Es war einmal ein Pony
Meine Tochter wünscht sich ein Pony zu Weihnachten. Bisher gab es immer Gans,
aber vielleicht ist es Zeit für etwas Neues …
Noch ein Tag bis Heiligabend. Die Geschenke sind fast alle besorgt, die Gans bestellt, die Plätzchen gebacken. Jetzt kommt der Teil, vor dem sich viele insgeheim fürchten:
Die Familiengespräche.
„Na, wie geht’s?“ – „Gut.“
„Was macht die Arbeit?“ – „Läuft.“
„Wie war dein Jahr?“ – „Na ja…“
Kennst du solche Gespräche? Die, bei denen alle reden, aber niemand wirklich spricht?
Dabei könnte es so anders sein. Hier ist meine kleine Weihnachtsrevolution:
Stell dir vor, du würdest dieses Jahr wirklich zuhören. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Mini-Experiment für morgen Abend:
Wähle eine Person aus deiner Familie. Stelle ihr EINE dieser Fragen:
„Was hat dir diese Woche, diesen Monat, dieses Jahr am besten gefallen?“
Wenn die Frage ehrlich gemeint ist, zeigt das dem Gesprächspartner, dass du dich dafür interessierst, was dein Gegenüber unter „Spaß“ versteht.
„Welchen Silberstreif am Horizont hast du (diese Woche, diesen Monat) im Jahr 2024 entdeckt?“
Von Silberstreifen zu sprechen bedeutet, anzuerkennen, dass etwas Negatives passiert ist, aber auch das Positive anzusprechen, das man daraus gemacht hat. Passt gut zwischen Vorspeise und Hauptgang beim Familienessen.
„Was hast du eigentlich in diesem Jahr (im letzten Monat, in der letzten Woche) über dich selbst gelernt?“
Eine Frage, die immer wieder öffnen kann und die Bereitschaft des Gegenübers fördert, persönliche Geschichten zu erzählen. Wer spricht nicht gerne über Positives, besonders wenn es mit persönlichem Wachstum zu tun hat? Passt zum Dessert.
Variante für Mutige:
Was ist deine größte Herausforderung für die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächste Jahr?
Und dann das Wichtigste: Hör zu. Wirklich zuhören. Ohne über deine Antwort nachzudenken. Ohne das Gespräch in deine Richtung zu lenken. Passt zur späteren Stunde. Einfach nur da sein und zuhören.
Kurze Reflexion zur Einstimmung:
– Wann hat dir das letzte Mal jemand wirklich zugehört?
– Wie hat sich das angefühlt?
– Was hältst du zurück, weil du denkst, es interessiert niemanden?
Weißt du, was das Verrückte daran ist? Zu Weihnachten wünschen wir uns oft Dinge, die in Geschenkpapier passen. Dabei gibt es das wertvollste Geschenk umsonst: echte Aufmerksamkeit.
(Obwohl… ein Pony wäre auch nicht schlecht. Aber das ist eine andere Geschichte).
Für die nächsten Tage empfehle ich dir meine „3-3-3-Methode“:
– 3 Sekunden: Tief durchatmen, bevor du antwortest.
– 3 Sekunden: Warte auf die Antwort deines Gesprächspartners
– 3 Worte: „Erzähl mir mehr“.
Was meinst du?
Welche Frage würdest du gerne mal jemandem stellen – wenn du dich trauen würdest?
Auf welche Frage würdest du gerne antworten?
PS: Falls es bei der Familienfeier doch mal hitzig wird – denk daran: Auch der schönste Weihnachtsbaum hat einmal als Störenfried im Wald angefangen. Durchatmen und sich an der Vielfalt der Menschen erfreuen.
PPS: Und ja, im übernächsten Newsletter am Freitag verrate ich dir, warum ich 100% gegen Neujahrsvorsätze bin. Aber jetzt genieße erst einmal die stillen Nächte – es braucht nicht viel, um sie zu (wert-zu-) schätzen. Man kann auch dankbar sein: Wie viele Weihnachten wirst du noch erleben?
PPPS: Ich möchte Dir danken: Danke für Dein Wohlwollen und Deine Aufmerksamkeit, die Du meinen Botschaften über das Jahr hinweg geschenkt hast.
Liebe Grüße und frohe Feiertage
Dein
Harry