Guten Morgen

Dies ist Folge 3 von 6 meiner kleinen Schulz-von-Thun-Serie.

Falls du die ersten beiden verpasst hast:

Nachfolgend geht’s um ein Modell, das ich liebe, weil es dich gleichzeitig entlastet und doch dir die Verantwortung zurückgibt:

Das innere Team.

Oder anders gesagt: Du bist nicht „widersprüchlich“. Du bist… besetzt:
In dir sitzt ein Team. Und manchmal spricht ein Teil in dir, der gar nicht bewusst eingeladen war.

Warum Kommunikation oft nicht an Worten scheitert

Wir glauben ja gerne, Kommunikation sei nur ein Problem zwischen zwei Menschen.

In Wahrheit ist es jedoch häufig ein Problem in dir zwischen sechs Teilen und mehr …

Denn, bevor du überhaupt einen Satz sagst, ist bei dir innen längst Konferenzbetrieb.

Da ist zum Beispiel:

  • der Diplomat, der Frieden will
  • der Richter, der Recht haben will
  • der Harmonie-Mensch, der gemocht werden will
  • der Klartext-Mensch, der endlich mal auf den Tisch hauen will
  • der Vorsichtige, der jedes Risiko sieht
  • und irgendwo hinten sitzt oft noch einer, der nur murmelt:
    „Wenn das schiefgeht, sterben wir alle.“

Manche haben da ein ganzes Orchester und jeder will die 1. Geige spielen.

Das ist menschlich und gesund und gibt uns die Möglichkeit, einen Raum zu setzen zwischen Reiz und Reaktion

Und genau hier ist die Brücke zu den ersten beiden Folgen:

  • Klugi macht gerne schöne Konzepte und logische Theorien.
  • Dummi fragt: „Und was heißt das konkret?“
  • Die vier Ohren entscheiden, wie du etwas hörst.
  • Das innere Team entscheidet, wie du schlussendlich antwortest.

Das Hauptproblem: der Lauteste gewinnt

Wenn du (noch) kein Teamchef oder Dirigenten aktiviert hast, regiert innen oft das Lautstärkeprinzip.

Dann antwortest du nicht, weil du etwas wirklich willst,
sondern, es antwortet der Teil in dir, der dich gerade am schnellsten und besten schützt:

  • Angriff
  • Rückzug
  • Rechtfertigung
  • Witz (ja, Humor kann auch Flucht sein)
  • oder Schweigen mit innerem Grollen

Und Stunden danach kommt die Phase der späten Nachdenklichkeit:
„Ah. DAS hätte ich sagen sollen.“

Willkommen. Du bist in guter Gesellschaft.

Die gute Nachricht: Teamchef etablieren und zu sein kann man lernen:

Teamchef heißt nicht: alle Stimmen abschaffen.

Teamchef heißt:
Jeder darf reden, aber nicht jeder bekommt das Mikrofon.

Oder noch einfacher:
Du gibst dem inneren Team einen Auftrag.

Nicht: „Wie fühle ich mich?“
Sondern: „Was ist hier gerade wichtig – und was will ich bewirken?“

Mini-Übung (4 Minuten): Teamcheck vor einem Gespräch

Nimm ein Gespräch, das ansteht. Oder eines, das dich noch beschäftigt.

    1. Schreib oben aufs Blatt: „Inneres Team“
    2. Notiere die drei lautesten Stimmen, die vermutlich in dir auftauchen.
      Zum Beispiel:
    • „Der Harmonie-Mensch“
    • „Der Klartext-Mensch“
    • „Der Vorsichtige“

3.Jetzt die Teamchef-Frage:
„Wofür sind diese Stimmen gut?“
Nicht: „Warum nerven sie?“
Sondern: „Was wollen sie für mich schützen oder erreichen?“

4. Und dann formuliere einen Teamchef-Satz:
„Heute will ich ________ und gleichzeitig ________.“

Beispiele:

„klar sein und respektvoll bleiben“

„meine Bedürfnisse zeigen und mich nicht rechtfertigen“

„verstehen und nicht recht haben“

„eine Grenze setzen und die Beziehung nicht beschädigen“

Dieser Satz ist dein Kompass. Der Rest ist Gespräch und dann darfst du dir vertrauen, dass es für dich stimmig sein wird.

 

Viele Menschen arbeiten an ihrer Kommunikation, indem sie an Formulierungen feilen.

Das ist nicht falsch. Nur oft zu spät und damit nicht vollumfänglich wirksam.

Die grössere Hebelwirkung entsteht früher:
wenn du innerlich sortierst, welcher Teil in dir gerade sprechen am lautesten spricht – und weshalb. Dann entscheidest du, welcher Teil sprechen soll.

Denn dann sprichst du deutlicher und klarer und gemäß deinen inneren Bedürfnissen.
Du sprichst und handelst stimmiger.

Reflexionsfrage

Welche Stimme in deinem inneren Team übernimmt bei Stress am schnellsten das Mikrofon?
Und welche Stimme wäre dann gerade hilfreich, wenn du sie bewusst dazu holen würdest?

Mit Klarheit
Harry

PS: Nächste Woche Folge 4: Stimmigkeit oder: Warum „Authentizität“ manchmal einfach nur ein schlecht getarnter Presslufthammer ist.


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