4 Fragen, die helfen.

Jede Lösung eines Problems ist ein neues Problem.

Johann Wolfgang von Goethe

Ich behaupte, der Grossteil meiner Leser liebt Überraschungen. Im Sakko oder der Handtasche, beide überwinterten im Schrank, jetzt diese 100er Note zu finden, herrlich. Die Heizkostenabrechnung, die vorgestern ins Haus flog und zur Abwechslung das erste Mal seit zig Jahren eine Gutschrift auswies.

Wir mögen es einfach, überrascht zu werden und wenn wir die Überraschung nicht mögen, dann bezeichnen wir sie als Problem. Dies ist unser wirkliches und einziges Problem. Vier Fragen, die in meiner Coaching-Arbeit immer helfen, sind das Thema der heutigen SMSS. Und doch, bevor wir die vier Fragen erörtern, gilt es, ein paar Grundlagen zu wiederholen, damit die vier Fragen auf fruchtbaren Boden fallen und Sie von heute an jedes Problem leichter lösen können.

Klingt unwahrscheinlich? Ich glaube nicht, haben Sie doch bis heute die meisten Probleme in Ihrem Leben gelöst, oder? Die vier Fragen werden es Ihnen in Zukunft noch einfacher machen.

Die Art und Weise, wie wir eine Situation beurteilen, bewerten oder definieren, bestimmt unser Verhalten, das heisst, wie wir mit der (den) Situation(en) umgehen. Diese Art und Weise gilt es in eine Kunst umzuwandeln. Unser Problem ist dabei zweigeteilt: Es ist, wie wir denken und wie wir fühlen.

Gedanken

⇒ Das gefällt mir nicht.

⇒ Damit möchte ich nichts zu tun haben.

⇒ Das ist schwierig.

⇒ So sollte es nicht sein.

⇒ Wie konnte er/sie nur…

⇒ Ich weiss nicht, was ich jetzt tun soll?

⇒ Mir gefällt keines der möglichen Resultate/Konsequenzen.

⇒ Das ist nicht fair.

⇒ Das war bei der Entscheidungsfindung nicht Teil der Diskussion, das sind neue Fakten.

⇒ Dafür bin ich nicht hier.

Ob wir wollen oder nicht, solche Gedanken, die so spontan auftauchen, uns von hinten unbewusst überfallen, haben einen Einfluss auf unsere Gefühlswelt und Emotionen.

Emotionen

⇒ Angst

⇒ Sorgen

⇒ Unbehagen

⇒ Furcht

⇒ Nervosität

⇒ Hilflosigkeit

⇒ Machtlosigkeit

⇒ Verbitterung

⇒ Überwältigung

⇒ Ärger

Oh, wenn ich nur meine Probleme lösen könnte! Das können Sie, denn der Ablauf, die Sequenz für Probleme ist immer die gleiche:

Eine Situation entsteht, führt zu bestimmten Gedanken, führt zu bestimmten Gefühlen, führt zu unserem Verhalten, unserer Aktion und schlussendlich zu einem Ergebnis, ob wir wollen oder nicht, und wir können uns nicht nicht verhalten.

Die einzige Voraussetzung, die erfüllt sein muss, um ein Problem zu haben ist:

Wenn wir glauben, dass eine Situation ein Problem ist, dann haben wir ein Problem.

Frage #1:

Was ist das Problem?

Vielleicht sind Sie in der Stimmung, ein Blatt Papier hervor zu nehmen und zu notieren, was Ihr oder eines Ihrer Probleme ist? Wenn Sie dabei sind, beachten Sie bitte, dies sollte ein vollständiger Satz sein:

„Ich wurde von Chef schlecht beurteilt“, oder „Ich musste drei Mitarbeiter entlassen“, oder „Ich habe mein Ziel, XY zu tun, nicht erreicht.“

Ein Problem soll mit Fakten definiert werden. Jetzt werden die Gedanken und Gefühle, die auftauchen, analysiert:

Frage #2:

Warum ist dieses Problem ein Problem für mich?

Glauben Sie mir, oft ist es für meine Kunden ziemlich schwierig, die Gedanken und Gefühle so zu vermitteln, dass auch ich es als Problem erkennen kann. In anderen Worten, nicht jeder in Ihrer Umgebung mag mit Ihnen übereinstimmen, dass es tatsächlich ein/Ihr Problem ist. Was fühlen Sie, wenn Sie über Ihr Problem reflektieren? Ich fühle mich frustriert, überwältigt, ärgerlich, gelangweilt, ängstlich, müde, abgekapselt etc. Das sind ein paar Beispiele, was Sie fühlen und woran Sie glauben.

Meistens denken wir, die Dinge ausserhalb müssen sich ändern, damit das Problem gelöst werden kann:

„Ich brauche einen neuen Chef, Partner“, oder „Ich brauche bessere Mitarbeiter, Kollegen“ oder „Ich brauche mehr Zeit, Ressourcen, Geld etc.“.

