Pech im Spiel

Pech im Spiel,

Glück in der Liebe. Welche Variante ist die richtige: Pech im Spiel, Glück in der Liebe oder Glück im Spiel, Pech in der Liebe? Oder beide? Egal, welche Variante man in welcher Situation anwendet, ist zum einen Geschmacksache und hat immer den „entweder/oder“-Beigeschmack. Mit kritischem Denken, so glaube ich jedenfalls, lässt sich keine der Varianten als statistisch relevant definieren. Als Hoffnungs-Seufzer nach der Pokerrunde mag der Spruch ja unreflektiert über die Lippen kommen…

In meiner Ex-Heimat England ist Derren Brown als Illusionist und experimenteller Entertainer bekannt und hat in 2012 für seine TV-Show „The Experiments“ den Bafta TV Award für Best Entertainment gewonnen. In einer der Episoden „Das Geheimnis des Glücks“ (Link zur vollen Episode in Englisch) untersuchte er, was uns glücklich macht. Warum manche ein glückliches Leben geniessen, während andere als Pechvögel geboren werden. Was ist diese mysteriöse Macht und kann sie beeinflusst werden? Er wählte für dieses Experiment nicht eine Gruppe von Personen aus, sondern Todmorden, eine Gemeinde in West Yorkshire (Grossbritannien) mit damals 15, 481 Einwohnern.

Er begann mit der einfachen Frage an die Passanten, ob sie denn von dem „magischen Hund“ (einer Hundestatue im lokalen Park) schon gehört hätten. Und, dass man, wenn man die Hundestatue anfasse, mehr Glück habe. Die Bewohner wurden befragt, es wurde über Glücksfälle in der Zeitung und im Radio berichtet und im Laufe der Zeit fing die Bevölkerung an, an die Magie des Hundes zu glauben. Manche kamen heimlich, um den Hund zu tätscheln, doch die 24 Std.-Kamera zeichnete alles auf.

Nach drei Monaten endete das Experiment in einem Show-Off, in welchem der vorher voll von sich selbst als Pechvogel überzeugte Wayne Stansfield, ohne zu wissen, dass es eine Show war, seine Lebensersparnisse auf einen Würfelwurf setzte, weil er glaubte, dass er Glück haben werde dank des magischen Hundes. Ich denke, dank Derren und dessen Trickkiste gewann er, mit der vom Publikum ausgewählten vier. Übrigens, die Show finde ich sehenswert, ist gut gemacht und zeigt auf, an was man so alles glauben kann.

Was ich jedoch noch besser finde ist, dass es tatsächlich eine Zehn-Jahres-Studie von Richard Wiseman (The Luck Factor: The Scientific Study of the Lucky Mind) gibt, die sich zusammenfassen lässt in:

Glück hat man nicht, man kreiert es.

„Vertraue auf dein Glück – und du ziehst es herbei.“

Seneca

Die Zehn-Jahres-Studie zeigte auf, dass Menschen zu einem grossen Teil selbst für ihr Glück und Unglück verantwortlich sind und sogar, dass es möglich ist, mehr Glück im Leben an sich zu ziehen. So manches Beispiel kennen wir aus unserem eigenen Leben. Der Stanford-Psychologe Alfred Bandura postulierte, dass manche der wichtigsten und lebensentscheidenden Glücksfaktoren häufig auf triviale Umstände zurückzuführen sind. Er zitierte aus seinem Leben:

Als Student fühlte er sich gelangweilt und beschloss eine Runde Golf mit seinem Freund zu spielen. Zufällig spielten sie hinter zwei attraktiven Spezimen des weiblichen Geschlechts und schlossen auf zu einem Foursome (vier spielen zusammen Golf). Nach dem Golf verabredete sich Alfred mit einer der Damen und heiratete sie später. Der Zufall auf dem Golfplatz änderte sein Leben.

Für Abergläubische gilt, am Freitag den 13.ten erst gar nicht aus dem Bett zu gehen, hoffentlich kreuzt keine schwarze Katze den Weg von links nach rechts oder umgekehrt. Aberglaube und Amulette haben jedoch keinen Einfluss auf unser Glück, so Richard Wiseman. Er analysierte über zehn Jahre 400 Normalbürger, vom Studenten bis zum pensionierten 84jährigen Buchhalter. Manche in der Gruppe hielten sich für überdurchschnittlich vom Glück besucht, während andere sich als permanent vom Pech verfolgt sahen. Seine Studie zeigte auf, dass Menschen weder als Glücks- noch als Pechvogel geboren werden und dass Glück weder magische noch zufällige Ursachen hat. Es gilt vielmehr, obwohl die Beteiligten kaum wissen, warum sie Glück oder Unglück haben, dass ihre Gedanken und ihr Verhalten die überwiegende Ursache für Glück oder Unglück sind.

Sein Studienergebnis definierte vier grundlegende Prinzipien für mehr Glück, die, wie in seiner „Luck-School“ (Glücksschule) nachgewiesen, lernbar sind.

