Wenn mein Telefon klingeln würde…

Es sind gerade 22 Tage vergangen, seit Sie das Neue Jahr begrüsst haben und vielleicht hatten Sie Vorsätze ins Auge gefasst. Hand aus Herz, mit heute sind bereits 6,03% von 2017 vorbei. Noch knapp 17mal die gleiche Periode und schon knallen die Silvesterkorken erneut. Wie lief es mit den Vorsätzen bisher oder schon wieder im alten Trott? Wir sind einfach Gewohnheitstiere und jegliche Veränderung ist theoretisch einfach, vor allem weil wir dazu neigen, uns für die Zukunft zu überschätzen, während die Umsetzung Aufwand bedeutet und der Teufel sich im Detail versteckt. Wo sind die Engel eigentlich?

Einer der Gründe, warum ich mit vielen Lebenshilfe-Büchern, Coaching-Literatur und sogar einigen Coaching-Ausbildungs-Kursen meine Probleme habe, liegt in der Tatsache, dass die zugrundeliegenden Beispiele auf was ich „Ideal Zustände“ nennen würde aufbauen. Mir wurde noch beigebracht, dass die Coaching-Klienten mit ihren Träumen und Wünschen zu mir kommen und „alles“ was ich zu tun hätte, sei, den Kunden zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Die Realität ist ein bisschen anders. Mehr als die Hälfte meiner Kunden ist sich nicht wirklich sicher, was sie in ihrem Leben wollen. Sie wissen, da ist „mehr“ – aber was dieses „mehr“ ausmacht, das ist gar nicht so einfach. Und im Trott fliesst das Leben schnell. „Ich wollte doch noch…“ – und dann sitzt man schon wieder im Biergarten, unter den Kastanien, weil es im Schatten so schön angenehm ist.

Zurück zu den „Ideal“-Klienten. Zu Beginn meiner Coaching-Tätigkeit machte mir das ganz schön zu schaffen, denn ich dachte über den Kunden: „Wenn Du nicht weisst, was du willst, wie soll ich denn das wissen? Wie soll ich da unterstützen?“ Heute ist es das Gegenteil: Ich liebe Herausforderungen dieser Art, weil sie sehr interessante Aufgaben beinhalten und jeder Mensch ist anders. Zielsetzung und Verantwortlichkeit fordern, sind zwar ein wesentlicher Bestandteil des Coachens, aber es ist ungleich inspirierender und spannend, jemanden zu unterstützen, wirklich Klarheit in seinem Leben zu finden.

Es ist nicht die Aufgabe eines Coaches, die Herausforderungen des Kunden zu lösen. Das ist die Aufgabe des Klienten, kennt er sich doch selbst am besten, mögen ihm zwar im Moment seine Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, aber tief im Inneren weiss er, wie und was er wirklich will und wie es erreicht werden kann. Er findet es eben nur noch nicht.

Der Coach unterstützt auch im Probleme lösen, jedoch häufiger dadurch, dass er hilft, das wahre, oft tieferliegende Problem klar zu definieren. Wenn der Kunde sein wirkliches Problem, seine tatsächliche Herausforderung, erkannt hat, dann ist die Lösung einfacher zu finden.

Es ist nie zu spät, mit etwas Neuem anzufangen. Wenn Sie mit gestern nicht zufrieden waren, dann versuchen Sie heute, etwas anders zu tun. Raus aus dem Trott. Etwas besser oder einfach anders machen. Wenn das Leben kompliziert ist oder man sonstige negative Einflüsse um sich herum findet, dann, und ich spreche aus eigener Erfahrung, dann ist es so, dass man meistens selbst die Verantwortung dafür trägt. Gleichzeitig zu viele Dinge angehen, macht alles kompliziert. Die romantische Annahme, alles mit Höchstgeschwindigkeit, so wie in Hollywood, anzugehen, ist nicht nachhaltig.

 

Wollen oder nicht wollen?

Ich glaube, es ist gut, Gedanken schriftlich festzuhalten. Wenn ich Kunden animiere, aufzuschreiben, eine Liste zu erstellen, was sie denn in den nächsten zwölf Monaten erreichen wollen, dann ist das oft schwierig für sie. Ich höre: „Nun, das ist gar nicht so einfach. Ich weiss nicht genau, was wirklich wichtig für mich ist, was ich eigentlich will.“ Dann sage ich, und es ist meine Überzeugung: „Ja, einfach ist das nicht, das verstehe ich gut. Warum schreiben Sie nicht auf, was Sie auf jeden Fall nicht haben wollen, was Sie hoffen, dass es nicht eintrifft?“

Das ist um vieles einfacher. Klienten sagen zum Beispiel: „Nun, ich möchte mich nicht verschulden, ich möchte meinen Job, mein Geschäft, nicht verlieren.“ – und ich sage: „Gut, schreiben Sie weiter.“

Und dann konvertieren wir das, was sie nicht wollen, in Ziele. Wir sagen: „Okay, Du willst dein Business nicht verlieren. Es soll also weiterhin profitabel sein und sogar grössere Gewinne abwerfen. Was ist denn genau notwendig, um zu garantieren, dass das passiert?“ Oft können wir die Dinge, die wir nicht wollen aus einem anderen Blickwinkel betrachten und werden erkennen, was wir anstreben und dies können wir dann als Ziel formulieren.

 

Wenn das Telefon klingeln würde…

Die zweite Variante ist noch einfacher – und wenn ich einfacher sage, dann meine ich wirklich ganz simpel – bedingt nur, sich zurück zu lehnen und sich zum Beispiel eine der folgenden Fragen auf dem Trommelfell zergehen zu lassen:

„Wenn mein Telefon klingeln würde und mein Freund anrufen würde, um mir mitzuteilen, was er vorhat und mich fragt, ob ich da mitmache? Was würde er mir vorschlagen, dass ich sofort mit voller Begeisterung dabei wäre?“

Oder falls es mit dem Job nicht so läuft, wie man es haben möchte:

„Wenn mein Telefon klingeln würde und ein Headhunter am Telefon wäre und mir einen neuen Job anbieten würde – was würde er mir sagen, dass ich sofort antworten würde, ja, da bin ich genau der Richtige für Sie.

Oder in meinem Geschäft:

„Wenn mein Telefon klingeln und mein Idealkunde anrufen würde, was würde er genau sagen, dass ich antworten würde, ja, gerne und perfekt, da sind Sie bei mir genau richtig.“

Wenn man weiss, was man will, sowohl im beruflichen wie im privaten Umfeld, dann ist das hammergeil. Wenn nicht, vielleicht probieren Sie eine oder mehrere der obigen Fragen? Vielleicht gibt es eine Überraschung? Falls nicht, was haben Sie verloren? Ausserdem könnten Sie ja auch mich engagieren…

Geniessen Sie 2017. Es ist im Moment das beste und einzige Jahr, das wir haben.

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