Vorsicht: deine Augen lügen

Du kennst das ja. Die Kasse im Supermarkt. Die Kassiererin schaut dich nicht an, murmelt kaum verständlich den Betrag und wirft dir das Wechselgeld zu.

Erster Gedanke?

„Wie unhöflich!“

Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem weisen alten Professor:

„Deine Augen können dir nur zeigen, WAS passiert – aber niemals WARUM.“

Moment mal. War die Kassiererin wirklich unfreundlich? Oder hatte sie vielleicht…

– gerade eine schlechte Nachricht erhalten?

– Sorgen um ihr krankes Kind?

– Migräne?

– oder einfach nur einen dieser Tage, die wir alle kennen?

 

Der springende Punkt ist: Unsere Sinne liefern uns nur Rohdaten. Wie ein Computer, der eine Reihe von Nullen und Einsen empfängt. Erst unser Verstand gibt diesen Daten eine Bedeutung.

Das Problem?

Wir überspringen meist den Schritt des Nachdenkens und springen direkt zur Schlussfolgerung:

– Der Kollege grüßt nicht → „Der mag mich nicht“.

– Der Chef kritisiert → „Der hat was gegen mich“.

– Jemand kommt zu spät → „Der schert sich nicht um meine Zeit“.

Kleines Experiment für heute:

Nimm dir einen Moment Zeit und denke über die letzten drei „Urteile“ nach, die du über Menschen gefällt hast. Vielleicht über:

– den Autofahrer, der dir die Vorfahrt genommen hat

– den Nachbarin, die nicht zurückgrüßte

– Den Partner, der „schon wieder“ dies oder das macht…

 

Der spannende Teil:

Frage dich bei jedem dieser Urteile: „Könnte es auch eine andere Erklärung geben? Was, wenn ich mich irre?“

Weißt du, was das Knifflige ist?

Manchmal liegen wir mit unseren ersten Eindrücken richtig. Der unhöfliche Mensch IST manchmal einfach unhöflich. Aber oft, sehr oft, übersehen wir die größere Geschichte.

Wie der weise Marcus Aurelius sagte:

„Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit“.

Das Wichtigste zum Mitnehmen:

Zwischen Beobachtung und Urteil gibt es einen wichtigen Zwischenschritt: das Nachdenken. Nutzen Sie ihn!

PS: Übrigens, die Kassiererin?  Wie sich herausstellte, war ihr Kind krank und sie verbrachte fast die ganze Nacht neben dem Bett. Manchmal braucht es nur eine Frage, um eine ganze Geschichte aufzudecken.

 

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