Wir erwarten, dass sich die Umstände ändern. Hier kommt, was uns allzu oft schwer fällt zu akzeptieren:

Wir haben seltener die Kontrolle über die Dinge ausserhalb, als wir glauben. Die Frage 2.1 ist (nachdem Sie Ihre Gedanken und Gefühle schriftlich festgehalten haben) also, „Kann ich das kontrollieren, liegt es in meiner Macht, dies zu ändern?“. Wir haben beispielsweise keine Kontrolle oder Autorität über das Verhalten anderer Menschen. Ausnahmen sind hier die Gefängnisse, Militär und bis zu einem gewissen Grad die Kindererziehung.

Aber, worüber wir Kontrolle haben, ist, dass wir entscheiden können, was wir tun, sogar, was wir denken und fühlen und das führt zu:

Frage #3:

Was ist, wenn das Problem gar kein Problem ist?

Wir können uns für anderes Denken und andere Gefühle entscheiden: „Was, wenn es eine Herausforderung ist?“, „Wenn es eine Möglichkeit ist, die Dinge anders zu sehen?“, „Wenn es Teil einer völlig anderen Geschichte ist?“, oder „Wenn es etwas völlig Neues ist? – Habe zwar noch keine Erfahrung damit, aber wenn erledigt, dann habe ich etwas Neues gelernt und habe mich weiterentwickelt.“

Ich beobachte häufig, dass wenn wir glauben, ein Problem zu haben, Angst eine grosse Rolle spielt. Wenn wir Angst haben, dann sind wir weniger kreativ, weniger optimistisch und nehmen uns selbst unsere Lösungsfertigkeiten aus der Hand. Im Gegensatz zu: „Dies eine Herausforderung, die ich lösen kann“. Dieser Gedanke öffnet unsere Kreativität und macht auch mehr Spass. Wir lieben es, Probleme/Puzzles/Kreuzworträtsel/Sudoku zu lösen.

Alles Leben ist Problemlösen.

Sir Karl Popper

Probleme sind in Wahrheit gut für uns.

Der Mathematik-Lehrer erklärt den Eltern am Tag der offenen Türe zu Beginn des neuen Schuljahres:

„Wir haben den Lehrplan überarbeitet und werden ihren Kindern doppelt so viele Probleme zum Lösen geben als letztes Jahr.“

Die Eltern denken und sagen:

„Ja, das ist wunderbar. Das mag ich. Das klingt gut. Liebling, hast du das gehört, unser Kind muss mehr Probleme lösen.“

Insgeheim wissen wir, Probleme lösen macht uns stärker. Sie sind gut für uns. Vor allem, wenn jemand anders sein Problem löst, erkennen wir das klar:

Das Lösen des Problems hat seine Fähigkeiten erweitert, sein Selbstbewusstsein entwickelt und sein Selbstwertgefühl erhöht…

Oder kennen Sie jemanden, der nicht gestärkt auftauchte, nachdem das Problem gelöst war?

Ein paar Wahrheiten:

Ihr „Problem“ ist für jemand anderen „eine Herausforderung“. Unbehaglichkeit ist kein Stopp-Signal.
Ihr Problem ist für jemand anderen maximal eine Unbequemlichkeit. Fehlende Erfahrung ist kein Stopp-Signal.
Die meisten Dinge, die bei der Arbeit oder im Privatleben passieren, liegen ausserhalb unserer Kontrolle. Selbstverantwortung heisst, seine Antworten für sich selbst zu finden.
Viele Dinge, die passieren, sind nicht jene, die wir bestellen oder uns wünschen. Selbstverantwortung ist, zu verstehen, dass ich es in jedem Moment bin, der entscheidet, wer ich bin und wie ich mich verhalte.
Wie wir reagieren, ist immer unsere Entscheidung. Selbstverantwortung ist, zu erkennen, dass die Welt nur so ungerecht, unfair oder kompliziert ist, wie wir sie sehen.

Wenn wir wählen und entscheiden…

⇒ ⇒ Wie über eine Situation anders zu denken ist, dann

⇒ ⇒ fühle ich anders.

⇒ ⇒ Wenn ich anders fühle, dann

⇒ ⇒ handle ich anders.

⇒ ⇒ Wenn ich mich anders verhalte, dann bekomme ich ein anderes Ergebnis. Das führt zu:

Frage #4:

Welchen Aufwand bin bereit zu betreiben, um die Situation anzugehen?

Ohne Aufwand lassen sich keine Problem lösen. Einverstanden, ein minimaler Teil von Problemen verschwindet von alleine, die Mehrheit wird jedoch zu einem immer grösseren Problem, wenn nicht bei den Hörnern gepackt.

Man kann andere nicht glücklich machen, aber man kann sich selbst glücklich machen, indem man sich über den Wert des Problems Gedanken macht und entscheidet, was es zu tun gibt. Man formuliert das Ziel und akzeptiert, dass es immer Aufwand bedeutet. Alles Gute im Leben ist mit Aufwand verbunden. Von nichts kommt nichts.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Ich wünsche Ihnen und mir viel Spass beim Problemlösen.

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Über Gewohnheiten und Denkmuster reflektieren…

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