Effizienz entsteht,
Das hier ist Teil 5 von 8 meiner Serie „selbstbestimmt leben“.
Falls du die vorherigen Teile verpasst hast:
[Teil 1]
[Teil 2]
[Teil 3]
[Teil 4]
Heute geht es um einen Begriff, den ich nicht besonders mag:
Selbstsabotage
Das Wort klingt in meiner Welt danach, als würdest du morgens aufstehen, Kaffee machen und bewusst beschliessen:
„So. Heute stelle ich mir mal wieder selbst ein Bein.“
Natürlich tust du das nicht.
Und trotzdem kennst du vielleicht solche Momente:
Du weisst, was dir guttun würde.
Und tust es nicht.
Du willst für deine Bedürfnisse einstehen.
Und sagst doch wieder Ja.
Du willst eine wichtige Arbeit anfangen.
Und räumst vorher „noch schnell“ eine Schublade auf, die seit 2018 niemand geöffnet hat.
In solchen Situationen könnte man sagen: Das ist Selbstsabotage.
Ich würde eher sagen:
Ein Teil von dir verfolgt gerade ein anderes Ziel, denn Selbstsabotage ist oft Selbstschutz.
Aus hypnosystemischer Sicht ist die bessere Frage nicht:
„Warum bin ich so blöd?“
Sondern:
„Wovor will mich dieses Verhalten schützen?“
Wenn du aufschiebst, schützt dich vielleicht ein Teil vor Aufwand und Anstrengung.
Wenn du dich klein machst, schützt dich vielleicht ein Teil vor Aggression oder Angriff.
Wenn du dich überforderst, schützt dich vielleicht ein Teil vor dem Gefühl, nicht genug zu sein.
Wenn du dich ablenkst, schützt dich vielleicht ein Teil vor einer unangenehmen Realität.
Das Verhalten ist dann nicht dein Feind.
Es ist oft ein in der Vergangenheit vielfach geprüfter Schutzmechanismus.
Nur manchmal mit der Vehemenz eines Feueralarms, der losgeht, weil jemand Toast macht.
Mini-Übung: Der Nutzen der Sabotage
Nimm ein Verhalten, das du an dir nicht magst.
Dann beantworte drei Fragen:
-
- Was macht dieses Verhalten konkret?
Nur beschreiben. Nicht beurteilen. - Wovor könnte es mich schützen wollen?
Kritik? Konflikt? Überforderung? Aggression? Enttäuschung? - Was wäre eine selbstbestimmte Alternative?Also ein Verhalten, das den Schutz achtet, dich aber innerlich freier macht.
- Was macht dieses Verhalten konkret?
Beispiel:
Nicht:
„Ich muss endlich disziplinierter sein.“
Sondern:
„Ich brauche einen kleinen nächsten Schritt, damit mein System nicht sofort Alarm schlägt.“
Fazit
Du sabotierst dich selten absichtlich.
Meist versucht ein Teil von dir, dich vor etwas Unangenehmen oder Unsicheren zu schützen.
Selbstbestimmt leben bedeutet nicht, diesen Teil von dir zu negieren, zu verdrängen oder rauszuwerfen.
Es bedeutet, ihm zuzuhören und dann slbstbestimmt und bewusst zu entscheiden:
Danke. Ich sehe, was du für mich tun willst.
Und ich wähle heute einen anderen Weg, der besser zum heutigen Kontext passt.
Reflexionsfrage
Welches Verhalten nennst du bei dir „Selbstsabotage“?
Und was könnte die versteckte Absicht dahinter sein?
Mit Klarheit
Harry
PS: Nicht jedes Hindernis in dir ist ein Feind. Manche sind alte Bodyguards, die noch nicht gemerkt haben, dass der Krieg vorbei ist.
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