Wo ist die Zugspitze
Gerade sitze ich in Garmisch-Partenkirchen.
Um mich herum die Berge – inklusive Zugspitze.
Wolkenuntergrenze circa 300 m über Grund. Nichts zu sehen. Ein Problem oder ein Hindernis?
Warum sind manche Hindernisse im Leben wie unüberwindbare Berge, während andere nur kleine Hügel auf unserem Weg sind?
Paul Watzlawick, ein Meister der Psychoanalyse und Kommunikationsforschung, bringt Licht ins Dunkel. Er unterscheidet zwischen „Schwierigkeiten“ und „Problemen“.
„Schwierigkeiten“ sind all die kleinen und großen Herausforderungen, denen wir täglich begegnen. Sie sind Steine auf unserem Weg, die wir mit etwas Mühe und Geschick aus dem Weg räumen.
Und dann gibt es die “Probleme“ – das sind die Schwierigkeiten, die wir noch nicht gelöst haben.
Ganz einfach, oder?
Stell dir vor, du stehst vor einem riesigen Problem.
Du siehst keinen Ausweg, weil du das Problem so definiert hast, dass es unlösbar erscheint.
Hier kommt Watzlawicks geniale Einsicht ins Spiel:
Die Kunst besteht darin, unsere Probleme „lösbar zu konstruieren“. Damit haben wir schon den ersten Schritt zur Lösung getan.
Jeder, der schon einmal vor einem Computer gesessen hat, weiß, wie frustrierend es ist, wenn etwas nicht funktioniert.
Aber wenn man versteht, was hinter den Kulissen abläuft und weiß, was zu tun ist, verwandelt sich Frustration in Kontrolle und Kompetenz.
Einige Gedanken:
Hartnäckige Probleme lösen sich in der Regel nicht dadurch, dass man versucht, sie bis ins Detail zu verstehen –
sondern dadurch, dass wir einen signifikanten Unterschied im bestehenden Muster entdecken.
Zum Beispiel, wenn ein neuer Mitarbeiter in ein Team kommt und mit ihm neue Sichtweisen.
Aber auch durch scheinbare Kleinigkeiten lassen sich Problemlösungen erkennen:
ein passendes Wort, ein neuer Gedanke, eine gute Frage, ein Mensch, der einem anderen zuhört, ein paar Tropfen eines Medikaments, ein mutiger Mitarbeiter, der Nein sagt, wo alle anderen bisher geschwiegen haben, etc.
Es gibt eine Reihe von Vorgehensweisen, die unabhängig von der Art des Problems geeignet sind, Probleme zu lösen und diesen „bedeutenden Unterschied“ zu bewirken.
Diese speziellen Vorgehensweisen werden als „Universalschlüssel“ bezeichnet – in Anlehnung an die Werkzeuge von Schlossern, die Türen öffnen können, ohne genau der Schlüssel zu sein, der ins Schloss passt.
Einige Beispiele für eher unlösbar und eher lösbar formulierte Probleme:
Stress:
Eher unlösbar formuliert: Ich habe immer Stress mit meinem Chef und meinen Kollegen.
Eher lösbar formuliert: Ich habe in letzter Zeit häufiger Stress bei der Arbeit.
Liebeskummer:
Eher unlösbar formuliert: Ich habe immer Pech bei der Partnersuche und jetzt habe ich keine Lust mehr.
Eher lösbar formuliert: Trotz vieler Bemühungen und Bekanntschaften habe ich noch keinen Partner.
Finanzen:
Eher unlösbar formuliert: Meine Schulden wachsen mir über den Kopf und ich bin verzweifelt.
Eher lösbar formuliert: In finanziellen Dingen habe ich noch kein richtiges Konzept gefunden.
Krankheit:
Eher unlösbar formuliert: Irgendwie ziehe ich Krankheiten magisch an, ohne etwas dagegen tun zu können.
Eher lösbar formuliert: Seit über zwei Jahren bin ich so oft krank – ich frage mich, woran das liegen könnte.
Der Unterschied in den Formulierungen liegt meist darin, dass die lösbar konstruierten Probleme eine Chance auf Veränderung eröffnen und die unlösbar konstruierten eher nicht.
Du kannst auch so denken:
Jedes Problem hat eine Lösung. Wenn nicht, dann ist es kein Problem, sondern ein Faktum.