Die Ausbildung in der Glücksschule bestand aus zwei Teilen. Er analysierte und untersuchte mit standardisierten Fragen die aktuelle Lebenssituation in Hinblick auf Glück und Unglück. Dann erklärte er die vier Grundprinzipien und bat darum, einige Übungen während vier Wochen durchzuführen. 80% der Glücksschule-Teilnehmer bestätigten, dass sie seit ihrer Teilnahme mehr Glück erleben durften, glücklicher lebten und zufriedener mit ihrem Leben waren. Im Durschnitt schätzten sie, dass sich ihr Glücks- und Lebensqualität-Faktor um circa 40% erhöht habe.

Die vier Grundprinzipien:

1. Gelegenheiten erkennen und kreieren

Wiseman gab sowohl den Glück- als auch den Pechvögeln eine einfache Aufgabe. Er verteilte eine Zeitung und die Probanden sollten ihm mitteilen, wie viele Bilder sich in der Zeitung befinden. Die Glücklosen benötigten im Schnitt zwei Minuten, um die Aufgabe zu lösen, während die Glückspilze das Ergebnis nach Sekunden wussten. Warum? Auf der zweiten Seite stand, „Höre auf zu zählen, es sind 43 Fotografien in dieser Zeitung“. Die Buchstaben waren über fünf Zentimeter gross und belegten die halbe Seite. Jeder konnte es eigentlich sehen, doch die Unglücksraben übersahen die Anzeige.

Persönlichkeitstest bestätigen, dass Pechvögel überdurchschnittlich angespannter, ängstlicher und nervöser sind. Ängstlich sein reduziert die Aufnahme- und Beobachtungsfähigkeit für Unvorhergesehenes und unerwartete Ereignisse. Pechvögel vermissen Gelegenheiten, oft deshalb, weil sie auf etwas anderes konzentriert sind. Sie gehen auf eine Party, um den perfekten Partner zu finden und vermissen damit die Möglichkeit Freundschaften zu schliessen. Sie suchen ihren speziellen Traumjob in der Zeitung und übersehen dabei andere Gelegenheiten. Glückspilze sind öfter entspannt und offen für anderes und sehen damit eher, was tatsächlich vor ihnen liegt, anstatt nur zu sehen, was sie sehen wollen. Es ist leicht, Gelegenheiten zu vermissen: Immer mit den gleichen Menschen in der gleichen Art kommunizieren, den gleichen Weg von und zur Arbeit nehmen oder die gleichen Kneipen besuchen, den gleichen Urlaubsort wählen etc.. Mit dem Glück haben ist es das Gleiche. Neues und zufälliges Verhalten erhöht das Potenzial für andere – glückliche – Gelegenheiten.

2. Der Intuition folgen

Glückspilze folgen ihren Eingebungen und ihrem Bauchgefühl. Beinahe 90% der Glückskinder sagen, dass sie ihrem Gefühl bei der Partnerwahl folgten. 80% sagen, dass ihr Bauchgefühl eine wesentliche Rolle in ihrer Karriereentscheidung spielte und 20% folgen ihrer Intuition bei allen wichtigen Entscheidungen. Sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich mit Problemen (gibt’s ja nicht, gibt es doch nur Herausforderungen) mit Meditation oder sich mit sich selbst bewusst in einer stillen Ecke auseinanderzusetzen, um ihr Gefühl im Bauch zu erspüren.

3. Optimistisch sein

Das Gute von und für sich darf man erwarten. Damit sind nicht die Erwartungen von anderen gemeint, sondern das Bewusstsein, dass wir eher bereit sind, etwas Neues zu probieren und bei der Stange zu bleiben, wenn wir glauben, dass wir erfolgreich sind. Laut Wiseman glauben Glückspilze zu 90%, dass ihr nächster Urlaub der Urlaub ihres Lebens sein wird und 84%, dass sie zumindest eine ihrer Lebensambitionen erreichen werden.

4. Unglück anders definieren

Glückspilze haben auch Pech, aber sie gehen anders damit um. Sie sehen die positive Seite des Pechs und somit die andere Seite der Medaille. Sie glauben, dass das Missgeschick zu etwas Positivem führt. Sie verweilen nicht für ewig in ihrer missmutigen Stimmung und denken konstruktiv darüber nach, wie sie Pech in der Zukunft vermeiden können. Aufzugeben, schlechte Stimmung zu haben und die Welt als unfair zu bezeichnen, hilft nicht, um Gelegenheiten für die Zukunft zu erkennen.

Wiseman hat nicht nur herausgefunden, dass Glückspilze diese vier Qualitäten gemein haben, er hat zudem in seiner „Lucky-School“ aufgezeigt, dass man lernen kann, mehr Glück zu haben, alleine dadurch, dass man diese Prinzipien erkennt und anwendet. Die Teilnehmer hatten nicht nur mehr Glück, auch ihre Lebensqualität hatte sich verbessert. Sich selbst zum Glückspilz zu machen, macht also auch noch glücklicher.

„Glück entsteht durch das Zähmen des Bewusstseins.“

Dalai Lama

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