Wir sind nicht schizophren – wir sind multi-phren
Der legendäre Pianist Arthur Rubinstein wurde einmal gefragt, wie er über die richtige Interpretation eines Stückes entscheide?
Er antwortete:
„Wenn ich spiele, sitze ich nie allein am Klavier. Da ist der ängstliche Kritiker, der jeden Ton bewertet. Da ist der Techniker, der auf die Mechanik achtet. Und da ist das Kind, das einfach nur spielen will. Die Kunst besteht darin, zu wissen, wann man wem zuhören muss.“
Was Rubinstein über die Musik sagte, gilt auch für unser Leben.
Wir sind nie allein „am Klavier“ unserer Entscheidungen.
Obwohl wir viele verschiedene innere Stimmen haben:
- den inneren Kritiker
- das verletzte Kind
- den beschützenden Elternteil
- und viele andere
… gibt es zwei zentrale Stimmen, die besonders laut werden, wenn wir Entscheidungen treffen:
Stimme Nummer 1 ist die Stressstimme, die Stimme der Angst.
Die „Ach-du-sch**ße-gleich-explodiert-alles-Stimme“
Die „Bist-du-verrückt-Stimme“
Die „Schnell-weg-hier-Stimme“
Du erkennst sie daran, dass sie:
– von der Zukunft spricht und behauptet, sie GENAU zu kennen.
– die lauteste ist (sie schreit praktisch)
– eine körperliche Enge in deiner Brust erzeugt
– dich von etwas wegziehen will
Stimme Nummer 2 ist die Stimme deiner Intuition.
Die leisere Stimme, die „Probier’s doch mal“-Stimme.
Du erkennst sie daran, wie sie spricht:
– über das spricht, was JETZT für dich richtig ist
– leise flüstert (damit du genauer hinhörst)
– eine Weite in deiner Brust erzeugt
– dich AUF etwas zu bewegen möchte
Kleine Übung für den Anfang der Woche:
1. Der Stimmencheck:
Denke an eine aktuelle Entscheidung in deinem Leben
– Schreibe auf, was Stimme 1 (die Angst) dazu sagt.
– Schreibe auf, was Stimme 2 (die Intuition) dazu sagt.
– Achte auch auf die anderen leisen Stimmen, die vielleicht mitreden.
2. der Körper-Kompass:
Für jede Option
– Atme tief ein und stelle dir vor, dass du dich für diese Option entscheidest.
– Spüre in deinen Körper hinein: Entsteht Enge oder Weite?
– Bewegt sich etwas in dir auf dich zu oder von dir weg?
Gedanke für die Woche:
„Die Angst schreit, weil sie erregt ist. Die Intuition flüstert, weil sie weiß, dass du zuhörst.“
Ein Gedicht (von Tim Schlenzig), das ich neulich las, drückt es so schön aus:
*Immer zwei Stimmen in mir
Die eine flüstert weise
die andere schreit Alarm
Doch heute wiegt die leise
die andere im Arm*.
Die Wahrheit ist:
Wir brauchen beide Stimmen.
Die laute Angst kann uns vor echten Gefahren warnen.
Die leise Intuition weist uns den Weg zu Wachstum und Freude.
Die Kunst ist, zu wissen, welche in welcher Situation die Führung übernehmen soll.
Und manchmal braucht es einen dritten Teil in uns
– den weisen Beobachter –
der beide Stimmen hört und dann entscheidet, welcher er folgen will.
Bis Mittwoch!
PS: Wenn du lernen möchtest, deine inneren Stimmen besser zu unterscheiden, deine Intuition zu stärken und dich als Beobachter zu etablieren, dann lass uns darüber sprechen.
PPS: Alle deine inneren Stimmen haben übrigens das gleiche Ziel: dich zu schützen und zu fördern. Sie verwenden nur unterschiedliche Strategien!