssystem haben, wenn wir das Erwachsenenalter erreichen.

Diese Überzeugungen sind das Ergebnis unserer einzigartigen Erfahrungen und Erlebnissen, die wir während der ersten zwanzig oder so Jahre unseres Lebens “erlebt” haben. Hinzu kommt selbstverständlich die Art und Weise, wie wir aufgrund unseres Geschlechts, unserer ethnischen Zugehörigkeit, unserer Religion usw. sozialisiert wurden.

Unsere Glaubenssysteme führen dann zu unbewussten, aber vorhersehbaren Verhaltensmustern im Erwachsenenalter, die in der Regel durch Belohnung oder Bestrafung verstärkt wurden.

Diese fest verankerten Überzeugungen verändern sich meist nur durch ein bedeutendes persönliches Lebensereignis wie z.B. den Tod eines geliebten Menschen, die Geburt eines Kindes, eine Heirat, den Verlust eines Arbeitsplatzes, eine nicht erhaltene Beförderung oder eine Pandemie.

Oder, wir erkennen, meist durch ein Feedback – wenn wir offen dafür sind – dass einige unserer Verhaltensweisen, die aus unserem Glaubenssystem resultieren, eigentlich selbstschädigend sind oder einen negativen Einfluss auf andere haben.

Manche (Stress-) Einflüsse oder vielleicht ein Freund oder Coach helfen sicherlich, uns zur Veränderung hinzumotivieren. Manchmal stürzen wir uns in die Veränderung, ohne unsere gegenwärtigen Glaubenssätze zu untersuchen, die vielleicht mit unserem Wunsch nach Veränderung konkurrieren, bis zu dem Punkt, an dem wir mehr daran interessiert sind, auf dem Misthaufen zu bleiben, als uns tatsächlich zu verändern.

Wir könnten innehalten und untersuchen, wie unsere Überzeugungen oder Annahmen uns in unserem Misthaufen festhalten. Das ist nicht einfach, besonders wenn diese konkurrierenden Glaubenssätze unbewusst sind.

Wie reflektierst du über deine Glaubenssätze? Gibt es vielleicht den einen oder anderen, der dich hindert, gewünschte Veränderungen in deinen Gewohnheiten umzusetzen?

Wenn dich das Thema mehr interessiert, könnte dich mein 30-Tage-E-Mail-Kurs beim „Gewohnheiten Nachhaltig Ändern“ (GNÄ) unterstützen.

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