Guten Morgen

Das hier ist Teil 4 von 8 meiner kleinen Serie „selbstbestimmt leben“.
Falls du die vorherigen Teile verpasst hast:

[Teil 1]

[Teil 2]

[Teil 3]

Vielleicht kennst du das: Eine wichtige Entscheidung steht an. Ein Teil in dir sagt: „Mach das unbedingt, das ist eine riesige Chance!“

Gleich darauf meldet sich ein anderer Teil: „Bist du wahnsinnig? Das ist viel zu riskant, bleib lieber auf der sicheren Seite.“

Und ein dritter Teil seufzt: „Eigentlich bin ich einfach nur müde.“

Das Ergebnis? Inneres Dilemma. Blockade. Unklarheit. Oder sogar das ungute Gefühl, sich selbst zu sabotieren.

Wir glauben oft, wir müssten als eine  widerspruchsfreie Persönlichkeit durchs Leben gehen. Wenn wir dann widersprüchliche Impulse in uns wahrnehmen, haben wir die Tendenz, uns selbst dafür zu verurteilen.

Aus der hypnosystemischen Sicht ist das Gegenteil wahr: Du bist nicht eine Person, du bist eine ganze Crew mit vielen Teilen in dir. Schulz von Thun nennt es das „Innere Team“.

Das Problem ist nicht, dass du falsche Anteile in dir hast. Alle Anteile erfüllen einen Zweck und sind wichtig. Das Problem entsteht nur dann, wenn der falsche Anteil die Führung übernimmt, während der eigentliche Chef (du) im Zuschauerraum sitzt.

Die blinden Passagiere an Deck

In stressigen Momenten schaltet unser System auf Autopilot. Dann stürmt vielleicht der „Harmoniesüchtige“ nach vorne und sagt Ja, um Konflikte zu vermeiden. Oder der „Perfektionist“ übernimmt und erklärt dir, warum du noch nicht gut genug bist. Der „Antreiber“ packt noch ein Projekt auf deinen ohnehin vollen Terminkalender.

In solchen Momenten könnte man auch sagen, dass du dich mit  einem dieser Teile zu sehr identifizierst und verwechselst. Dann kann der Teil das Ruder übernehmen und oft entstehen dann Handlungen, die zu echten Konflikten führen oder dich in die völlig falsche Richtung leiten.

Diese Teile in dir meinen es nicht böse. Sie sind hochentwickelte Schutzstrategien. Sie wollen dich vor Fehlern, Ablehnung oder Schmerz bewahren. Aber sie sind häufig schlechte Strategen für ein selbstbestimmtes Leben.

Selbstführung beginnt dort, wo du aufhörst, diese inneren Stimmen wegzudrücken, und anfängst, sie zu moderieren. Du wirst vom Spielball zum Teamleiter und Dirigenten.

Mini-Übung: Die erste Teamsitzung (5 Minuten)

Wenn du das nächste Mal merkst, dass du innerlich blockiert bist oder im Kreis denkst, nimm dir ein Blatt Papier:

  1. Wer spricht gerade? Gib den Stimmen kurze Namen. (z.B. Der Warner, der Kritiker, der Abenteurer, der Erschöpfte).
  2. Was ist die gute Absicht? Frag jeden Anteil kurz: Wovor willst du mich gerade schützen? Was brauchst du?
  3. Wer entscheidet? Bedanke dich innerlich bei der Crew für die Informationen. Und dann holst du dich selbst (dein klares, erwachsenes Ich) zurück ans Steuer.

Damit  bekämpfst du deine Anteile nicht mehr. Du führst sie. Das verändert deinen inneren Zustand sofort von Chaos in eine ruhige, steuernde Präsenz.

Der Kernsatz Du willst nicht alle Stimmen in dir leise machen. Du willst nur wissen, welcher Teil gerade in dir spricht – und dir darüber klar sein, dass du es sein willst mit deiner ganzen Lebenserfahrung, deinem Wohlwollen, deiner Wertschätzung und deinen Werten, der am Ende die Entscheidung trifft.

Reflexionsfrage Welcher innere Anteil hat bei dir in den letzten zwei Wochen am lautesten geschrien, wenn es um deine Grenzen ging? Und welcher weise, ruhige Anteil kam dabei kaum zu Wort?

Mit Klarheit

Harry

PS: Ein gutes inneres Team braucht keine Diktatur, sondern Orientierung. Nächsten Sonntag schauen wir uns an, warum wir uns manchmal trotzdem selbst im Weg stehen – in Teil 5: Sabotierst du dich?

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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