Nicht alle haben heute frei
Guten Morgen am Ostermontag!
Nicht überall ist heute Feiertag:
Spanien
Ostermontag ist kein nationaler Feiertag.
Wird regional gefeiert – z.B. in: Katalonien Baskenland Navarra La Rioja Valencia
Portugal
Ostermontag ist nicht im ganzen Land ein gesetzlicher Feiertag.
Ausnahme: Auf den Azoren ist er ein gesetzlicher Feiertag.
Schottland (Teil des Vereinigten Königreichs)
Ostermontag ist in Schottland kein gesetzlicher Feiertag.
In England, Wales und Nordirland dagegen schon.
Andorra
Der Ostermontag ist kein gesetzlicher Feiertag.
Schweiz
In den meisten Kantonen ist der Ostermontag ein gesetzlicher Feiertag.
Ausnahmen (nicht gesetzlich arbeitsfrei) u.a. in: Kanton Tessin Kanton Wallis (teilweise) Gemeinden mit reformierter Tradition (abhängig vom lokalen Kalender)
Trotzdem, dieser oft unterschätzte „Tag danach“ birgt mehr Tiefe und Weisheit, als wir ihm gemeinhin zugestehen.
Während wir uns über den zusätzlichen freien Tag freuen (wer tut das nicht?), lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und nachzudenken:
Warum gibt es eigentlich den Ostermontag?
Und was können wir daraus für die kommende Woche lernen?
Die vergessene Geschichte des zweiten Tages In der christlichen Tradition erzählt der Ostermontag die Emmausgeschichte:
Zwei entmutigte Jünger wandern nach der Kreuzigung von Jerusalem nach Emmaus.
Unterwegs gesellt sich ein Fremder zu ihnen – Jesus selbst, den sie jedoch nicht erkennen.
Erst beim gemeinsamen Abendessen, als er das Brot bricht, gehen ihnen die Augen auf.
(LK 24, 13-35)
In dieser Geschichte steckt eine starke Symbolik:
– Manchmal erkennen wir das Wichtigste erst im Nachhinein
– Oft liegt die Wahrheit auf den zweiten Blick
– Die tiefsten Einsichten kommen nicht immer im großen Moment, sondern auf dem Weg danach
Der Montagmorgen-Gedanke für diese Woche:
Vom „Warum“ zum „Wofür“ – eine Lebenstransformation
In unserem Karfreitags-Newsletter haben wir über die beiden existentiellen Fragen nachgedacht:
Warum sind wir hier?
– die rückwärts gerichtete Frage nach den Ursachen
Wofür sind wir hier?
– die vorwärts gerichtete Frage nach Sinn und Zweck
Der Ostermontag verkörpert genau diesen Übergang vom „Warum“ zum „Wofür“.
Es ist der Tag, an dem sich die Verwirrung zu klären beginnt, an dem aus dem Chaos ein Muster entsteht.
Was können wir von diesem „Tag danach“ für die kommende Woche lernen?
Wie oft hetzen wir von Erlebnis zu Erlebnis, von Aufgabe zu Aufgabe, ohne jemals innezuhalten und nachzudenken?
Der Ostermontag erinnert uns daran, dass sich die tiefste Bedeutung oft erst im Rückblick und in der Verarbeitung erschließt.
Kleine Übung für heute:
Wähle ein wichtiges Ereignis der letzten Woche.
Nimm dir 10 Minuten Zeit, um darüber nachzudenken – nicht nur, was passiert ist, sondern auch, was es bedeutet und wofür es gut sein könnte.
Erkenne das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen
Die Emmausjünger erkannten Jesus nicht in seiner überwältigenden Göttlichkeit, sondern in einer alltäglichen Geste – dem Brechen des Brotes.
Frage für heute:
Wo könnten sich in deinem Alltag bedeutsame Momente verbergen, die du übersehen hast?
Welche kleinen Gesten, Begegnungen oder Ereignisse könnten mehr Tiefe haben, als du zunächst dachtest?
Der Ostermontag zeigt uns:
Was zunächst wie ein Ende aussieht, kann der Anfang von etwas Neuem sein.
Was zunächst wie ein Verlust aussieht, kann zu einer unerwarteten Entdeckung führen.
Deine Aufgabe für diese Woche:
Wähle eine Herausforderung oder Enttäuschung, die du in letzter Zeit erlebt hast.
Frage dich nicht „Warum ist das passiert?“, sondern „Wofür könnte diese Erfahrung gut sein?“.
Für jeden Tag dieser Woche eine kleine Übung im Sinne des Ostermontags:
Montag: Nimm dir Zeit für einen „zweiten Blick“ auf das vergangene Wochenende.
Dienstag: Achte bewusst auf die kleinen, unscheinbaren Momente – oft liegt gerade darin der größte Schatz.
Mittwoch:Teile jemandem eine Erkenntnis mit, die du erst „im Nachhinein“ verstanden hast.
Donnerstag: Verwandle eine Warum-Frage in eine Wofür-Frage.
Freitag: Erinnere dich an eine Situation, in der sich etwas zunächst Negatives als Segen erwiesen hat.
Samstag: Brich buchstäblich „Brot“ mit jemandem – teile eine Mahlzeit und echte Gespräche.
Sonntag: Reflektiere: Wie hat sich deine Sichtweise durch die bewusste „Zweite-Tages-Perspektive“ verändert?
Die Geschichte der Emmausjünger lehrt uns:
Manchmal ist unsere größte Erkenntnis nicht der spektakuläre Moment der Auferstehung, sondern der stille Moment danach – wenn wir plötzlich verstehen, was wirklich geschehen ist.
In einer Welt, die ständig nach dem nächsten großen Moment, dem nächsten Höhepunkt, dem nächsten Erlebnis giert, könnte genau diese „Weisheit des Ostermontags“ der Schlüssel zu einem tieferen, bewussteren Leben sein.
PS: Viktor Frankl sprach vom „Raum zwischen Reiz und Reaktion“ – jenem kostbaren Moment der Freiheit und Wahl. Der Ostermontag ist genau so ein Raum – zwischen dem großen Ereignis und unserem Weitergehen. Nutze diese Woche, um diesen Raum in deinem Leben zu erweitern.
PPS: Denke daran: Manchmal braucht es einen „Emmausweg“ – einen Spaziergang mit einem guten Gesprächspartner – um zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Falls du einen solchen Gesprächspartner für deine eigenen Lebensreflexionen suchst, klicke hier.