Joshua Bell und seine Stradivari
Kennst du die Geschichte des berühmten Geigers Joshua Bell?
2007 stellte er sich inkognito in eine U-Bahn-Station in Washington D.C. und spielte auf seiner 3,5 Millionen Dollar teuren Stradivari.
Das Ergebnis?
Die meisten Leute eilten vorbei, warfen vielleicht ein paar Münzen.
Dieselben Leute hätten Hunderte von Dollar bezahlt, um ihn im Konzertsaal zu hören.
Warum erzähle ich das? Weil es perfekt zu dem passt, worüber ich heute mit dir nachdenken möchte:
Wessen Meinung zählt wirklich?
Stell dir vor, du willst ein kompliziertes Gericht kochen. Wen würdest du um Rat fragen?
- einen Sternekoch
- deinen Hamster
Klingt absurd? Aber genau das tun wir jeden Tag – wir lassen uns von den „Hamstern“ in unserem Leben sagen, was wir wert sind.
Epiktet, einer der coolsten Denker der Antike (ja, Philosophen können cool sein!), brachte es schon vor 2000 Jahren auf den Punkt. Er fragte:
„Wie kann ein wirklich gebildeter Mensch einem ungebildeten zuhören, wenn es um Fragen von Recht und Unrecht geht?“
Mit anderen Worten: Würdest du…
… einen Klavierstimmer ernst nehmen, der Dur nicht von Moll unterscheiden kann?
… einen Mathematiker, der behauptet, π sei genau 3?
… einen Ernährungswissenschaftler, der Photosynthese für eine Smartphone-App hält?
Kleine Übung für zwischendurch:
Nimm dir einen Moment Zeit und erinnere dich an die letzte Kritik, die dich verletzt hat.
Stell dir nun diese drei Fragen:
Hat die Person überhaupt die Kompetenz, das zu beurteilen?
Kennt sie den ganzen Kontext?
Würdest du sie auch in anderen wichtigen Lebensbereichen um Rat fragen?
Oft werden wir feststellen: Wir lassen uns von Menschen verunsichern, die wir in anderen Bereichen nie um Rat fragen würden.
Das heißt nicht, dass wir arrogant werden sollen. Aber es bedeutet, dass wir wählerisch sein dürfen, wessen Meinung wir uns zu Herzen nehmen.
Gedanke der Woche:
„Nicht jeder, der eine Meinung hat, weiß auch etwas. Und das ist okay – solange du weißt, wessen Meinung für dich zählt.“
Diese Woche lade ich dich ein:
Sei dein eigener Qualitätsprüfer für Feedback.
Sortiere bewusst aus, wessen Meinung für dich relevant ist.
Der Rest?
Ist wie das Hintergrundrauschen in der U-Bahn – du nimmst es zur Kenntnis, aber es bestimmt nicht deine Richtung.
Bis Mittwoch, wenn wir uns wieder treffen für eine neue Portion Denkanstöße!
PS: Mein Hamster findet diesen Newsletter übrigens schrecklich. Aber er kann ja auch nicht lesen, also … 😉 .