Gestreifte Socken
Kennst du die Geschichte der Schweizer Bahnhofsuhr?
In den 1940er Jahren entwickelte Hans Hilfiker eine Uhr, die etwas ganz Besonderes kann:
Ihr Sekundenzeiger braucht 58 Sekunden für eine volle Umdrehung, bleibt dann 1,5 Sekunden stehen und springt dann erst weiter.
Warum?
Damit alle Schweizer Züge EXAKT zur selben Sekunde abfahren!
Ein ganzes Land richtet sich nach einer Uhr, die absichtlich „falsch“ geht, nur um pünktlich zu sein.
Ironischerweise wurde diese Uhr so berühmt, dass Apple sie für seine iPads kopierte – und dafür 20 Millionen an die Schweizer Bahn zahlen musste.
Deutsche Bahnhofsuhren haben übrigens in der Regel keinen Sekundenzeiger …
Apropos Zeit und wie wir sie (nicht) nutzen sollten …
stell dir vor, du bekommst einen Gutschein geschenkt. Nicht irgendeinen Gutschein, sondern einen Zeitgutschein:
24 nagelneue, unverbrauchte Stunden.
Oh, Moment… diesen Gutschein bekommst du ja tatsächlich –
jeden Morgen.
Kostenlos!
Aber was machen wir damit?
Nun, schauen wir uns doch mal einen typischen Tag an:
7:30 Uhr: Du findest keine passenden Socken. 10 Minuten Aufregung.
8:15 Uhr: Die Kaffeemaschine macht komische Geräusche. 15 Minuten Frust.
12:30 Uhr: Die Suppe in der Kantine ist zu heiß. 5 Minuten Ärger.
14:00 Uhr: Jemand hat deinen Lieblingsparkplatz geklaut. 20 Minuten inneres Grummeln.
16 Uhr: Ein Kollege hat deine E-Mail nicht beantwortet. 30 Minuten Gedankenkreisen.
Kleine Zwischenrechnung:
80 Minuten für… ja, für was eigentlich?
Seneca (ja, der alte Römer, der aussah wie dein Philosophielehrer, nur mit Toga) würde jetzt wahrscheinlich die Augen verdrehen und sagen:
„Ernsthaft? Das ist dein Masterplan für die Verwendung deiner Lebenszeit?“
Stell dir vor, dein Leben wäre ein Abonnement bei Netflix. Würdest du
- a) Immer wieder dieselbe Folge von „Sock Drama“ anschauen?
- b) neue, spannende Serien entdecken?
Kleine Übung für zwischendurch:
Nimm dir einen Moment Zeit und stell dir vor, du bist 90 Jahre alt und blickst zurück. Was würdest du am liebsten sagen?
„Ich trug perfekt passende Socken und ärgerte mich über jede Suppe, die zu heiß war.“
ODER
„Ich habe gelacht, geliebt, gelernt und manchmal verschiedenfarbige Socken getragen.
Der Punkt ist: Wir haben alle die gleiche Menge an Zeit pro Tag. Aber wir entscheiden, ob wir sie in HD oder in Schwarzweiß erleben.
Hier sind drei Mini-Hacks für mehr „Zeitqualität“:
- Die 10-10-10-Regel:
Ist diese Sache in 10 Minuten noch wichtig?
In 10 Monaten?
In 10 Jahren?
- Das „Danke, Nächster“-Prinzip:
Kommt Ärger? Sag „Danke für den Besuch“ und verabschiede dich höflich.
- Die Umkehrtaktik:
Statt „Diese Socken passen nicht zusammen“ versuche „Diese Socken sind mutig anders!“.
Denk daran:
Selbst wenn dir jemand 1000 Jahre Lebenszeit schenken würde – für unnötigen Ärger wäre sie immer noch zu kurz.
In diesem Sinne:
Sparen wir uns die Zeit für die wichtigen Dinge.
Zum Beispiel für das Lachen über unpassende Socken.
Bis Freitag!
PS: Falls du dich fragst, wie du deine Zeit noch sinnvoller nutzen kannst – ich hätte da eine Idee: Willst du mit mir sprechen?
PPS: Dieser Newsletter wurde mit verschiedenfarbigen Socken geschrieben. Und es hat überhaupt nicht geschadet 😉 .