Uhrlaub

Uhrlaub

 

 

 

Es war einmal ein Grossvater, in dem Fall meiner, der versuchte, mir übers Wochenende, Zeit beizubringen, im Besondern, wie spät es ist. Er hatte dafür eine Uhr auf einen etwas stärkeren Karton aufgezeichnet und zwei rote Zeiger montiert. Die Zeiger waren mit einem Reissnagel auf einem auf der Rückseite des Kartons befindlichen Korken fixiert und man konnte sie auf der Vorderseite drehen.

Relativ schnell hatte ich die zwölf Zahlen im Kopf und konnte ihm, zu seiner Genugtuung, sagen, wie spät es auf seiner selbstgebauten Uhr war, nachdem er den kleinen Zeiger auf eine Zahl gestellt hatte. Ich glaube, ich lernte damals die Zahlen von eins bis zwölf, doch nicht wie spät es war, begriff aber doch, dass das eine Uhr war und dass Zeit manchmal schnell und manchmal langsam vergeht. „Wann gibt es Abendessen?“, „In einer Stunde“„ach was für eine Ewigkeit.“ „Darf ich nach draussen zu meinen Freunden?“, „ja, aber in einer Stunde ist es Zeit fürs Bett“ „ach, nur?“

Monate später lernte ich das Wort Uhrlaub, und fragte, ob denn das Wort Uhrlaub daher komme, dass man im Uhrlaub mehr Zeit hat, sich weniger Gedanken macht und die Uhr so sieht, wie das Laub im Wald, wie es einfach als Blatt, Sekunde für Sekunde vom Baum fällt und zum Laub wird. Später, in der Volkschule, lernte ich dann, dass man Urlaub ohne „h“ schreibt.

Aber was macht man denn so im Urlaub, ob fern Reisen oder auf Balkonien?

Menschen auf der ganzen Welt ziehen Kraft und neue Energie aus den Ferien, endlich mal wieder Luftveränderung und Erholung – das süsse Nichtstun – la dolce Vita. Vielleicht Neues erkunden, den Horizont erweitern, die Beziehung kitten oder einfach die Seele baumeln lassen…

Urlaub, ein Heilmittel für das bessere Umgehen mit sich und Anderen, mehr Sex, Zeit zum Nachdenken, Stimmungsverbesserung (zumindest nach dem Verlassen des Flughafens), zur Ruhe kommen, kreativer werden, weniger Einsamkeit und wieder belastbar sein.

Im Urlaub hat man einfach mehr Zeit und die gilt es zu geniessen und man kann sich Zeit für sein Hirn nehmen. Belasten wir unser Hirn mit Mathematik, dann werden wir besser in Mathematik. Fragen wir unser Hirn um mehr Sorgen, so machen wir uns mehr Sorgen. Konzentrieren wir uns mehr und mehr, werden wir besser im Konzentrieren, genauso wie die Muskeln beim Sport, ändert sich das Gehirn in Abhängigkeit mit der Erfahrung, die wir ihm anbieten. Es geht sogar noch weiter, Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich tatsächlich die Hirnmasse verändert (Neuroplastizität), wenn man es trainiert.

Wenn es Sie anspricht, könnten Sie dieses Jahr im Urlaub lernen, wie man meditiert. Sie tun es ohnehin, ab und zu meditieren, aber eventuell nichtwissend. Es ist einfach und Studien haben gezeigt, dass Menschen, die nie vorher bewusst meditiert haben und sogar sehr skeptisch waren und eine einfache Meditationsübung gelernt haben, schon nach nur insgesamt drei Stunden Praxis, mehr Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle hatten. Nach elf Stunden Praxis konnten die Wissenschaftler sogar Veränderungen im Hirn nachweisen. Es scheint unglaublich, dass sich unser Hirn so schnell verändern kann, aber Meditation erhöht nachweislich den Blutfluss in den präfrontalen Kortex, wie das Gewichtheben das Blut in den Muskeln erhöht.

Um es Ihnen einfacher zu machen, hier ein Link zu einer einfachen Zusammenfassung über Meditation, inklusive einer Anleitung zum Meditieren. Ziel ist es, Sie eventuell neugierig zu machen. Oder anders, wenn Sie nicht für zwei Jahre nach Tibet wollen und trotzdem Meditation lernen wollen, dann hier zum Download, vielleicht zum Ausprobieren im Urlaub. Da hat man ja Zeit und Pausen für sich, oder?

Pause gibt es auch hier, den nächsten Artikel finden Sie wie gewohnt wieder hier am 14. August 2016.

Bis dahin wünsche ich Ihnen erholsame Tage der Ruhe und Erholung.

 

 

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