Ein 5-Minuten-Experiment fürs Wochenende

Vor deinem Kleiderschrank auf der Suche nach deinem Lieblings-T-Shirt.

Nach 5 Minuten findest du drei T-Shirts, die du ganz vergessen hattest, aber nicht das eine, das du suchst.

Wie oft passiert dir das?

Seneca, der alte Schlaufuchs aus Rom, hätte sich köstlich amüsiert. Vor rund 2000 Jahren schrieb er:

„Nicht der Verlust ist es, der uns quält, sondern der Gedanke an den Verlust“.

Machen wir ein kleines Experiment:

Schließe kurz die Augen und zähle in Gedanken alle Hemden/Blusen auf, die du besitzt.

Fertig?

Jetzt geh zu deinem Kleiderschrank und zähl nach.

Wetten, da sind ein paar Überraschungsgäste dabei?

Die Bluse vom letzten Sommerschlussverkauf. Das Hemd, das „irgendwann mal wieder passt“. Der Pullover, den du völlig vergessen hast.

Jetzt kommt der Clou:

Wenn du diese Dinge vergessen hast, wie sehr „brauchst“ du sie dann wirklich?

Der größte Witz?

Wir klammern uns an Dinge, die wir gar nicht mehr wahrnehmen. Wir haben Angst, Dinge zu verlieren, deren Existenz wir vergessen haben!

Während wir Marie Kondo dafür feiern, dass sie uns gelehrt hat, uns von Dingen zu trennen, die uns keine Freude mehr bereiten, halten wir gleichzeitig an Dingen fest, die wir gar nicht mehr wahrnehmen.

Kleine Herausforderung fürs Wochenende:

Wähle EINEN Bereich aus (nicht gleich den ganzen Haushalt, wir wollen ja nicht übertreiben):

– Eine Schublade

– Ein Schrankfach

– Eine Werkzeugkiste

– Eine Schmuckschatulle

 

Dann machst du eine kleine Inventur:

    1. Was findest du, was du vergessen hast?
    2. Was hast du im letzten Jahr wirklich gebraucht?
    3. Was würdest du heute wieder kaufen?

 

Das Erstaunliche ist: Die Dinge, die wir wirklich brauchen und schätzen, haben wir selten vergessen.

Seneca würde jetzt wahrscheinlich sagen (mit seinem typischen „Ich-weiß-was“ Philosophenlächeln):

„Das Einzige, was du wirklich besitzen solltest, ist dein Selbst“.

Klingt erst mal hochtrabend. Aber denk mal darüber nach: Wann hast du das letzte Mal vergessen, dass du Hunger hast? Oder dass du müde bist? Oder glücklich?

Das sind die Dinge, die wir wirklich „besitzen“ – unsere Gefühle, Gedanken, Werte. Alles andere ist … nun ja, Dekoration.

PS: Falls du dich wunderst – dein Lieblings-T-Shirt war vielleicht in der Wäsche. Manchmal ist die einfachste Erklärung die beste!

PPS: Demnächst gibt es einen Workshop, wie man seinen Kopf entrümpelt. Ich halte dich auf dem Laufenden.

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