2. Energie, 3. Intelligenz und 1. Integrität…

Bild: Daniel Cheung – unsplash

…sind in dieser Reihenfolge Warren Buffets Kriterien – wobei ohne Integrität gar nichts läuft – die erfüllt sein müssen, damit er ein Investment in eine Person in Betracht zieht. (Dies ist Folge 2 von ROI – denn für mich ist auch Integrität ein Investment).

Was ist Integrität?

Was würden Sie spontan antworten, wenn gefragt? Gibt es Menschen, denen Sie ohne zu zögern, vertrauen? Fällt es Ihnen leichter, Menschen zu beschreiben, denen Sie nicht trauen? Was sind die Unterschiede?

Sagen vs. Tun

Gehört haben wir schon viel: „Ich melde mich“ oder „das erledige ich“ sind nur zwei banale Beispiele. Schöne, hoffnungsvolle und versprechende Worte führen, wenn die entsprechenden Taten nicht folgen, zu einem Vertrauensverlust. Das gilt für Menschen und für Unternehmen. Versprechungen, die gemacht und dann nicht (ein-) gehalten werden oder wenn Auswege und Ausreden gesucht werden, führen zu einem tieferen Vertrauensniveau. Wir haben es mit Menschen zu tun, bei denen zwischen „Sagen“ und „Tun“ eine Kluft besteht. Diese Menschen sind nicht kongruent – nicht stimmig.

Diese Kluft führt zu Unsicherheit in uns und in unseren Mitmenschen. Wir wundern uns dann, warum Menschen sich verunsichert fühlen oder uns misstrauisch begegnen. Oft sind wir uns jedoch selbst eines solchen Verhaltens nicht bewusst – es läuft in unseren Gewohnheiten ab.

Ehrlichkeit vs. Integrität

Dass dasselbe und das Gleiche nicht dasselbe ist, sieht man schon daran, dass dasselbe zusammen und das Gleiche auseinander geschrieben wird. Ehrlichkeit und Integrität ist nicht dasselbe, auch wenn viele Menschen das glauben – zumindest in meiner Welt geht Integrität über Ehrlichkeit hinaus.

Integrität bedingt Mut, das Richtige zu tun, auch dann, wenn es einem schwer fällt. Zum Beispiel die Wahrheit sagen, auch wenn die Umstände es fast nicht zulassen, weil die Wahrheit unangenehm oder gar verletzend sein kann. Es braucht Mut und Vertrauen, um mit den Reaktionen und Konsequenzen umgehen zu können.

Keiner sagt, dass es einfach ist, die Wahrheit zu sagen und/oder für seine Werte gerade zu stehen. Wie oft verfallen wir der Versuchung, gut dastehen zu wollen und verraten unsere Werte, Meinungen oder Überzeugungen? Die Folge davon ist: Wir schaden damit nicht den Mitmenschen, sondern vor allem uns selbst. Wir verlieren Glaubwürdigkeit anderen gegenüber und unser Selbstvertrauen, wenn auch unbewusst, leidet darunter.

Loyalität vs. Integrität

Mitarbeiter und Führungskräfte – da höre ich oft das Wort Loyalität stehe doch an erster Stelle in der Arbeitswelt! Ja, in der Tat: Solange sich das Unternehmen loyal verhält, ist alles in Butter. Wenn aber aus Sicht des Mitarbeiters sich das Unternehmen illoyal verhält, aus welchen Gründen auch immer, dann fangen Mitarbeiter an, Loyalität neu zu definieren und stellen Regeln und Bedingungen auf. Loyalität ist der Kitt, der Unternehmen zusammenhält. Sie kann Teams zusammenschweissen und Vorgesetzten den Rücken stärken.

Auf die Frage „Wem gegenüber sind Sie bei der Arbeit am loyalsten?“ antworteten (Umfrage monster.de) nur zehn Prozent mit „meinem Chef“. Ungefähr 19 Prozent fühlten sich „meinem Unternehmen“ verpflichtet und 32 Prozent „meinem Team“. Die höchste Prozentzahl erreichte mit 33% die Antwort: „Mir selbst“.

Als Coach sehe ich da interne Konflikte: Loyalität und Integrität zu wahren, zwischen dem Leistungsdruck von oben und der Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter. Das heisst einerseits sich mit den Unternehmenszielen zu identifizieren, die Mitarbeiter zu unterstützen, zu motivieren, immer aufs Neue herauszufordern, sie andererseits aber auch zu schützen und den Vorgesetzten gegenüber notwendige Grenzen aufzuzeigen.

In einer solchen Sandwich-Position eine persönliche Balance zu finden, fordert einen starken Charakter, Mut, Selbstbewusstsein und Authentizität. Wer da nicht klar und sicher auftritt, wird  schnell zum Spielball der äusseren Ereignisse und verspielt seine Autorität. In kritischen Zeiten ist es deshalb sinnvoll, sich einen unabhängigen und professionellen Gesprächspartner als Coach zu suchen.

