Sonne im Herzen
Stell dir vor:
Die Sonne wacht morgens auf und denkt:
„Ach, heute wieder nur scheinen und wärmen? Wie langweilig! Ich möchte so gerne wie der Mond das Meer bewegen oder wie ein Berg majestätisch in der Landschaft stehen.“
Klingt absurd, oder?
Und doch… wie oft ertappen wir uns bei ganz ähnlichen Gedanken?
Die kosmische Arbeitsteilung
Marcus Aurelius, der philosophierende Kaiser, fragte einmal treffend:
„Versucht die Sonne, die Arbeit des Regens zu verrichten? […] Und die Sterne? Sind sie nicht alle verschieden und arbeiten doch auf dasselbe Ziel hin?“
Im großen kosmischen Orchester spielt jeder sein Instrument.
Die Sonne brennt, der Regen nährt, der Wind verbreitet, die Erde empfängt.
Kein Stern beneidet den anderen um seinen Glanz. Kein Berg träumt davon, ein Fluss zu sein.
Nur wir Menschen … wir ringen ständig mit unserer Rolle.
Die Weisheit des Mittwochs für diese Woche:
Deine Exzellenz besteht nicht darin, jemand anderes zu sein, sondern darin, ganz du selbst zu sein.
Das „Das-ist-nicht-mein-Job“-Syndrom
Kennst du das?
Du schaust auf deine To-Do-Liste und denkst insgeheim:
– „Das ist unter meiner Würde.“
– „Dafür bin ich überqualifiziert.“
– „Diese Aufgabe sollte jemand anders machen.“
– „Mit meinen Fähigkeiten könnte ich etwas Besseres machen.“
Wir verschwenden so viel Energie damit, uns gegen das zu wehren, was VOR uns liegt, während wir von dem träumen, was NICHT vor uns liegt.
Die Therapie des Marcus Aurelius
Der alte Stoiker bietet uns ein einfaches, aber kraftvolles Gegenmittel für dieses Leiden:
1. Erkenne die kosmische Ordnung: Das Universum hat keinen Grund, dir unpassende Arbeit zuzuweisen. Welchen Sinn hätte das?
2. Verstehe deine Natur: Als rationale und soziale Wesen gehören wir vielen Gemeinschaften an – der Familie, dem Freundeskreis, der Stadt, dem Land, der Menschheit, dem Universum.
3. Finde dein Wohl: Was diesen Gemeinschaften nützt, ist unser einziges Wohl. Was uns widerfährt, trägt zum Wohl des Universums bei.
4. Entdecke die Win-Win-Situationen: Bei genauerem Hinsehen stellen wir oft fest, dass das, was dem Einzelnen nützt, auch den Mitmenschen nützt.
Ein kleines Experiment für die Mittagspause
Nimm dir drei Minuten Zeit und beantworte diese Fragen:
1. Welche Aufgabe oder Pflicht in deinem Leben lehnst du innerlich ab?
2. Was wäre, wenn diese Aufgabe genau das wäre, was du jetzt tun solltest?
3. Wie würdest du diese Aufgabe angehen, wenn du sie annehmen würdest?
Die Kunst, dein eigener Stern zu sein
Wahre Spitzenleistung liegt nicht darin, etwas anderes zu tun als das, was vor dir liegt.
Sie liegt darin, deine Aufgabe mit voller Präsenz, Hingabe und Güte zu erfüllen – wie ein Stern, der einfach leuchtet, ohne sich zu fragen, warum er nicht der Mond sein kann.
Es gilt, das Beste zu geben.
Egal unter welchen Umständen:
Wir können trotzdem für uns selbst sorgen und im Einklang mit unserer Natur handeln.
Dein Gedanke für heute:
Ich bin genau da, wo ich sein soll und tue genau das, was ich tun soll.
Nicht, weil es immer schön ist.
Nicht weil es immer leicht ist.
Sondern weil es DEINE Rolle im großen kosmischen Tanz ist – und es deine Wahl ist.
PS: Der stoische Kaiser Mark Aurel schrieb seine „Meditationen“ übrigens nachts in seinem Zelt an der Front – während er Kriege führte, die er nicht führen wollte, und ein Reich regierte, das er nicht regieren wollte. In seinen Meditationen klagt er über die Mühsal und Sinnlosigkeit vieler weltlicher Dinge – inklusive Krieg. Wenn er seine Rolle annehmen konnte, können wir das vielleicht auch?