Eines ist klar: Für den Konflikt zwischen Loyalität und Integrität gibt es keine universelle Lösung – aber um Lösungen zu schaffen, braucht es Klarheit und Bereitschaft, die eigenen Bedürfnisse zu definieren und die eigenen emotionalen Befindlichkeiten zu hinterfragen. Mit Klarheit und der Bereitschaft, seine persönlichen Grenzen zu definieren und mutig beim Gegenüber zu vertreten, liegt allen Lösungen zu Grunde.

Egoismus vs. Integrität

Ein Egoist ist jemand, der nicht an mich denkt!

Eugéne Labiche

Egoismus (griechisch/lateinisch ‚ego‚ ich‘) bedeutet „Eigeninteresse“, „Eigennützigkeit“. Das Duden-Fremdwörterbuch beschreibt Egoismus als „Ich-Bezogenheit“, „Ich-Sucht“, „Selbstsucht“, „Eigenliebe“. Egoismen sind demnach Handlungsweisen, bei denen einzig der Handelnde selbst die Handlungsmaxime bestimmt. Dabei haben diese Handlungen zumeist uneingeschränkt den Vorteil des Handelnden zum Zweck. Wenn dieser Vorteil in einer symbiotischen Lebenshaltung zugleich auch der Vorteil anderer ist, dann sind diese Handlungen ethisch voll legitimiert. Meist aber wird ein Egoist als ein kurzsichtig Handelnder im Sinne eines Raffgieregoisten verstanden, der es kaum akzeptieren kann, wenn andere Menschen ihm gegenüber sich ebenso raffgierig zeigen. Der Raffgieregoist räumt sich selbst also mehr Freiheiten ein, als er anderen zugesteht. Mehr: de.wikipedia.org/wiki/Egoismus

Integrität: Persönliche Integrität ist die fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems mit dem eigenen Handeln. Grundlage des Wertesystems ist eine religiös, politisch oder humanistisch begründete Ethik. Ein integrer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst gekennzeichnet worden. Mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Integrität_(Ethik)#Persönliche_Integrität

Nun, was machen wir daraus? So sind wir, nach etwas mehr als 800 Worten, nicht wirklich überraschend, aber eventuell unerwartet in der Seelentiefe angekommen. Über der Integrität steht, wenn Sie mich begleiten, beinahe die Frage nach dem Lebenssinn. Voraussetzungen dazu, sind:

  1. Freier Wille.
  2. Der Mensch ist für sein Schicksal nur selbst verantwortlich.
  3. Ich weiss, was mein Wesen ist und ich weiss wer ich bin und was ich kann.

Fazit 1/2:

Integer bin ich, wenn ich mit mir selbst verbunden bin, das tue und fühle, was tief innen mir entspricht, unabhängig von der Meinung der anderen. Dabei lasse ich dem anderen die Freiheit, mein Tun und Verhalten als gut zu finden oder abzulehnen. Dem Gegenüber gebe ich die gleiche Freiheit, das zu tun, was ihm entspricht, egal ob ich es als gut oder als beschissen betrachte. Ich gehe meinen Weg und erwarte von anderen nichts. Bedeutet nicht, dass man nicht Vereinbarungen treffen kann.

Egoistisch bin ich, wenn mein Handeln, Denken oder Fühlen dazu dient, den anderen zu überfahren, zu übervorteilen oder einzuengen, damit er das tut, was ich will und was mir gut tut. Wenn ich seine Wahrnehmung, sein Denken und sein Fühlen manipuliere, damit er meine Erwartungen erfüllt. Ich hindere den anderen, sich auf seinem Weg zu entwickeln.

Fazit 2/2

Menschen haben Überzeugungen, Massstäbe, Einstellungen und Glaubensbekenntnisse: diese tragen zu ihrem Verhalten bei. Warum wir gerade diese Überzeugung, Einstellung und/oder Glaubensbekenntnis haben, liegt an unseren (Grund-) Werten. Wenn unser Verhalten mit unseren Wertevorstellungen übereinstimmt, dann besitzen wir Integrität.

Will man integer sein, dann braucht es zuerst das Wissen um die Grundwerte. Stephen Covey hat dazu in seinem Buch, „Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg„, ein paar Fragen formuliert:

Kenne ich meine Werte? Geht es mir gut, wenn ich für sie eintrete?

Ist das, was ich tue, im Einklang mit meinen Werten und Überzeugungen?

Bemühe ich mich wirklich, anderen gegenüber immer ehrlich zu sein?

Bin ich offen für innovative Ideen, die mich dazu bringen, Dinge noch einmal zu überdenken oder meine Werte sogar neu zu definieren?

Halte ich mich an Versprechen, die ich mir selbst und anderen gegenüber gebe?

 

Die Integrität ist bereits verloren, wenn sie nur auf dem Spiel steht.

Michael Wollman

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